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ESC 2021: Diese Teilnehmer sind Favoriten im Finale - ein großer Check

Eurovision Song Contest in Rotterdam : Die Teilnehmer im Favoriten-Check

26 Länder treten im Finale des Eurovision Song Contest 2021 an, nur eines kann gewinnen. Wir sagen Ihnen, auf welche Auftritte Sie am Abend ganz besonders achten sollten.

Wer am Samstag das Finale des Eurovision Song Contest (21 Uhr, Das Erste) gewinnt, ist so offen wie lange nicht. Die Ausgangslage erinnert an den Wettbewerb in Düsseldorf 2011. Auch damals gab es keinen klaren Favoriten und mit dem aserbaidschanischen Duo Ell & Nikki einen Überraschungssieger. Die Show vor 3500 Menschen in der Rotterdamer Ahoy-Arena und bis zu 200 Millionen Fernsehzuschauern verspricht nicht nur bunt, sondern auch äußerst spannend zu werden. Ein Überblick.

Das Comeback des Jahres 65 Jahre ist es her, dass Lys Assia mit „Refrain“ für die Schweiz den ersten Grand Prix de Eurovision de la Chanson gewann. Seitdem haben sich nicht nur der Name des Wettbewerbs, sondern auch die eingereichten Lieder stark verändert. Doch dieses Jahr könnte zum Comeback des klassischen Grand Prix werden. Gleich zwei der am höchsten eingeschätzten Teilnehmer singen komplett auf Französisch. Gjon’s Tears schmettert sein „Tout l’Univers“ für die Schweiz mit makelloser Stimme und viel Herz. Frankreich setzt mit Barbara Pravi und „Voilà“ auf ein stilvoll-klassisches Chanson. Es könnte der erste Sieg eines französischsprachigen Songs seit 33 Jahren werden. Damals gewann eine gewisse Celine Dion für die Schweiz.

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Die Diva Maltas Starterin Destiny ist erst 18 Jahre alt, singt aber bereits wie eine ganz große Diva mit jahrzehntelanger Bühnenerfahrung. Die Siegerin des Junior Eurovision Song Contest 2015 soll nun auch beim eigentlichen ESC den ersten maltesischen Erfolg einfahren. Ihr „Je Me Casse“, einen bis auf die drei Wörter im Refrain englischsprachigen Song, schmettert sie mit großer Power in der Stimme in die Welt hinaus. Ein moderner Beitrag, der nicht zu unterschätzen ist.

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Harte Klänge Vielleicht gewinnt aber auch zum dritten Mal nach 1964 und 1990 ein italienischsprachiges Lied. Während Frankreich und die Schweiz nicht nur sprachlich, sondern auch musikalisch an die gute alte Zeit erinnern, kommt der italienische Beitrag deutlich härter daher. Die Rockband Måneskin überzeugte in den Proben mit einer wilden Bühnenshow. Ihr Beitrag „Zitti e buoni“ liegt bei den Wettanbietern mittlerweile auf Platz eins.

Fremde Welten Aus der Ukraine kommen für westeuropäische Ohren ungewohnte Klänge. Diese sind allerdings so gekonnt in Electro-Beats und eine starke Bühnen-Performance eingebaut, dass „Shum“ von Go_A gute Chancen auf eine Spitzenplatzierung hat. Während der Rhythmus immer schneller wird, tanzt die Band durch dystopisch anmutende Welten. Ein Auftritt, der sicher polarisiert, aber auf keinen Fall langweilt.

Besonderer Stil Norwegens Starter Tix hat wohl den Titel für den verrücktesten Auftritt jetzt schon sicher. Mit überdimensionalen Engelsflügeln steht er in der Mitte der Bühne, von vier Teufeln in Ketten gelegt. Auch Tix’ Geschichte ist besonders. Er ist am Tourette-Syndrom erkrankt, schon in der Schule wurde er wegen seiner Ticks bei seinem heutigen Künstlernamen genannt. Seine Partylieder für die oft ausufernden Abschlussfeiern norwegischer Schüler machten ihn in seinem Heimatland zu einer bekannten und umstrittenen Figur. Sein ESC-Beitrag „Fallen Angel“ ist hingegen ein eher durchschnittlicher Popsong.

Der politischste Beitrag Ein Lied wie „Russian Woman“ sind die ESC-Beobachter aus Russland nicht gewohnt. Da singt und rappt eine gebürtige Tadschikin über eine moderne russische Frau, die ihren eigenen Weg geht. Manisha setzt sich für die Me-Too-Bewegung ein und solidarisiert sich mit der LGBTQ-Gemeinde. Botschaften, die in Russland eigentlich gar nicht so gerne gesehen werden. Vielleicht ist es Kalkül, gerade eine solche Künstlerin nach Rotterdam zu schicken. Auf jeden Fall legt Manisha einen wunderbar schrillen Auftritt hin.

Die Vorjahresfavoriten Selbst entworfene Instrumente, eine ganz eigene Tanzperformance und grüne Pullover mit ihren Alter Egos als Videospielfiguren: Dadi & Gagnamagnid aus Island sind die Nerd-Götter des diesjährigen ESC. Es gibt nur zwei Probleme: „10 Years“ ist nicht ganz so stark wie der Vorjahresbeitrag „Think about Things“, der die Musiker europaweit bekannt machte. Und: Nach einem Corona-Fall in der Band wird zum Finale nur ein Probenvideo eingespielt. Ein Spitzenplatz ist dennoch möglich.

Die Reduzierten Mit einer ESC-untypischen Reduziertheit stehen Hooverphonic für Belgien auf der Bühne und spielen ihre düstere Indie-Ballade „The Wrong Place“. So makellos und entspannt, dass sie sich allein durch ihre musikalische Qualität von den vielen schnellen Songs und bunten Auftritten der übrigen Teilnehmer abheben. Chapeau!

Größter Star San Marinos Beitrag „Adrenalina“ ist eigentlich ESC-Standardkost. Ein schneller tanzbarer Song, der eher durch das schrille Kostüm von Sängerin Senhit als durch musikalische Innovationen auffällt. Wäre da nicht der Star des Abends. Der 33.000 Einwohner zählende Zwergstaat hat für den ESC-Auftritt den US-amerikanischen Rapper Flo Rida engagiert. Ein Coup, der einem sonst soliden Beitrag viel Aufmerksamkeit beschert.

Und Deutschland? Der deutsche ESC-Beitrag „I Don‘t Feel Hate“ ist musikalisch, Teilnehmer Jendrik stimmlich zu dünn, um die Jurys von sich zu überzeugen. Doch sein bunter, quirliger Auftritt macht Spaß. Hoffentlich auch den Fernsehzuschauern in Europa, die mit ihren Stimmen die Hälfte des Ergebnisses beeinflussen. Dann kann es für Jendrik zumindest für einen Platz im Mittelfeld reichen.