IFA Berlin: TVs mit Ultra HD - viele Pixel und viele offene Fragen

Trend auf der IFA : Lohnt sich schon ein TV-Gerät mit Ultra HD?

Ultra HD kündigt sich als nächster großer TV-Trend an. Doch noch gibt es viele offene Fragen, keine einheitlichen Standards und wenig ultrahochaufgelöstes Film- und Videomaterial. Lohnt sich der Kauf eines Ultra-HD-Fernsehers trotzdem schon?

Im Wohnzimmer steht die nächste große Veränderung an - wenn man den TV-Herstellern glaubt, die mit viel Schwung ultrahochauflösende Fernseher auf den Markt bringen. Sie sollen mit der vierfachen Anzahl an Bildpunkten noch schärfere Bilder liefern als die verbreiteten Full-HD-Fernseher.

Erste Geräte mit Ultra HD (UHD) sind bereits zu haben, und auf der Elektronikmesse IFA im Herbst in Berlin (5. bis 10. September) dürfte der nächste Schwung kommen. Ist der Einstieg in die UHD-Welt schon jetzt sinnvoll?

"Aktuell lohnt sich der Kauf eines UHD-Fernsehers nicht", sagt Martin Gobbin von der Stiftung Warentest. Viele Fragen rund um die Einführung der neuen Technologie seien noch offen. So steht bislang noch nicht fest, wie der Nachfolger der aktuellen Blu-ray-Disc aussehen soll und über welche Schnittstellen UHD-Material an UHD-Fernseher übertragen werden soll.

Auch gebe es bislang noch kaum UHD-Material zum Ansehen, von selbst produzierten Fotos und Videos einiger Kameras einmal abgesehen. "Die Geräte können ihre Stärken gar nicht voll ausspielen, weil das Bildmaterial fehlt", sagt Gobbin.

Roland Stehle von der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu), dem IFA-Veranstalter, sieht das anders. "Wenn man jetzt einen UHD-Fernseher kauft, hat man schon ein zukunftsfähiges Gerät", sagt er. Die Anbieter teurer Geräte hätten zukunftssichere Anschlüsse verbaut oder böten Nachrüstlösungen an. Der Mangel an UHD-Bildmaterial sei kein großes Problem, da die Fernseher niedriger aufgelöstes Material hochrechneten.

"Nicht jeder UHD-Fernseher bedeutet einen Vorteil gegenüber einem Full-HD-Fernseher", sagt "Audiovision"-Chefredakteur Florian Friedrich. Auf Zukunftssicherheit werde zwar bei höherpreisigen Geräten geachtet. "Ob das aber funktioniert, wissen wir nicht." Welcher neue optische Datenträger, welche Streaming-Technologie und welcher Anschluss am Ende das Rennen macht, sei noch offen.

Ungeklärte Fragen wirft auch der TV-Empfang auf. Schon Full-HD-Geräte werden von den derzeit ausgestrahlten Bildern nicht immer ausgereizt. Oft werde nur im kleineren HD-ready-Format oder immer noch im ganz alten SD-Format ausgestrahlt.

Und wer per Antenne fernsieht (DVB-T), erhält bis mindestens 2017 auf allen Kanälen ohnehin nur SD-Auflösung. Lohnt sich da überhaupt schon ein neuer Fernseher? "Wann jemals Fernsehen in UHD ausgestrahlt wird, darüber kann man nur spekulieren", sagt Warentester Gobbin und rät Käufern zum Abwarten. "UHD wird kommen, das ist klar", sagt dagegen gfu-Sprecher Stehle.

Wer sich von einem sofortigen UHD-TV-Kauf nicht abbringen lassen will, sollte besonders auf Zukunftssicherheit achten. Dazu gehören viele Anschlüsse. "HDMI 2.0 sollte eine Voraussetzung sein", rät Roland Stehle. Manche Hersteller lagern die Anschlüsse auch gleich in einen externen, austauschbaren Kasten aus. "Wer im Moment unbedingt einen UHD-Fernseher haben will, sollte nicht den Billigsten nehmen", rät Martin Gobbin. Aktuelle UHD-Geräte aus dem Niedrigpreissegment hätten momentan noch Schwächen bei schnellen Bewegtbildern.

Florian Friedrich empfiehlt deshalb, UHD-Fernseher vor dem Kauf mit mitgebrachtem hochauflösendem Bildmaterial auf einem USB-Stick zu testen - und sich nicht auf die Vorführbilder beim Händler zu verlassen. Sehen die Bilder auf dem UHD-Wunschgerät nicht besser aus als auf dem bisherigen Fernseher, lohne der Wechsel nicht.

"Es ist ganz wichtig, dass der Fernseher einen Mediaplayer hat, der auch mit hohen Auflösungen kompatibel ist", sagt er. Billigere Modelle hätten oft nur ein UHD-Display, aber keinen UHD-fähigen Zuspieler eingebaut.

Ein interessanter UHD-Nebeneffekt ist der derzeitige Preisrutsch bei Full-HD-Modellen. "Als Konsument kann man diese Phase ausnutzen, um sich gute Full-HD-Fernseher zu sichern", sagt Friedrich. "Da bekommt man Bildqualität, die Sie sonst zu so einem Preis nicht kriegen würden. Die bildstabilsten Modelle gebe es derzeit im Full-HD-Bereich."

Auch Warentester Gobbin rät TV-Käufern, die nicht sofort die neueste Technologie brauchen, eher zum Full-HD-Gerät: "Schon ab 600 bis 700 Euro bekommt man einen sehr guten Fernseher."

Auf lange Sicht wird sich UHD durchsetzen, da sind sich die Experten weitgehend einig: Der Trend zu größeren Displays forciere ein Mehr an Bildpunkten. "Gerade bei Bildschirmdiagonalen über 50 Zoll bringt das bei normalen Betrachtungsabständen Vorteile, weil man die Pixelstruktur nicht sieht", sagt Friedrich. Und: "Wenn die Geräte erst einmal da sind, werden die Inhalte folgen."

Ein erster Schritt dahin ist bereits getan. Samsung hat angekündigt, ab Oktober hochauflösendes Material auf seine Smart-TVs zu bringen. Mit mehreren Streaminganbietern, darunter Maxdome, Amazon und Netflix, sollen entsprechende Apps herausgebracht werden, die Inhalte über das Netz auf den Fernsehschirm im Wohnzimmer bringen.

Voraussetzung dafür ist allerdings ein entsprechend schneller Internetanschluss. Auch einen ersten Demonstrationskanal für UHD-TV gibt es bereits. Wer über Astra Satellitenfernsehen bezieht, kann sich bereits erste Bewegtbilder in hoher Auflösung ansehen.

Ultra HD, oft fälschlicherweise auch 4K genannt, ist ein Videoformat mit einer Auflösung von 3840 mal 2160 Bildpunkten. Das sind viermal mehr Pixel als bei Full HD (1920 mal 1080 Pixel). Das 4K-Format ist mit mit 4096 mal 2160 Pixeln noch etwas hochauflösender als Ultra HD. Gängig sind weiterhin HD ready (1280 mal 720 Pixel) oder diverse niedrig aufgelöste, sogenannte SD- oder PAL-Formate mit 576 sichtbaren Zeilen bei variierender horizontaler Auflösung.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Trend auf der IFA: TVs mit Mega-Auflösung UHD

(dpa)
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