Neuss: CDU-Bürgermeisterkandidat Jan-Philipp Büchler wirbt für neue "Gründerzeit"

Wirtschaft in Neuss : CDU-Kandidat wirbt für neue „Gründerzeit“

Jan-Philipp Büchler fordert dazu auf, von der Startup-Kultur in Partnerstädten zu lernen. Diese zu fördern, ist Teil seines Programms.

Im Rat ging es am Freitag um eine mögliche Städtepartnerschaft mit dem israelischen Herzliya. Jan-Philipp Büchler verfolgt diese gegenseitige Annäherung mit Interesse, denkt dabei aber eher an wirtschaftliche Zusammenarbeit als an Schüleraustausch. Denn den CDU-Bürgermeisterkandidaten fasziniert die Startup-Kultur im „Silicon-Wadi“ Israels, von der man in Deutschland nur lernen und die man auch für Neuss dienstbar machen kann. Denn es sei an der Zeit, sagt Büchler, „in Neuss einen neuen Gründergeist zu wecken“.

Der CDU-Bewerber für das Spitzenamt im Rathaus ist dabei, sein Profil zu schärfen. Ein Ansatz: Der Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Dortmund glaubt an den Wirtschaftsstandort Neuss, seine Lage, seine starke Industrie, seinen breiten Mittelstand. Diese gute Ausgangsposition will er nutzen, strategisch fördern, ausbauen. „Der anstehende Strukturwandel in unserer Region“, sagt er mit Blick auf den Ausstieg aus der Braunkohle und dessen Folgen, „ist Aufforderung und Mahnung zugleich, heute über die Arbeitsplätze und Wertschöpfungsketten von morgen nachzudenken.“

Was das heißt, führte er jetzt vor der Mittelstandsvereinigung der CDU aus, wo er schon mal seine Visitenkarte abgab. Der Kandidat präsentierte sich dort nicht als Mann der Wirtschaft – im Sinne eines Lobby-Arbeiters –, sondern als Mann aus der Wirtschaft. Sein Plädoyer für mehr Gründergeist kann er dabei mit eigenen Erfahrungen untermauern, denn er ist Mitbegründer eines Startups in Berlin.

Die Fragen, die ihm und seinen Geschäftspartnern dabei gestellt wurden, kennen Fernsehzuschauer aus der „Höhle der Löwen“, wo sich Menschen mit Ideen um Geldgeber für deren Umsetzung bemühen. Immer liege der Fokus auf Bilanzen, Kosten, Gewinn- und Verlustrechnungen, technische Exzellenz, sagt Büchler. Und immer schimmert bei den Kreditgebern die Angst davor durch, diese Idee erst in einem laufenden Prozess vollständig zu entwickeln. Warum, fragt er, lernt man nicht von den Israelis oder den Unternehmen aus der US-Partnerstadt St. Paul und stellt die Gründerpersönlichkeit in den Mittelpunkt? Besser wäre die Frage: Denkt der Gründer unternehmerisch? Oder: Welchen Nutzen hat das Produkt im Markt?

Dass es diese Gründer gibt, erlebt Büchler jeden Tag. Aber sie sitzen in Startup-Zentren in Köln oder Düsseldorf – und tüfteln dort an Lösungen für 3M in Neuss oder die Lebensmittelbetriebe im Hafen. Diese Partner müsste man zusammenbringen, aber in Neuss, wo Medizintechnik oder Nahrungsmittelproduktion, die er zu den Clustern der Zukunft zählt, schon eine starke Basis haben.

Dass seine Partei diesen Impuls für eine neue „Gründerzeit“ unterstützt, weiß Büchler nicht zuletzt seit der „Themenkonferenz Wirtschaft“, die er mitorganisiert hat und in der es um Themen wie digitale Transformation, Standortentwicklung und veränderte Arbeitswelten, aber auch um Energiesicherheit und Umweltschutz ging. Doch muss den Gründern auch eine Basis geboten werden. Das fängt für Büchler mit Flächen an, schließt aber auch ein „Startup-Management“ ein, das er im Amt für Wirtschaftsförderung einrichten würde.