Offenes Karriereende als Motivation: Biathlon: Sven Fischer genießt den Favoritendruck

Offenes Karriereende als Motivation: Biathlon: Sven Fischer genießt den Favoritendruck

Pokljuka (sid). Der Mann genießt den Erwartungsdruck. "Ich freue mich, wenn ich als Favorit gehandelt werde. Das ist gut für mein Selbstvertrauen", erzählt Sven Fischer. Der Oberhofer Biathlet ist am Freitag (11.00 Uhr/live in der ARD) beim Massenstartrennen der Weltmeisterschaften im slowenischen Pokljuka die größte deutsche Medaillenhoffnung.

Vor zwei Jahren war der Thüringer erster Weltmeister in der jüngsten der fünf Biathlon-WM-Disziplinen, die nach dem Willen der Funktionäre und der Aktiven 2006 ins olympische Programm aufgenommen werden soll. In diesem Winter holte er beim Massenstart von Oberhof den bislang einzigen Weltcup-Sieg für die deutschen Skijäger und wurde in seiner Heimat frenetisch umjubelt: "Das war einer meiner größten Siege überhaupt. So lange habe ich darum gekämpft, in Oberhof ein Rennen zu gewinnen."

Auf der knapp 1.500 Meter hoch gelegenen und durch das starke Tauwetter der letzten Tage aufgeweichten WM-Strecke wird der Sieg für den fast 30-Jährigen jedoch ungleich schwerer. "Ich bin ein relativ schwerer Läufer. Wenn die Strecke weich ist, kommt mir das nicht unbedingt entgegen", meint Fischer.

Materialprobleme, die im deutschen Lager derzeit diskutiert werden, schiebt Fischer nicht vor: "Meine Ski sind okay. Aber bei zehn Grad plus macht mir das Skilaufen einfach keinen Spaß mehr." Anders ist das bei zehn Grad unter dem Gefrierpunkt. Dann ist Fischer einer der wenigen Skijäger, die ohne Handschuhe über die Piste heizen.

Wie lange das noch der Fall sein wird, lässt der zweimalige Staffel-Olympiasieger offen: "Ich mache mit darüber keine Gedanken. Ich habe mich bisher immer im Vierjahres-Rhythmus entschieden. Wenn Salt Lake City vorbei ist, überlege ich neu. Das könnte hier also meine letzte WM sein. Damit motiviere ich mich."

Wahrscheinlich wird der mittlerweile fünfmalige Weltmeister, der in seiner Heimatstadt Schmalkalden die Ehrenbürger-Würde erhalten hat, seine Kleinkaliber-Waffe aber nicht vor 2004 in die Ecke stellen. Dann nämlich findet quasi um die Ecke in Oberhof die WM statt. Allerdings machen dem zweimaligen Weltcup-Gewinner die vielen Wettkampfjahre auch gesundheitlich zu schaffen. Permanent plagt sich Fischer mit Rückenproblemen und musste auch in diesem Winter einige Weltcup-Rennen wegen Erkältungen auslassen.

Finanzielle Gründe spielen bei den weiteren Karriere-Planungen keine Rolle: "Ich laufe prinzipiell nicht wegen des Geldes. Das ist mir egal." Abgesichert ist der ehemalige Sportsoldat, der in einem Erfurter Logistik-Unternehmen angestellt ist, durch seinen Arbeitgeber, Sponsoren und die Sporthilfe trotzdem. Um Details kümmert sich sein Vater Willi, den Sven "meinen Manager" nennt: "Mein Vater ist für mich der wichtigste Vertraute. Er regelt das alles prima."

Fischer junior bewohnt im elterlichen Haus "einige Räume". Eigentlich hatte der Hobby-Handwerker die obere Etage vor einiger Zeit ausgebaut, um mit seiner damaligen norwegischen Lebensgefährtin Annette Sikveland einzuziehen. Die Partnerschaft ist längst Geschichte, die jetzige Freundin ist "eine Einheimische". Von Einzug freilich ist noch keine Rede: "Wir kennen uns erst ein knappes Jahr. Abwarten."

Pokljuka am Freitag

Entscheidung: 15-km-Massenstartrennen der Herren Startzeit: 11.00 Uhr (live in der ARD)

Olympiasieger 1998: bislang keine olympische Disziplin Titelverteidiger: Raphael Poiree (Frankreich)

Deutsche Starter: Sven Fischer, Frank Luck (beide Oberhof), Ricco Groß (Ruhpolding), Carsten Heymann (Altenberg). Favoriten: Poiree, Fischer, Pawel Rostowtsew (Russland), Ole Einar Björndalen (Norwegen)

Entscheidung: 12,5-km-Massenstartrennen der Damen Startzeit: 12.00 Uhr (live in der ARD)

Olympiasieger 1998: bislang keine olympische Disziplin Titelverteidiger: Liv Grete Skjelbreid-Poiree (Norwegen) Deutsche Starter: Kati Wilhelm (Zella-Mehlis), Katrin Apel (Oberhof), Martina Glagow (Mittenwald), Uschi Disl (Moosham) Favoriten: Skjelbreid-Poiree, Magdalena Forsberg (Schweden), Olena Zubrilowa (Ukraine), Disl.

(RPO Archiv)
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