Kolumne: Die Ökonomin: Die verräterische Sprache der Unternehmen

Kolumne: Die Ökonomin : Die verräterische Sprache der Unternehmen

Massiver Stellenabbau heißt "Restrukturierungs-Programm". Und wenn Stromkonzerne ein "neues Marktdesign" fordern, wollen sie eigentlich staatlich organisierte Hilfe.

Die Sprache der Ökonomen ist die Mathematik. Unbestechlich lassen sich der Zustand von Nationen und Unternehmen, Höhe- und Wendepunkte in einer Gewinnkurve beschreiben. (Und viele Ökonomie-Studenten scheitern in ihrer Ausbildung genau daran, diese präzise Sprache zu lernen.) Doch weil die Mathematik so gnadenlos klar ist und aus einem Verlust niemals einen Gewinn machen würde, ist diese Sprache in den Kommunikationsabteilungen der Unternehmen verpönt. Hier verwendet man viel Energie darauf, wahre Vorgänge zu verschleiern.

Der Klassiker ist es, ein hartes Spar-Paket, dem hunderte Arbeitsplätze zum Opfer fallen, "Restrukturierungs-Programm" zu nennen. So geschehen bei Karstadt, Metro, Deutsche Bank. "Restrukturierung" - das hört sich so schön technisch-nüchtern an und lässt vergessen, dass hier die Lebenplanung von Tausenden Menschen durcheinander gerät.

Obacht ist auch angebracht, wenn ein Unternehmen wie jüngst Airbus eine "Portfolio-Optimierung" ankündigt. Das heißt im Klartext, es will Töchter verkaufen, weil sie nicht genug Gewinn abliefern oder die klamme Mutter dringend Verkaufserlöse braucht.

Besonders einfallsreich ist auch die Energiebranche. Sie macht sich gerade für ein "neues Marktdesign" stark. "Wir brauchen ein neues Marktdesign", rufen Konzern-Chefs der Politik bei jedem Anlass zu. "Neues Marktdesign" - das hört sich an nach Marktwirtschaft und Fortschritt. Tatsächlich bedeutet es genau das Gegenteil. Denn eigentlich wollen die Konzerne, dass der Staat die Spielregeln so ändert, dass der Stromkunde künftig allein für die Bereitstellung von Kraftwerkskapazität zahlt. Neben dem Ökostrom soll der Verbraucher auch noch unrentabel gewordene Kohle- und Gaskraftwerke subventionieren. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat die Versorger mit ihren eigenen Waffen geschlagen, indem er diese Maßnahme "Hartz IV für Kraftwerke" nannte, die es nicht geben dürfe. Auch ein schönes Bild, das aber trifft - wie sonst nur die Mathematik.

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(RP)
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