Kolumne: Die Ökonomin: Der wundersame Fall des Ölpreises

Kolumne: Die Ökonomin : Der wundersame Fall des Ölpreises

Seit Sommer ist Öl um ein Drittel billiger geworden. Das gefällt den Scheichs durchaus. Benzin ist nur um sieben Prozent günstiger geworden. Das gefällt den Autofahrern gar nicht.

Eigentlich ist der Ölpreis ein Preis wie jeder andere: Sinkt die Nachfrage oder steigt das Angebot, dann fällt er. So wie in dieser Woche: Erstmals seit vier Jahren rutschte der Preis für ein Barrel der Sorte Brent unter die Marke von 80 Dollar je Barrel (159 Liter). Gegenüber dem Jahreshoch im Juni von 115 Dollar ist der Ölpreis damit eingebrochen. Zum einen ist die weltweite Ölnachfrage mau, denn die Konjunktur lahmt, vor allem in China. Zum anderen ist mit den USA neben die in der Opec organisierten Förderländer ein neuer Anbieter getreten, der mit seinem Schiefer-Öl den Weltmarkt flutet.

So weit der Markt. Und doch steckt hinter dem Ölpreis-Verfall mehr. Bislang hat es die Opec unter der Führung Saudi-Arabiens stets verstanden, durch eine Drosselung den Ölpreis hochzuhalten. Nun aber tun die Scheichs nichts. Offenbar sehen sie den Ölpreis gerne unter 80 Dollar. Denn bei diesem Wert können die US-Konkurrenten auf Dauer nicht rentabel arbeiten.

Auch Deutschland profitiert vom wundersamen Fall des Ölpreises. Er wirkt wie ein kleines Konjunkturprogramm. Fluggesellschaften, bei denen Kerosin ein Drittel der Kosten verursacht, freuen sich über Entlastungen ebenso wie Verbraucher. Allerdings kommt bei letzteren nur ein Bruchteil an. Während der Ölpreis zum Sommer um ein Drittel gefallen ist, sind es bei Superbenzin nur sieben Prozent. Und anders als Öl ist Benzin mit 1,49 Euro pro Liter weiterhin teurer als vor vier Jahren. Daran ist der Staat schuld, der fast die Hälfte des Preises bestimmt - aber ebenso das gut funktionierende Oligopol der Tankstellen-Konzerne.

Auch Heizöl ist nur in ähnlich geringem Maße wie Benzin günstiger geworden. Mit Blick auf den Winter fragen sich Hausbesitzer, wie es weiter geht. Am 27. November will die Opec auf ihrer nächsten Sitzung die neue Förderstrategie (und damit die neue Preisrichtung) festlegen. Auch die Entwicklungen in der Ukraine spielen eine Rolle. Am Ende hat Öl eben doch einen politischen Preis.

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(RP)
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