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Boeing 737 Max: Produktion von Flugzeugen bis auf Weiteres gestoppt

Keine Genehmigung für Krisenjet : Boeing stoppt Produktion von 737-Max-Flugzeugen vorerst

Der Flugzeughersteller will bis auf Weiteres keine neuen Maschinen des Typs 737 Max herstellen. Nach zwei Abstürzen hat Boeing Probleme, wieder eine Fluggenehmigung für die Maschinen zu bekommen.

Jetzt will der Konzern die Produktion der Unglücksmaschine vorübergehend stoppen. Im Werk in Renton im US-Staat Washington werde die Fertigung ab Januar stillstehen, teilte das Untrnehmen in Chicago am Montag (Ortszeit) mit.

Die Max ist Boeings wichtigster Flieger. Seit März darf das Flugzeug weltweit nicht mehr abheben. Bei den Abstürzen in Indonesien im Oktober 2018 und Äthiopien im März 2019 kamen insgesamt 346 Menschen ums Leben. Als eine Ursache gilt Ermittlern zufolge eine fehlerhafte Steuerungssoftware, die den Strömungsabriss verhindern sollte. Boeing aktualisiert die Software, damit sie weniger aggressiv eingreift; Regulierungsbehörden müssen den Änderungen aber noch zustimmen. Die US-Regulierungsbehörde FAA teilte Boeing in der vergangenen Woche mit, sie habe unrealistische Erwartungen, was die Aufhebung des Flugverbots angehe.

In Renton werden rund 12.000 Angestellte beschäftigt. Boeing ging davon aus, dass „zu diesem Zeitpunkt“ niemand entlassen werde. „Wir glauben, diese Entscheidung ist die am wenigsten disruptive ist, um langfristig ein Produktionssystem und die Gesundheit der Lieferkette aufrechtzuerhalten“, hieß es in der Mitteilung von Boeing.

Einige Arbeiter könnten möglicherweise in anderen Fertigungsstätten im Großraum Seattle arbeiten, wo andere Maschinen produziert werden. Einige könnten auch an der Fertigung der Maschine 400 Max arbeiten. Auf diese Art seien sie bereit, wenn die Genehmigung für die 737 Max kommt.

Doch selbst wenn es keine Entlassungen bei Boeing gibt, wird der Produktionsstillstand sich in der Wirtschaftsleistung der USA bemerkbar machen. Bis Oktober dieses Jahres fiel die Wirtschaftsleistung der US-Luftfahrtindustrie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 17 Prozent auf 106,4 Milliarden Dollar (95,5 Milliarden Euro).

Die vorübergehende Schließung wird auch in dem weiten Netzwerk von etwa 900 Firmen zu spüren sein, die Motoren, Rümpfe und andere Teile für die 737 Max herstellen. Dort sind Entlassungen wahrscheinlich.

Jeff Windau, Industrieanalyst beim Finanzdienstleister Edward Jones, schätzte, die 400 Flugzeuge, die Boeing gebaut hat, aber nicht ausliefern kann, spielten vermutlich eine große Rolle bei der Entscheidung. Sowohl Lagerraum, als auch eine effiziente Lieferung sobald das Flugverbot aufgehoben werde, seien zu berücksichtigende Faktoren. Windau sieht Fortschritte, aber das „Flugkontrollsystem ist sehr komplex“.

Boeing hat bereits ein Liquiditätsproblem. Im Oktober berichtete das Unternehmen, dass der freie Cashflow von 4,1 Milliarden US-Dollar im Vorjahr auf Minus 2,9 Milliarden Dollar im dritten Quartal fiel, schlechter als von Analysten erwartet.

(juju/dpa/AP)