Borussia: Brouwers' Lauf, Colautti weg

Borussia: Brouwers' Lauf, Colautti weg

Der niederländische Verteidiger machte das Siegtor gegen den Hamburger SV und damit wohl den Klassenerhalt perfekt. Möglich, dass sein WM-Traum in Erfüllung geht. Stürmer Colautti geht zurück nach Israel.

Wer im Fußball einen "Lauf" hat, der macht alles richtig. Roel Brouwers hat solch einen Lauf. Das jedenfalls sagt Sportdirektor Max Eberl, nachdem Borussia 1:0 gegen den Hamburger SV gewonnen hat. Brouwers erzielte das Tor des Tages. "Er steht, wo die Dinger hinfallen", sagt Eberl. So war es in der 43. Minute, als ein HSV-Abwehrmann den anderen traf mit dem Ball, und "das Ding" vor die Füße des langen Niederländers plumpste. "Es war nicht schwer, aber man muss halt da stehen", sagte Brouwers, der aus kurzer Distanz traf.

Wäre er ein Stürmer, würde man von Instinkt sprechen. Doch Brouwers ist Abwehrspieler. Einer jedoch mit einem ausgeprägten Drang zum Tor. Sieben Treffer hat Brouwers nun in dieser Saison erzielt und ist damit nicht nur Borussias bester Tormacher, sondern zudem der treffsicherste Abwehrspieler der Bundesliga. Brouwers' offensive Qualitäten legen die Idee nahe, den Mann umzuschulen zum Stürmer. Zumal Bedarf ist, nachdem die Verträge von Moses Lamidi und Oliver Neuville nicht verlängert wurden und Roberto Colautti zurückkehrt nach Israel, zu Makkabi Tel Aviv. "Wir wussten seit letzter Woche von Robertos Entscheidung. Man muss das respektieren", sagte Sportdirektor Max Eberl.

Bondscoach van Marwijk war da

In seiner Planung für die neue Saison bleibt Brouwers, dessen Vertrag schon verlängert wurde, jedoch Abwehrspieler. Für Hollands Nationaltrainer Bert van Marwijk muss Borussias Sieg gegen den HSV gewesen sein wie eine verkehrte Welt. Er war im Stadion und hatte sicher erwartet, sich vor allem über den Status des holländischen Stürmerstars Ruud van Nistelrooy, angestellt beim HSV, informieren zu können. Der aber fand nicht ins Spiel – und kam sogar zu spät, als Brouwers das Tor erzielte.

Noch vor einigen Monaten war der Name Brouwers in Holland fast unbekannt, nun ist er Gesprächsthema. Van Marwijk indes verweigerte am Sonntag jede Aussage zum Thema Brouwers und Nationalmannschaft. Wann das nächste vorweltmeisterschaftliche Testspiel des Oranje-Teams ist, "weiß ich gar nicht", gestand Brouwers.

So sehr hat er sich damit noch nicht beschäftigt. Doch hat er glücklicherweise eine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen für seinen Sommerurlaub. Südfrankreich hat er gebucht. Möglicherweise muss er umplanen und nach Südafrika fahren. Zur Weltmeisterschaft. "Das wäre ein Traum", sagt Brouwers. Doch für einen Fußballer, der eine "überragende Saison spielt", wie Trainer Michael Frontzeck sagte, gehen Träume eben zuweilen in Erfüllung. "Vielleicht bekommt er ja seine Chance", würde sich Thorben Marx für den verteidigenden Torjäger (oder torjagenden Verteidiger?) freuen, falls es was wird mit dem Nationalteam. "Für uns ist Roel sehr wichtig, nicht nur wegen seiner Tore, sondern auch, weil er hinten alles abräumt", sagte Marx.

Womit Roel Brouwers gegen den HSV zur allgemeinen defensiven Ordnung beitrug. Hinzu kamen "viel Herz und Leidenschaft" bei allen Akteuren, was Frontzeck "richtig glücklich" machte. Wohl auch, weil der Verbleib in der Bundesliga nahezu perfekt sein dürfte. 34 Punkte hat Borussia, zehn mehr als der Liga-16., der SC Freiburg: "Wir haben einen Riesenschritt gemacht. Wenn wir uns das noch nehmen lassen, dürften wir eigentlich nicht mehr Fußball spielen", sagte Marx.

(RP)