Mit Verlaub! : Bayernland ist anerkannt

Schmunzelei, Spöttelei, Irritation über pralle Bayern-Folklore beim G 7-Gipfel. Doch das deutsche Champions-League-Bundesland steht für mehr als Traditionshuberei mit Tracht und Humtata.

Was wurde zu Wochenbeginn nicht wieder gekichert und geprustet über das "räuberische Bergvolk am Rande der Alpen", wie der Münchner Metzgersohn und große Stammesführer seines Volkes, Franz Josef Strauß, die Ober-Bayern ironisch nannte.

"Nein aber auch, diese seltsamen Kerle in Dreiviertel-Lederhosen mit geschmücktem Hut auf dem Kopf, und die Frauen in Trachtenkleidern bis hinunter übers Knie!" Das Erstaunen und Sich-Amüsieren über die komischen, auch noch fröhlich dreinschauenden Eingeborenen in Krün bei Elmau war umso intensiver, je größer die räumliche Distanz zu jenem wundersamen Menschenschlag war, der in aller Öffentlichkeit seine Traditionen pflegt; und der seine Gäste, selbst ganz hohe aus einer fernen Welt wie Barack Obama, nicht mit akustischem Allerweltsgedudel, sondern mit stammesechter Blasmusi empfängt; und die Fremden in gute Laune versetzt - egal, ob des Präsidenten Weißbierglas nun Alkoholisches enthielt oder nicht. Wir haben es gesehen: Mister President hat nur einen winzigen Schluck genommen. Ein Frevel an der Grenze zur Unhöflichkeit - Was wird sich der Bayer gedacht haben: "Jo mei, a recht's Mannsbild is' der Obama scheint's net." Auch Franz Josef Strauß, dessen Geburtstag sich Anfang September zum 100. Mal jährt, hätte seinen dicken Kopf geschüttelt. Unvergessen, wie Strauß' letzte Gefährtin Renate Piller über die Trinkgewohnheiten der hochbegabten Barockfigur plauderte: "Franz Josef konnte nicht nippen."

Spätestens beim Stichwort "Franz Josef Strauß" dämmert es auch Deutschen aus Berlin, Bielefeld, Bremen und Büsum, dass Bayern für mehr steht als für glitzernde Bergseen, saftige Weiden, Herrgottswinkel, Humtata-Musik und den scheußlichen Folklorekitsch, der nur Texanern keine Tränen in die Augen treibt. Das mit Abstand größte Bundesland (doppelte Fläche von NRW) wurde zum deutschen Premiumland. Bei Bildungsvergleichen, Zukunftstechnologien, Patentanmeldungen, niedriger Arbeitslosen- und Schuldenquote - überall in der Spitzengruppe oder "Champions-League", wie der Fußball-vernarrte Strauß-Zögling und politische Leistungsfreak Edmund Stoiber es ausdrückte. Dieses Erfolgsmodell im Süden muss auch etwas mit der politischen Führung zu tun haben.

Ich höre die ernst zu nehmenden Einwände im Rückblick auf den G 7-Gipfel: "Autoritäres Staatsgehabe, Kontroll-Wahn, mehr Polizisten als Demonstranten!" Bayern kontert, das Ergebnis zähle, Null Toleranz gegen Chaoten, man könne es eben. Liberalitas Bavariae war das nicht. Aber, mit Verlaub! Was ist Freiheit ohne Sicherheit?

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(RP)