1. Kultur

Konzertkritik: die Gorillaz mit Damon Albarn im Palladium in Köln

Konzert im Palladium : Gorillaz kommen erst bei den Zugaben in Fahrt

Die Gruppe von Blur-Chef Damon Albarn begann einst als virtuelle Comic-Band. Zum Konzert im Kölner Palladium kamen 2800 Zuschauer. Die Höhepunkte waren die beiden Zugaben.

Das muss man mal gesehen haben: Meist junge Konzertbesucher, die aussehen, als seien sie geradewegs von einer Comic-Convention in das Kölner Palladium spaziert, stehen aufgeregt vor der Bühne. Die verdunkelt sich pünktlich um halb neun. Und da stehen sie plötzlich im Rampenlicht: Die Gorillaz. Dumpfe Synthesizer-Beats vermischen sich mit Gitarrenanschlägen. „Hello, hello, is anyone there?“ ruft Damon Albarn, Sänger und Mitbegründer der ursprünglich virtuellen Band, einige Sekunden später dazu verzweifelt durch sein Mikro. Aber verzweifelt müsste er gar nicht sein, denn: Die 2800 Zuschauer schreien sich vor Begeisterung ihre Seele aus dem Leib. „M1 A1“ rockt.

Nun folgt Song auf Song. „Strange Timez“ vom aktuellen Album „Song Machine“ und „Last Living Souls“ rocken nicht. Dafür sind die Nummern zu poppig. Aber währenddessen immer im Hintergrund auf der Leinwand als Comicfiguren zu sehen: die vier imaginären Hauptprotagonisten des Abends. Der Bandleader (2D), der Altrocker am Bass (Murdoc), eine flippige Frau an der Gitarre (Noodle) und ein Hüne am Schlagzeug (Russel). Mal streifen sie einsam durch die Großstadt, mal schweben sie als Astronauten durchs Weltall, oder sie geben Vollgas auf dem Highway, wie zum Beispiel beim Song „19-2000“. Die Idee: einfach. Der Song wird live gespielt. Dessen Geschichte wird als Musikvideo mit den vier Comic-Antihelden in Szene gesetzt. Ganz im Stile des Zeichners Jamie Hewlett, der früher mal zusammen mit Albarn in einer WG gelebt hat. Die Idee: Sie funktioniert.

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Und wie. Viel gesprochen wird nicht. Die Band spricht fast ausnahmslos durch die Musik zum Publikum. Ab und an kommt Albarn mal ein „Wie geht‘s?“ oder ein „Seid ihr noch da?“ über die Lippen. Charmant schüchtern ist das. Beim Intro von „O Green World“ ist er wieder viel mehr in seinem Element. Da sitzt er beinahe völlig verdeckt und demütig versunken hinter dem Piano. Er singt „Oh, green world / Don‘t desert me now“. Die Botschaft des Songs ist simpel. Und sie ist präsenter denn je. Die Stimmung in den Reihen ist bedächtig. Und sie ist ernster als zuvor.

Was danach noch so geschieht: Albarn nimmt bei „Pirate Jet“ ein Bad in der Menge. Danach fehlt es dem Konzert etwas an musikalischer Dynamik. Obwohl es stilistisch wild zur Sache geht – Soul trifft auf Reggae trifft auf Elektrobeats – und immer wieder Gastmusiker wie Bootie Brown bei „Dirty Harry“ ihren großen Auftritt bekommen, plätschert die Vorführung für einige Zeit so dahin. Erst die beiden Zugaben und gleichzeitig bekanntesten Hits der Gorillaz, „Feel Good Inc.“ und „Clint Eastwood“, bringen selbst die Raucher im Raucherbereich dazu, ihre Zigaretten spontan fallen zu lassen und in die Halle zu stürmen.