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Thyssenkrupp hofft auf Klima-Milliarden vom Staat

Stahl-Chef: Stellenabbau reicht aus : Thyssenkrupp hofft auf Klima-Milliarden vom Staat

Thyssenkrupp in Duisburg ist für fünf Prozent der deutschen CO2-Emissionen verantwortlich. Man will mit Hilfe des Staates auf grünen Stahl umsteigen. Für die Mitarbeiter hat Stahl-Chef Bernhard Osburg eine gute Nachricht: Der verabredete Stellenabbau reiche.

Die größten Emittenten von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) sind noch die Braunkohle-Kraftwerke von RWE. Doch auch bei der Stahlerzeugung entstehen gewaltige Mengen. „Fünf Prozent der deutschen Emissionen fallen bei Thyssenkrupp in Duisburg an, das sind ein Viertel der Emissionen im Ruhrgebiet“, sagte Bernhard Osburg, Chef von Thyssenkrupp Steel, vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung. Der Konzern will auf grünen Stahl umrüsten, doch das kostet Zeit und Geld. „Es wird viel Geld und Unterstützung gebraucht“, sagte Osburg und nannte erstmals Zahlen: Der Konzern habe bereits 700 Millionen Euro an Fördermitteln beantragt. Am Ende werde man Richtung zehn Milliarden Euro brauchen.

Bislang setzt die Stahlindustrie Kohle ein, um den Sauerstoff aus dem Eisenerz zu holen, als ungeliebtes Nebenprodukt entsteht CO2. Künftig will man statt Kohle Wasserstoff im großen Stil einsetzen, als Nebenprodukt entsteht dann harmloses Wasser. „Das ist eine große technische Herausforderung, aber wir sind eine Ingenieurfirma“, sagt Osburg selbstbewusst. 2022 soll die Erzeugung in Duisburg beginnen, 2025 will Thyssenkrupp in Duisburg dann 1,2 Millionen Tonnen grünen Stahl produzieren. Nicht nur die Produktion für 2500 Stahlsorten muss umgestellt werden. Es muss auch genug Wasserstoff nach Duisburg geschafft werden, der mit Ökostrom erzeugt wurde. Denn nur dann ist es grüner Stahl. Die Investitionen kosten, zudem ist grüner Stahl in der Produktion vier Mal so teuer wie klassischer grauer Stahl und erstmal nicht wettbewerbsfähig.

Osburg äußerte sich auch zur Zukunft der Stahlsparte: „Konsolidierung wird in der Branche ein Thema bleiben." Die Konzerne blieben unter Druck, auf die Kosten zu achten, auch wenn aktuell Stahl in der Welt knapp ist und die Preise kräftig gestiegen sind. „Alles hat immer eine Chance", sagte er auf die Frage nach einem Bündnis mit dem deutschen Branchenzweiten Salzgitter. Es gebe viele Gründe, die für eine solche deutsche Stahl AG sprächen, und es gebe einige, die dagegen sprächen. „Schau wir mal, was die Zukunft bringt."

Die IG Metall drängt seit langem auf eine deutsche Stahl AG. Bisher hat Salzgitter aber stets abgewunken. Derzeit verselbstständigt Thyssenkrupp seine Stahlsparte. Noch offen ist, ob am Ende ein Börsengang und eine Herauslösung steht und wie der Konzern beteiligt bleibt. Kann Osburg sich vorstellen, Chef eines eigenständigen Stahlkonzerns zu werden? „Chef eines Stahlunternehmens zu sein ist herrlich“, sagte er. Und eine gute Nachricht hat er für die Belegschaft: „Der verabredete Stellenabbau reicht.“ Auch Thyssenkrupp sei sehr gut ausgelastet. Kurzarbeit sei kein Thema mehr. Wegen der Corona-Krise waren zeitweise Tausende Stahlarbeiter in Kurzarbeit.

(anh)