Die Ökonomin: Brexit - wenn die Briten die EU verlassen

Die Ökonomin : Brexit - wenn die Briten die EU verlassen

Seit Ricardo kennen die Briten eigentlich den Segen internationaler Arbeitsteilung. Auch die EU braucht GB als Stachel im Fleisch ihrer Bürokraten.

Auf dem Höhepunkt der Euro-Krise drehte sich alles um den Grexit - den Austritt ("exit") Griechenlands aus der Euro-Zone. Davon ist nach Rettungspaketen der Staaten und Rettungsversprechen der Europäischen Zentralbank keine Rede mehr. Umso mehr vom Brexit - dem Austritt Britanniens aus der Europäischen Union. Unabhängig vom aktuellen politischen Streit zwischen den Briten und den anderen: Was würde ein Brexit ökonomisch bedeuten?

Auf den ersten Blick mag er gut für die britische Wirtschaft sein. Die Finanzbranche, die für hohe zehn Prozent des britischen Sozialprodukts steht, müsste keine Boni-Deckel oder Börsensteuer mehr fürchten. Doch auf Dauer gilt: Je größer der Markt ist, den ein Land beliefern kann, desto mehr können sich seine Unternehmen spezialisieren, und desto größere Skalenerträge (also die Vorteile der Massenproduktion) können sie realisieren. Das hatten schon die Klassiker Adam Smith und David Ricardo erkannt. Smith hatte in seinem "Wohlstand der Nationen" (1776) den Segen der Arbeitsteilung beschrieben, Ricardo den der internationalen Arbeitsteilung erkannt.

Diese Gesetze gelten weiter. Das Volkseinkommen Großbritanniens wäre heute um ein Fünftel geringer, wenn das Land nicht der Europäischen Union beigetreten wäre, wie die Zeitung "The Economist" neue Studien zitiert. Die Hälfte der britischen Exporte gehen in die EU. Wenn die Union diese nach einem Austritt mit Zöllen belegen würde, würde es richtig schmerzhaft. Die London School of Economics erwartet, dass ein Austritt das Land zwei Prozent seiner Wirtschaftsleistung kosten würde.

Auch für die EU wäre ein Brexit bedauerlich. Großbritannien war spätestens seit Maggie Thatcher liberaler Stachel im Fleisch der Brüssel Bürokraten. Das hat die EU gezwungen, etwas auf Geld und Freiheitsrechte zu achten. Gerade Deutschland sollte nicht den Brexit, sondern mehr "Bringfluence", britischen Einfluss, wollen, damit die EU nicht noch sozialistischer wird.

Fragen? Schreiben Sie der Autorin unter kolumne@rheinische-post.de

(RP)
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