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Kaiserslautern muss zu den Bayern: Stefan Kuntz hadert mit "Frauen und Fußball"

Kaiserslautern muss zu den Bayern : Stefan Kuntz hadert mit "Frauen und Fußball"

Stefan Kuntz, Vorstand des 1. FC Kaiserslautern, kapituliert Sekunden nach der Halbfinal-Auslosung im DFB-Pokal vor dem FC Bayern. "Ich kann nichts dafür", verteidigt sich Matthias Sammer. Doch Kuntz hat eine Frau auf dem Kieker – und entschuldigt sich.

Stefan Kuntz, Vorstand des 1. FC Kaiserslautern, kapituliert Sekunden nach der Halbfinal-Auslosung im DFB-Pokal vor dem FC Bayern. "Ich kann nichts dafür", verteidigt sich Matthias Sammer. Doch Kuntz hat eine Frau auf dem Kieker — und entschuldigt sich.

Das Ding muss unbedingt durchgezogen werden am späten Mittwochabend, die Auslosung der Halbfinal-Paarungen im DFB-Pokal. Doch die Beteiligten scheinen nicht mehr ganz frisch zu sein um kurz vor 23 Uhr.

Losfee Kirsten Bruhn, mehrfache Paralympics-Siegerin, gibt an, dank ihrer Ahnungslosigkeit gleichzeitig die Richtige und Falsche für diese Aufgabe zu sein. Co-Bundestrainer Hansi Flick besteht den Reinhold-Beckmann-Test mit Mühe und Not. Mit 16 Fragezeichen auf der Stirn antwortet er "FFC Frankfurt?" auf die Frage nach den verbliebenen Teilnehmern im Pokal-Wettbewerb der Frauen. Mit so wenig Entschlossenheit wäre er im "Quiz-Duell" chancenlos. Einzig ARD-Moderator Reinhold Beckmann ist noch hochmotiviert, diese Auslosung zu einem großartigen Ereignis zu machen.

Während sich Löw-Assistent Flick noch den Schweiß von der Stirn wischt, verweist Beckmann auf "Dr. Englisch vom DFB, den Justiziar", der das Prozedere notariell überwacht. Gott sei Dank. Pathetisch wendet sich Beckmann an Losfee Bruhn: "Kirsten, die heiligen Hände bitte." Die "heiligen Hände" ziehen die Duelle der SGS Essen gegen den SC Freiburg und — Hansi im Glück — des FFC Frankfurt gegen den SC Sand. 69 Sekunden dauert die Prozedur. Als anschließend eine Grafik eingeblendet wird, trifft Essen auf den FC Bayern München und der FC Bayern München empfängt den SC Sand. Die Dominanz nimmt kein Ende — und diese Veranstaltung hat schon jetzt SC Sand im Getriebe.

Sekunden später ist das Auslosungs-Geschirr ausgetauscht, die Platte mit den Kugeln des SC Sand und Co. auf dem Weg ins neue DFB-Fußballmuseum nach Dortmund. Jetzt die Männer-Paarungen. "Der Bayern München? Na?", sagt Beckmann und schaut Flick über die Schulter wie ein 15-Jähriger in der Mathe-Klausur. "Sag' ich doch!", feiert sich Beckmann, um wie Sepp Blatter nach der WM-Vergabe an Katar hinterherzuschieben: "Purer Zufall."

Jetzt will er Borussia Dortmund, das Turbine Potsdam des Männerfußballs. Nicht ganz, es wird der 1. FC Kaiserslautern. Doch das Los birgt die Chance, nach Leverkusen zu schalten, wo Lauterns Vorstandvorsitzender Stefan Kuntz wartet, der bis dato glücklichste Mensch dieses Pokalabends. Der friemelt sich gerade noch den Knopf ins Ohr. "Lieber Stefan, es ist Bayern München", ruft Beckmann wie früher ein Zivi im Altenheim. "Na, Frau Schmitz, noch eine Runde 'Mensch ärgere dich nicht'?"

Stefan Kuntz fällt alles aus dem Gesicht. Nach dem Coming-out von Thomas Hitzlsperger eierte der Ex-Nationalspieler im Interview mit Claus Kleber im heute-journal herum — als hätte er nicht damit gerechnet, dass bei einer Fernsehschalte Fragen gestellt werden. Diesmal findet er schneller Worte, wenn auch nicht die richtigen. "Frauen und Fußball", sagt Kuntz und meint Losfee Bruhn. "Die Frau Neid hat uns schon nach Leverkusen gezogen. Vielen Dank, wir freuen uns."

Reinhold Beckmann macht ihm Mut. Kirsten Bruhn hat sofort ganz andere Sorgen, weil Matthias Sammer links neben ihr steht. Der Chauvi-Spruch entschwindet aus dem Raum wie die Luft beim Öffnen einer Loskugel. "Der Fußballgott wird gedacht haben: Denen geben wir noch mal was Gutes mit", sagt Kuntz. "Aber jetzt ist die Stimmung natürlich gedrückt." Sein Glück: Es war die letzte Pokal-Auslosung der Saison. Sein Pech: Auch im Endspiel könnte eine Frau warten: Sie heißt Borussia und kommt aus Dortmund.

Einen Tag später sind die Emotionen abgekühlt. Kuntz erklärt sich auf der FCK-Homepage und bittet "um die Weitsicht (bei meiner Ehefrau ist diese schon seit über 30 Jahren vorhanden), mir den Ausspruch zu verzeihen, ihn richtig zu deuten und zu wissen, dass ich beim nächsten Mal sicherlich meine Emotionalität ein wenig mehr im Griff haben werde."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Stefan Kuntz ist kein Freund von "Frauen und Fußball"