Eingriff ist keine Seltenheit: Steinmeier spendet seiner Frau eine Niere

Eingriff ist keine Seltenheit : Steinmeier spendet seiner Frau eine Niere

Düsseldorf (RPO). Frank-Walter Steinmeier wird sich vorübergehend aus der Politik zurückziehen. Der SPD-Fraktionschef will seiner Frau in den kommenden Tagen eine Niere spenden. Deren Gesundheitszustand hatte sich in den letzten Monaten drastisch verschlechtert. Der Eingriff, wie er nun erfolgen soll, wird jährlich tausendfach durchgeführt.

Bei seiner Frau sei eine fortgeschrittene Nierenschädigung festgestellt worden, ihr gesundheitlicher Zustand habe sich in den vergangenen Wochen akut zugespitzt, erklärte Steinmeier am Montag. "Wir haben nach anderen Therapien gesucht", sagte der Ex-Außenminister weiter. Es gebe jedoch keine Alternative zu einer Transplantation. Die Richterin Elke Büdenbender, mit der er seit 1995 verheiratet ist, leidet seit Jahren an einer Nierenschwäche.

Für eine solche Niereninsuffizienz kann es unterschiedliche Gründe geben. "Häufig spielt eine Vorerkrankung wie Diabetes oder Bluthochdruck eine Rolle. Sieben Prozent der Fälle sind erblich bedingt", erklärte Andreas Bonn vom Kuraorium für Dialyse und Nierentransplantation e. V. gegenüber unserer Redaktion. Grundsätzlich sei eine Transplantation der anzustrebende Weg.

Noch am Montag will sich Steinmeier in ärztliche Obhut begeben, um den Eingriff vorbereiten zu lassen. Die Operation soll in der laufenden Woche durchgeführt werden. Wegen der langen Wartezeit für ein Spenderorgan hat sich der Politiker für eine Lebendspende entschieden, wie sie nach dem deutschen Transplantationsgesetz beispielsweise nur zwischen Ehepaaren und anderen Verwandten möglich ist. Die durchschnittliche Wartezeit für eine Spenderniere beträgt in Deutschland sechs Jahre - derzeit stehen rund 8.000 Menschen auf der Warteliste.

1963 führten Chirurgen erstmals in der Bundesrepublik eine Nierentransplantation durch, nachdem ein solcher Eingriff neun jahre zuvor in den USA gelungen war. Inzwischen ist eine solche Operation keine Seltenheit mehr: 2009 wurden nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation 2.172 Nieren nach postmortaler Organspende und 600 nach einer Lebendspende transplantiert. Voraussetzung ist in beiden Fällen, dass die Blutgruppe und bestimmte genetische Merkmale übereinstimmen.

Die eigentliche Operation dauert zwei bis vier Stunden und findet unter Vollnarkose statt. Dabei wird dem Empfänger die neue Niere in den Unterbauch eingesetzt und mit dem Blutkreislauf sowie den Harnwegen verbunden. Die "alten" Organe verbleiben normalerweise im Körper.

Ob das neue Organ angenommen wird, zeigt sich in den ersten Wochen nach der OP. Es kann zeitweise bis zu vier Wochen dauern, bis die neue Niere ihre Arbeit aufnimmt. Die Patienten müssen über einen längeren Zeitraum Medikamente einnehmen, die ihr Immunsystem schwächen (Immunsupressiva). Hierdurch sollen Abstoßungsreaktionen vermieden werden, denn der das Organ wird als Fremdkörper angesehen.

Letztlich sind die Erfolgschancen für Büdenbender gut: Nach fünf Jahren sind noch 84,3 Prozent der eingepflanzten Nieren bei Lebendspendern funktionstüchtig, bei Totspendern sind es immerhin noch rund 70 Prozent. Eine neue Transplantation oder übergangsweise eine Dialyse ist jederzeit wieder möglich.

Steinmeier selbst dürfte das Fehlen einer Niere im Alltag nicht bemerken. "Die ärztliche Expertise, die ich zu Rate gezogen habe, sagt, dass es da keine Beeinträchtigung geben wird. Ich gehe davon aus, dass Sie mich in alter Frische wiedersehen werden", sagte er. Im Verlauf des Oktobers will er wieder in die Politik einsteigen. Bis dahin wird ihn der dienstälteste SPD-Abgeordnete Joachim Poß vertreten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Niere - ein lebenswichtiges Organ

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