1. Sport
  2. Fußball
  3. Champions League

Tottenham Hotspur vs. RB Leipzig: Julian Nagelsmann trifft auf Jose Mourinho

Leipzig zu Gast bei Tottenham : „Baby-Mourinho“ Nagelsmann gegen das Original

Während seiner Hoffenheimer Zeit bekam Julian Nagelsmann den Spitznamen „Baby Mourinho“ verpasst. Einige Jahre später trifft er nun in der Champions League auf jenen Trainer, dem er eigentlich überhaupt nicht gleicht.

Julian Nagelsmann weiß, was ihn bei José Mourinho erwartet. „Er ist in allen Bereichen abgezockt. Er macht gewisse Dinge in der Coaching Zone mit Kalkül“, sagte der Trainer von RB Leipzig vor dem Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Tottenham Hotspur. Kommt es zu den berüchtigten Psychospielchen des Portugiesen, will Nagelsmann am Mittwoch (21.00 Uhr/DAZN) dagegenhalten - bis der Schiedsrichter einschreitet. „Dann sitzen wir beide auf der Tribüne und essen eine Bratwurstsemmel“, sagte der 32-Jährige grinsend.

In gewisser Weise ist Nagelsmann von Mourinho fasziniert. „Er hat eine Aura, die einen fesseln kann. Ich freue mich sehr darauf, ihn mal kennenzulernen.“ In seiner Hoffenheimer Zeit bekam der Coach der Sachsen von Tim Wiese sogar den Spitznamen „Baby Mourinho verpasst. Das war durchaus positiv gemeint. Aber die Vergleiche hinken. „Ich denke nicht, dass unsere Philosophien identisch sind“, meinte Nagelsmann.

Hier der eigentlich stets gut gelaunte Anführer der Leipziger Tempofußballer, der sich gern am eigenen Offensivspektakel berauscht. Dort der Chefzyniker aus Portugal, dessen Spielweise sich in den vergangenen Jahren oft auf das Destruktive beschränkte. Und darauf, Titel zu gewinnen.

Während bei Nagelsmann die Meisterschaft mit Hoffenheims U19 als größter Erfolg in der Statistik steht, hat Mourinho allein die Champions League bereits zweimal mit verschiedenen Clubs gewonnen. Hinzu kommen insgesamt acht Meisterschaften in Portugal, Spanien, England und Italien. Kurzum, der Mann muss niemandem mehr etwas beweisen.

Dennoch ergriff den Spurs-Anhang nicht gerade eine Euphoriewelle, als der 57-Jährige Mitte November die Nachfolge von Mauricio Pochettino antrat. Nach einem kleinen Durchhänger hat Tottenham jedoch die Kurve gekriegt und ist wettbewerbsübergreifend seit sieben Spielen ohne Niederlage. Und das ohne den verletzten Stürmer-Star Harry Kane, der in beiden Spielen gegen Leipzig ebenfalls fehlen wird. „Wir hatten unsere Schwierigkeiten ohne Harry, aber wir haben mittlerweile einen Weg gefunden, ohne ihn gut zu spielen und Tore zu schießen“, sagte Mourinho nach dem 3:2 bei Aston Villa. Der überragende Siegtorschütze, der frühere Bundesliga-Profi Heung-Min Son, wird am Mittwoch fehlen - er brach sich in der Partie den Arm.

Auch Leipzig tritt im wohl modernsten Fußballstadion der Welt nicht in Bestbesetzung an. Während es bei den Spurs im Sturm mangelt, gehen Nagelsmann die Verteidiger aus. Da Willi Orban und Ibrahima Konaté ohnehin länger fehlen und Dayot Upamecano eine Gelbsperre absitzt, muss sich der 32-Jährige eine Abwehrreihe ohne Innenverteidiger basteln.

Weil die Bühne für Ethan Ampadu noch zu groß ist, dürfte eine Not-Lösung mit den Nationalspielern Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg als zentrale Bausteine einer Viererkette die sinnvollste Option sein. „Wir sind jetzt zwei Spiele ohne Gegentor geblieben. Wenn wir das in den nächsten Spielen auch schaffen, sind wir happy“, sagte Klostermann.

Was RB jedoch die größten Sorgen bereiten dürfte, ist, dass Tottenham mittlerweile den Mourinho-Fußball angenommen hat. Die Spurs spielen nicht sonderlich schön, haben nur in Ausnahmefällen mehr Ballbesitz als der Gegner, gewinnen aber am Ende. Dieser Pragmatismus, der Siege über alles stellt, gibt dem Vorjahresfinalisten auch in der Königsklasse Hoffnung. „Ich bin guter Dinge. Unser Trainer war schon oft in der Situation und seine Erfahrung wird den Spielern helfen“, sagte der frühere Nationalspieler und Tottenham-Verteidiger Ledley King. Dennoch werde Leipzig eine schwere Aufgabe sein.

Von der Qualität Leipzigs hatte sich Mourinho, der mit seinem neuen, äußerst kurzen Haarschnitt Gesprächsstoff lieferte, beim 0:0 in München persönlich ein Bild gemacht. „Das ist ein gutes Zeichen, dass ein Startrainer wie er das selbst macht. Er steht mit beiden Beinen auf dem Boden“, meinte Nagelsmann. Er dürfte gespannt sein, welches Gesicht von Mourinho er kennenlernen wird.

(ako/dpa)