Kolumne: Die Ökonomin: Vier gute Gründe für Zuwanderung

Kolumne: Die Ökonomin : Vier gute Gründe für Zuwanderung

Seit 2010 hat Deutschland mehr Zu- als Auswanderer. Was ist dran an der Furcht, dass Zuwanderer deutschen Arbeitnehmern Jobs wegnehmen und die Sozialkassen belasten?

Die Angst vor Überfremdung gibt es, seit es Gesellschaften gibt. All' denen, die derzeit den Untergang des Abendlandes fürchten, seien ökonomische Gründe genannt, warum Deutschland Zuwanderung braucht.

Zuwanderer senken den Fachkräftemangel Drei Millionen Arbeitslose täuschen darüber hinweg, dass vielen Branchen die Fachkräfte ausgehen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) schätzt, dass bis 2020 ohne Zuwanderung 1,4 Millionen Ingenieure, Informatiker, Techniker fehlen. Wie gut, dass Zuwanderer laut IW im Schnitt jünger sind und öfter einen Hochschulabschluss haben als Deutsche. Ähnlich ist die Lage bei Ärzten und Pflegern. Von wem wollen sich "Pegida"-Sympathisanten im Alter helfen lassen?

Zuwanderer stärken das Wachstum Schon die US-Geschichte lehrte: Meist sind es die jungen, erfolgshungrigen, die ihre Heimat verlassen. Nun können Zuwanderer deutschen Firmen helfen, ausländische Märkte zu erschließen und in der Forschung besser zu werden. Laut den Wirtschaftsweisen würde eine jährliche Nettozuwanderung von 200 000 Personen das potenzielle Wachstum der deutsche Wirtschaft um 0,4 Prozentpunkte erhöhen. So stark wuchs Deutschland 2013.

Zuwanderer sind gut für die Sozialkassen Mit einer Geburtenrate von 1,4 haben die Deutschen zu wenig getan, damit ihr umlagefinanziertes Rentensystem nach 2030, wenn Babyboomer in Rente gehen und der Anteil der über 64-Jährigen auf über 50 Prozent steigt, noch funktioniert. Ohne Zuwanderer drohen allein die Rentenbeiträge weit über 25 Prozent zu klettern. Ähnliches gilt für die Krankenversicherung. Wollen "Pegida"-Sympathisanten das ihren Enkeln zumuten?

Zuwanderer sind nicht öfter arbeitslos Ein Vorurteil lässt sich leicht aufräumen: Zuwanderer sind seltener als Deutsche Empfänger von Arbeitslosengeld und nur genau so oft Hartz-IV-Bezieher.

Das heißt nicht, dass Schulen Winterfeste statt Nikolaus feien sollen. Doch eigene kulturelle Werte hochzuhalten und Zuwanderer zu schätzen, schließt sich nicht aus.

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(RP)
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