Angriff auf Google Streetview: Nokia fotografiert Straßen in NRW

Angriff auf Google Streetview : Nokia fotografiert Straßen in NRW

Die Nokia-Tochter Here Europe plant ein Pendant zu Googles umstrittenem Straßendienst Streetview. In Düsseldorf sind die Kamerafahrzeuge bereits unterwegs. Wer möchte, kann einzelne Bilder unkenntlich machen lassen.

Als Google seinen Dienst Streetview 2010 vorstellte, war der Aufschrei groß. Das Bild vom eigenen Haus im Internet, gesehen von Millionen Menschen, sorgte bei selbst ernannten Datenschützern für lautstarke Empörung. Mittlerweile hat sich diese weitestgehend gelegt. Dem Mobilfunk-Oldie Nokia steht sie aber vielleicht noch bevor. Seit dem 1. September fotografiert die Nokia-Tochter Here Europe in Düsseldorf Straßen und Gebäude - ganz nach dem Vorbild von Google Streetview.

Die bundesweite Kartografierung begann bereits im Juni mit den Straßen von Baden-Baden, Bamberg, Berlin, Ingolstadt, Freiburg, Karlsruhe, Nürnberg, Stuttgart und Ulm. Insgesamt sollen in 70 deutschen Städten Straßenansichten erfasst werden. Für wenige ausgewählte Metropolen funktioniert der Dienst bereits, so zum Beispiel in London, Helsinki und San Francisco. Über die Website www.here.com können Nutzer in diesen Städten einen ersten Blick auf das wagen, was Nokia auch hierzulande vorhat.

Gesichter von Personen und Kennzeichen sollen allerdings automatisch nach der Aufnahme unkenntlich gemacht werden. Man wolle "geltende Gesetze einhalten", heißt es in einer Pressemitteilung. "Wer etwas gegen die Veröffentlichung seiner Hausfassade hat, sollte jetzt sofort bei Nokia einen Widerspruch einlegen", empfiehlt Ulrich Lepper, NRW-Datenschutzbeauftragter. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: entweder eine E-Mail mit der Adresse des Hauses, das unkenntlich gemacht werden soll, an privacy@here.com senden oder per Brief an Nokia Corporation, c/o Privacy, Karakaari 7, 02610 ESPOO, Finnland. Die Anfragen können auf deutsch eingereicht werden.

Die ersten Straßenbilder sollen sechs Monate nach der Aufnahme bereitstehen. Folglich können Nutzer ungefähr ab dem Jahreswechsel mit dem Dienst rechnen. Die Bilder will Nokia anschließend über Smartphone-Apps in die Welt tragen. Geplant ist auch die Vernetzung mit eingebauten Navigationssystemen.

Wie lange die rollenden Kameras für die vollständige Aufnahme von Düsseldorf brauchen, hängt insbesondere vom Wetter ab. "Fahrten bei Regen sind nicht möglich, da Regentropfen auf den Kameralinsen die Fotoaufnahmen unbrauchbar machen würden", erklärt ein Nokia-Sprecher. Der Schwerpunkt der Fahrten liege auf Innenstädten und Gewerbegebieten - nur öffentlich zugängliche Straßen werden befahren.

Unter der Marke Here vereint der Mobilfunkkonzern seit 2012 sein gesamtes Karten- und GPS-Material. Der Dienst gilt in Fachkreisen als einer der besten und genauesten. Ein großer Vorteil: Im Gegensatz zum Service von Google und Apple können Nutzer das Kartenmaterial herunterladen und es auf dem Smartphone offline (zum Beispiel im Ausland oder bei schwachem Mobilfunknetz) verwenden.

Die Kartografie von Nokia hat in der Computerwelt einige Abnehmer. Sie ist Teil der mitgelieferten "Karten"-App von Windows 8. Mit der Firma Mozilla kooperieren die Finnen seit 2013, weshalb Here zukünftig beim Internetbrowser Firefox OS bevorzugt wird. Yahoo Maps bedient sich seit 2011. Vergangene Woche hat Nokia zudem mit Samsung ein Lizenzabkommen geschlossen. Nokia Here wird für das Smartphone-Betriebssystem Android exklusiv auf Samsung-Galaxy-Geräten sowie Smartwatches laufen.

Der Kartendienst erscheint mit der Veröffentlichung der Smartwatch Samsung Gear S im Oktober. iOS-Geräte wie das iPhone sollen ebenfalls unterstützt werden, weshalb die Here-Sparte vor einem Jahr auch nicht Teil des Verkaufs an Microsoft war. Schließlich will man den Platzhirschen Google und Apple im Kartensegment Konkurrenz machen.

(RP)