Kolumne: Die Ökonomin: Brauchen wir den Goldstandard zurück?

Kolumne: Die Ökonomin : Brauchen wir den Goldstandard zurück?

Die Geldschwemme macht vielen Sorgen. Die Schweizer wollen die Notenbank zwingen, mehr Gold zu halten. Die Vollgeld-Initiative will die Banken entmachten.

Die Schweizer preschen vor. Morgen stimmen sie über die Gold-Initiative ab, die die Notenbank SNB zwingen will, einen großen Teil ihrer Geschäfte mit Gold zu unterlegen. Damit soll die Schweiz faktisch den Goldstandard einführen, den es bis 1971 gab, als große Währungen an den Dollar gekoppelt waren - und der wiederum ans Gold. Da Gold als natürliche Ressource begrenzt ist, wird so die Geldmenge begrenzt und das Entstehen von Blasen verhindert.

Handeln tut durchaus Not. Denn die Zentralbanken haben die Finanzkrise 2007 "gelöst", indem sie die Notenpresse anwarfen. Sie machen Kredite immer billiger, um Konsum und Investitionen anzureizen, und bestrafen Sparer mit Negativzinsen. Dem Wachstum der Geldmenge sind kaum Grenzen gesetzt. Geschäftsbanken müssen für 100 Euro, die sie als Kredit vergeben, nur einen Euro bei der Europäischen Zentralbank (EZB) als Mindestreserve hinterlegen. Teil-Reservesystem heißt das. Und wie viel Geld die EZB den Banken leiht, ist frei. Anders beim Goldstandard: Die Schweizer wollen, dass die SNB 20 Prozent ihrer Reserven in Gold hält.

In ähnliche Richtung denkt die deutsche "Vollgeld-Initiative". Sie will, dass Kreditvergabe zu 100 Prozent mit Geld hinterlegt wird. Für 100 Euro Kredit, den Geschäftsbanken vergeben, müssen sie auch 100 Euro im Tresor haben. Beide Vorstöße knüpfen an den österreichischen Ökonomen Ludwig van Mises (1881 bis 1973) an. Beide haben Haken: Beim Goldstandard machen sich die Notenbanken zum Sklaven des Goldmarktes. Sie könnten in Chaos-Tagen wie 2008 nach der Lehman-Pleite den Geldhahn nicht aufdrehen, obwohl das zunächst eine Weltwirtschaftskrise wie 1929 verhinderte. Bei der Vollgeld-Initiative bestimmt allein die Zentralbank, ohne Korrektur durch den Markt, wie viel Kredite es gibt. Was aber, wenn die allmächtige Zentralbank irrt? Was, wenn sie sich den Wünschen ausgabefreudiger Politiker nicht entzieht?

Am Ende ist es mit dem Teil-Reservesystem (frei nach Winston Churchill) wie mit der Demokratie: Es ist das schlechteste aller Geldsysteme, ausgenommen alle anderen.

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(RP)
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