Testspiel-Tristesse vor der EM: Auch deutsche Gegner blamieren sich

Testspiel-Tristesse vor der EM : Auch deutsche Gegner blamieren sich

Nullnummer für Portugal, Pleiten für Dänemark und die Niederlande: Die deutschen EM-Gruppengegner bekleckerten sich wie die DFB-Elf in ihren Testspielen nicht mit Ruhm. Die vermeintliche "Todesgruppe" macht derzeit keinem Angst.

Pfiffe, Pleiten und Pannen: Die deutsche "Todesgruppe" verbreitet knapp zwei Wochen vor dem Start der EM-Endrunde in Polen und der Ukraine alles andere als Angst und Schrecken. Parallel zur DFB-Auswahl (3:5 in der Schweiz) kassierten auch die Gruppenkontrahenten Niederlande (1:2 gegen Bulgarien) und Dänemark (1:3 gegen Brasilien) Niederlagen.

Der deutsche EM-Auftaktgegner Portugal kam gegen Fußball-Zwerg Mazedonien nicht über eine trostlose Nullnummer hinaus. Superstar Cristiano Ronaldo und seine Mitspieler mussten sich in Leiria sogar gellende Pfiffe der enttäuschten Fans gefallen lassen.

Heim-Blamage der Niederlande

Ernüchtert zeigte sich nach der Heim-Blamage gegen den krassen Außenseiter Bulgarien auch der niederländische Bondscoach Bert van Marwijk: "Das war ein schlimmes Spiel, ich bin ich sehr enttäuscht. Wir waren einfach nicht gut genug. Nach dem Ausgleich lief einfach alles schief, wir waren nicht mehr wir selbst", sagte der frühere Dortmund-Trainer, der mit dem Vize-Weltmeister am 13. Juni auf Deutschland trifft.

Vor 44.000 Zuschauern in der Amsterdam-Arena hatte der in der vergangenen Saison für Zweitligist FSV Frankfurt aufgelaufene Ilijan Micanski (90.+2) die Überraschung in der Nachspielzeit perfekt gemacht. Zuvor hatte Bulgariens Kapitän Iwelin Popow (50., Handelfmeter) die Führung der Elftal durch Arsenals Toptorjäger Robin van Persie (45.) ausgleichen können.

Die Niederlande fanden gegen den defensiv eingestellten 96. der Weltrangliste kaum ein Mittel. "Die Bulgaren waren sehr defensiv, und wir haben uns zu wenig Chancen herausgespielt. Das war einfach schlecht von uns", klagte Schalke-Torjäger Klaas-Jan Huntelaar.

Zumindest Arjen Robben hatte Grund zur Freude. Nachdem der Wahl-Münchner in der vergangenen Woche bei einem Spiel zwischen dem FC Bayern und der niederländischen Nationalmannschaft (3:2) von den heimischen Fans ausgepfiffen worden war, begrüßten ihn die "Oranje"-Anhänger bei seiner Einwechslung Mitte der zweiten Halbzeit mit viel Applaus.

"Ich muss mich bei den Fans dafür bedanken, dass sie mich so warm empfangen haben. Der Fokus liegt jetzt auf der EM", sagte Robben, blickte dann aber doch nochmal zurück: "Es war eine komische Woche. Von den eigenen Fans ausgepfiffen zu werden, ist merkwürdig und ist nicht einfach."

Portugal mit lauer Nullnummer

Auch Portugal blieb im vorletzten Testspiel vor dem EM-Auftakt gegen das DFB-Team am 9. Juni vieles schuldig. In einem mittelmäßigen Spiel hatten die Gastgeber gegen die mit dem Mainzer Nikolce Noveski angetretenen Mazedonier zwar die größeren Spielanteile, doch klare Chancen blieben Mangelware. Ein Grund für die Zuschauer, Cristiano Ronaldo und Co. mit einem Pfeifkonzert zu verabschieden.

"Ich kann die Fans dafür nicht kritisieren. Sie wollten ein besseres Spiel sehen, aber das Resultat und die Leistungen waren schlecht", erklärte Portugals Coach Paulo Bento — und warnte vor Panik: "Wir sollten nicht übermäßig besorgt sein." Die Chance zur Wiedergutmachung haben die Portugiesen am nächsten Samstag, wenn die EM-Generalprobe gegen die Türkei ansteht.

Brasilien führt Dänemark vor

Auch Dänemark sucht noch nach seiner Turnier-Form — und einer zuverlässigen Nummer eins zwischen den Pfosten. Im Duell mit dem deutlich überlegenen Rekord-Weltmeister Brasilien lag das Team von Trainer Morten Olsen in Hamburg bereits zur Halbzeit mit 0:3 zurück. Nicht zuletzt, weil der umstrittene dänische Torhüter Thomas Sörensen vor 51.000 Zuschauern nicht nur beim Gegentreffer zum 0:1 einen schlechten Eindruck hinterließ. "Das war ein Torwart-Fehler, kein Zweifel", kritisierte Olsen den Keeper von Stoke City, der sich noch in der ersten Hälfte wegen Rückenproblemen auswechseln ließ.

Gut möglich, dass Anders Lindegaard von Manchester United beim EM-Auftakt gegen die Niederlande im dänischen Gehäuse stehen wird. Zu mehr als dem Ehrentreffer durch Nicklas Bendtner (71.) reichte es für den Europameister von 1992 nicht. Überragender Spieler der Selecao war Stürmer Hulk vom FC Porto, der zweimal traf (9./40.) und auch das Eigentor von Niki Zimling (13.) einleitete. Olsen ließ sich von der Niederlage aber nicht beirren. "Wir brauchen die zwei Wochen noch. Dann werden wir bei der EM gegen jede Mannschaft eine Chance haben", sagte der frühere Kölner Bundesligaprofi.

Hier geht es zur Bilderstrecke: EM-Test 2012, Schweiz - Deutschland: Einzelkritik

(sid)
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