Borussia Dortmund: BVB-Fans müssen Teilausschluss fürchten

BVB-Fans müssen Teilausschluss fürchten : Die Ultras und ihr Lieblingsfeind Hopp

Das DFB-Sportgericht greift nach den Vorkommnissen im Spiel Hoffenheim gegen Dortmund durch. Die BVB-Fans dürfen drei Jahre lang nicht ins Stadion des Bundesligarivalen, sollten sie sich in Zukunft noch einmal daneben benehmen.

So richtig dicke Freunde werden die organisierten Fußballfans und der Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp (78) in diesem Leben nicht mehr. Das steht nicht erst fest, seit Hopp auf gezielte Beleidigungen aus dem Dortmunder Fanblock mit der Anrufung des DFB-Sportgerichts reagierte. „Strafverfahren und Hausverbote wegen beleidigender Gesänge. Was soll die Scheisse, du Hurensohn?“, stand auf einem Plakat, das BVB-Ultras vor dem Bundesligaspiel der beiden Klubs am 22. September ausgerollt hatten – übrigens in Hoffenheim. Das Sportgericht verhängte eine Bewährungsstrafe. Bei Verstoß gegen die Bewährung werden die Dortmunder Fans für drei Spiele in Hoffenheim ausgesperrt. Die Bewährungsfrist endet am 30. Juni 2022.

Die Dortmunder Vereinsführung hatte sich für die erneute Entgleisung eines Teils der BVB-Anhänger entschuldigt. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sah sich vor dem Rätsel, das viele bewegt, wenn sie in Fußballstadien das Abbrennen von Pyrotechnik oder die Präsentation von Schmähplakaten erleben: „Ich habe bis heute nicht verstanden, wie so ein Riesenplakat in den Block kommen kann.“ Die Antwort: Entweder wird es in Teilen oder an Vortagen eingeschmuggelt, oder es geschieht mit Billigung der Ordnungskräfte. Ähnliche Fälle kennt Watzke auch aus Dortmund.

Das Problem einer besonderen Feindschaft zwischen den Ultras und dem Hoffenheimer Hopp werden allerdings nicht einmal besonders aufwendige Kontrollen beseitigen. Es hat Tradition.

Für viele organisierte Fans steht der ehemalige SAP-Gründer für den Ausverkauf des Fußballs an finanzstarke Unternehmer oder Unternehmen. Der Milliardär Hopp machte mit seinen Millionen aus dem Dorfklub Hoffenheim einen Bundesligisten, der inzwischen in der Champions League spielt. Gelegentliche Unebenheiten im Jahresabschluss korrigierte Hopp im Laufe seines Engagements mit großzügigen Zuschüssen. Allein zwischen 2012 und 2014 glich Gesellschafter Hopp 45 Millionen Euro an Verlusten aus. Das muss er aber nicht mehr. Der Klub ist zwar nicht unabhängig von Hopp, der die Stimmenmehrheit im Fußball-Unternehmen hält. Aber er schreibt keine nennenswerten Verluste mehr.

Tatsache ist allerdings, dass Hoffenheim ohne Hopp natürlich kein Bundesligist wäre. Rund 350 Millionen Euro hat er in seinen Heimatverein gesteckt, für den er in seiner Jugend spielte. Und warum? Auch darauf gibt es eine einfache Antwort: Weil er es kann, und weil er eine außerordentliche Beziehung zu seiner Heimat pflegt.

Hopp hat das Mannheimer Eishockey alimentiert, und seine Stiftung hat seit 1995 rund 640 Millionen Euro in über 1000 Projekte gesteckt – von der Fußballschule Rhein Neckar (30.000 Euro pro Jahr) über Infrastrukturprogramme für Jugendförderung (1,35 Millionen Euro) bis zur Erforschung von Krebszellen (22 Millionen Euro). Natürlich garantiert dem Milliardär die Finanzierung von Projekten über eine Stiftung Steuervorteile. Aber er könnte seine Milliönchen ja auch auf den Kayman-Inseln anlegen. Und dass ihn eine gewisse Grundeitelkeit dazu drängt, für sein vielfältiges Engagement öffentlich belobigt zu werden, ist zumindest menschlich nachvollziehbar. Das erklärt auch, warum er auf Schmähungen aus einer Szene, in der ein böses Wort nicht lange auf die Goldwaage gelegt wird, ziemlich allergisch reagiert.

Die Anrufung des Sportgerichts wird die herzliche Feindschaft zwischen Hopp und den Ultras der jeweils anderen Fußballklubs festigen. Das steht fest. In Hopp hat die Bewegung, die nach italienischem Vorbild in der Mitte der 1980er Jahre nach Deutschland kam, ein Feindbild. Hopp steht als Person für die Macht des Geldes im Fußball, für die Entfernung von der Basis, als deren Sprecher sich Ultras sehen. Er ist leichter zu bekämpfen als andere Projekte im deutschen Profifußball, die ebenfalls ohne die Unterstützung großer Unternehmen nicht möglich wären. Seit den 1980er Jahren wurde dafür Bayer Leverkusen angefeindet, später der VfL Wolfsburg, neuerdings RB Leipzig, das in seiner völlig von den paar Mitgliedern abgehobenen Struktur die Geschichte auf eine vorläufige Spitze getrieben hat.

Was Ultras in ihrem teilweise nachvollziehbaren Aufbegehren gegen die umfassende Verwirtschaftlichung und zunehmende Seelenlosigkeit des Profifußballs gern vergessen: Borussia Dortmund ist an der Börse notiert und seinen Anlegern verpflichtet, bei den Bayern haben die Großunternehmen Adidas, Audi und Telekom bedeutende Anteile. Und ohne viel Geld läuft der Zirkus nicht, den schließlich auch die Kurve begeistert feiert. Sie gehört sogar zu den Darstellern.