Noch keine endgültige Ablehnung: EU gegen Fusion von Deutscher und New Yorker Börse

Noch keine endgültige Ablehnung : EU gegen Fusion von Deutscher und New Yorker Börse

Frankfurt/Main (RPO). Die EU-Kommission hat der Deutschen Börse und der New York Stock Exchange offiziell ihren Widerspruch zur Fusion zum weltgrößten Börsenbetreiber mitgeteilt. Wie der Frankfurter Börsenbetreiber mitteilte, hat er das mehrere hundert Seiten lange Dokument am Mittwoch zugesandt bekommen. Zu Einzelheiten äußerte sich die Börse allerdings nicht.

Es handelt sich aber bei dem Mitteilung aber nicht um eine endgültige Ablehnung des Zusammenschlusses. In ihrem Schreiben listen die Wettbewerbshüter offiziell ihre Bedenken und Probleme auf, die sie gegen die Fusion der beiden Börsenbetreiber hegen.

Deutsche Börse und NYSE Euronext können nun Vorschläge unterbreiten, wie die Probleme gemindert, beseitigt oder ausgeglichen werden können. Gewöhnlich mündet dieser Prozess in Zugeständnissen oder Auflagen der Partner, um die Hindernisse für einen Zusammenschluss aus dem Weg zu räumen. Die EU will die kartellrechtliche Prüfung bis zum 13. Dezember abschließen.

Deutsche Börse und NYSE Euronext seien weiterhin der festen Überzeugung, dass der Zusammenschluss den Nutzern erhebliche Kapital- und Kostenersparnisse bietet, teilte der Börsenbetreiber mit. Die Fusion bringe die Entstehung eines einheitlichen, liquiden EU-Kapitalmarkts für Geldbeschaffung und Risikomanagement voran und verändere die Wettbewerbssituation nicht grundlegend.

Bedenken der EU waren bereits seit längerem bekannt. Zuletzt hatte sich EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia Mitte September in Breslau kritisch zu dem Fusionsvorhaben der beiden Börsenkonzerne geäußert. Er fürchtet im Falle eines Zusammenschlusses vor allem negative Auswirkungen auf den Handel mit Derivaten.

Der regulierte europäische Derivatemarkt ist derzeit ein Duopol der in London beheimateten NYSE-Tochter Liffe und der Deutsche-Börse-Tochter Eurex. Die beiden Fusionspartner sehen den Wettbewerb aber nicht gefährdet. Sie argumentieren, dass derzeit lediglich 16 Prozent des gesamten europäischen Derivatehandels über reguläre Börsen abgewickelt werden. Der große Rest finde auf unreguliertem Wege statt, zumeist direkt zwischen den beteiligten Banken.

Hier geht es zur Infostrecke: Das 1x1 der Börsensprache

(apd/felt)
Mehr von RP ONLINE