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G9 in NRW: 1280 „Vorgriffsstellen“ für Gymnasien besetzt

NRW-Schulministerin : 1280 „Vorgriffsstellen“ für Gymnasien besetzt

Im Vorgriff auf die Umstellung auf G9 an den nordrhein-westfälischen Gymnasien zum Schuljahr 2026/27 hat das Land 1280 neue Lehrkräfte eingestellt.

Wie Schul- und Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Montag in Düsseldorf mitteilte, konnte NRW somit bereits einen großen Teil der mittlerweile 1450 geschaffenen „Vorgriffsstellen“ für Lehrkräfte der Sekundarstufe II besetzen.

Mit dem sperrigen Begriff der „Vorgriffsstellen“ sind zusätzliche Arbeitsplätze für Lehrerinnen und Lehrer gemeint, die eigentlich erst von 2026 an für die Gymnasien vorgesehen sind. Bis dahin sollen diese für die Sekundarstufe II ausgebildeten Lehrkräfte an anderen Schulen und Schulformen unterrichten, die unter besonderem Lehrkräftemangel leiden.

Gebauer sprach von einer „Win-win-Situation“: „Zum einen können wir den Personalherausforderungen an anderen Schulformen besser begegnen, zum anderen schaffen wir schon heute die besten Bedingungen für den Unterricht in den Gymnasien ab 2026.“ Die Lehrerinnen und Lehrer sollen überwiegend von ihren Stammschulen an andere Schulformen abgeordnet werden. Die meisten davon an Grund- und Gesamtschulen, wo sie aktuell am dringendsten gebraucht werden.

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Mit den 1450 Zusatzstellen im Zuge der Rückkehr vom G8-Bildungsgang zu G9 (9 Jahrgangsstufen an Gymnasien) zum Start des Schuljahres 2026/27 ist es aber nicht getan. Insgesamt wird ein Bedarf von etwa 4200 Lehrerinnen und Lehrern erwartet. Im Vorgriff darauf werden bereits jetzt Stellen bereitgestellt - und die Lehrkräfte gewissermaßen erst einmal an andere Schulen verliehen.

Nach Ansicht der SPD-Opposition verwaltet die schwarz-gelbe Landesregierung lediglich den Lehrkräftemangel und verschiebt das Problem. Für die Gymnasien werde zwar nun perspektivisch gesorgt. „Das ist jedoch die Schulform, die momentan ohnehin am besten mit Lehrerinnen und Lehrern versorgt ist“, kritisierte der stellvertretende SPD-Fraktionschef Jochen Ott.

„Eklatanter Lehrermangel“ herrsche vielmehr am Berufskolleg, den Grundschulen und in der Sekundarstufe I (Gesamt-, Real- und Hauptschulen). „Diese dürfen nun zeitlich beschränkt von den Abordnungen an ihren Schulen profitieren. Spätestens 2026 werden die Lehrkräfte an das Gymnasium zurückversetzt. Dann ist der Mangel an den andern Schulformen wieder da“, betonte Ott.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) lobt das Vorgehen grundsätzlich als „pragmatische Lösung“, übt aber ebenfalls Kritik. Laut des VBE-Landesvorsitzenden Stefan Behlau sei die Ungerechtigkeit in der Bezahlung „überdeutlich sichtbar“. Die Lehrkräfte, die über Vorgriffsstellen beispielsweise an Grundschulen abgeordnet würden, müssten nun dort von den Kolleginnen und Kollegen mit hohem Zeitaufwand eingearbeitet und intensiv begleitet werden - und würden „dennoch besser bezahlt“.

(top/dpa)