Die Ökonomin: Portugal - Die Rückkehr der Angst

Die Ökonomin : Portugal - Die Rückkehr der Angst

Die Probleme einer kleinen Bank reichen aus, um die Börsenwelt in Aufruhr zu versetzen. Die Euro-Krise ist noch nicht vorbei, der Stresstest macht Banken schon jetzt Stress.

Wer geglaubt hat, die Euro-Krise sei vorbei, wurde in diesen Tagen eines Besseren belehrt. Die Probleme einer portugiesischen Bank reichten aus, um die Börsen weltweit durcheinander zu bringen. Die Risikoaufschläge für portugiesische Staatsanleihen schnellten hoch , die Anleger flüchteten aus europäischen (Bank-)Aktien in sichere Häfen wie Gold und deutsche Anleihen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel auf 1,1 Prozent. Der Dax, der erst vor wenigen Wochen die Marke von 10 000 Punkte geknackt hatte, stürzte unter 9700. "Portugals Sorgen lösen Verkaufs-Welle aus" titelte die "Financial Times". Die "Börsen-Zeitung" sprach von einer "Erschütterung der globalen Kapitalmärkte".

Gestern beruhigte sich die Lage, jedoch mussten dazu Ministerpräsident und Zentralbank in Portugal die Einlagen der Banco Espirito Santo garantieren. Dass eine im europäischen Maßstab kleine Bank, die sogar den Heiligen Geist im Titel führt, weltweit so viel Wirbel auslösen kann, zeigt, dass die Ursachen der Euro-Krise noch nicht beseitigt sind. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hat 2012 mit seiner Ankündigung, alles zur Rettung des Euro zu tun, zwar die Hysterie aus dem Markt genommen. Aber die eigentlichen Probleme konnte er natürlich nicht lösen. Dazu zählt neben der fehlenden Wettbewerbsfähigkeit mancher Südländer auch die Kapitalschwäche von einigen Banken.

Ob die Espirito Santo zu diesen Schwindsüchtigen zählt, wird sich ab November zeigen, wenn die EZB sie und 123 weitere europäische Banken (davon 24 deutsche) einem Stresstest unterzieht. Diese müssen ein Eigenkapital in Höhe von acht Prozent ihrer Anlagen vorweisen und sich in einer simulierten plötzlichen Wirtschaftskrise behaupten. Wenn die EZB glaubwürdig sein will, kann sie nicht alle bestehen lassen. Ein Diktat, in dem alle "gut" sind, wäre auch eine Klassenarbeit ohne Wert. Und wenn - wie nun bei der Espirito Santo - eine Bank-Holding Probleme hat, Kredite rechtzeitig zu bedienen, könnte diese durchaus zu den Sitzenbleibern gehören, denen mindestens Nachhilfe droht.

Hoffentlich haben diese Turbulenzen auch die portugiesischen Verfassungsrichter mitbekommen, die jüngst unverständlicherweise das Sparprogramm ihrer Regierung stoppten. Wer solche Juristen hat, braucht keine AfD, um das Volk weiter gegen Europa aufzubringen.

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(RP)
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