Mit Verlaub! : Hoffentlich wählen wir die Freiheit

Ein neuer Kalter Krieg zieht auf – zwischen China und den USA. Nach der Präsidentschaftswahl und nach der Zeit von Donald Trump wird uns Amerika fragen, auf welcher Seite wir stehen.

In den Wochen der weltweiten Plage und der Versuche, ihrer Herr zu werden, tritt ein neuer Kalter Krieg in die Geschichte: der zwischen den USA und China. Aus unserem deutschen Winkel mag es noch wie ein Handelszank zwischen Fernost und Fernwest erscheinen. Aber die Wellen dieser neuen Geschichte werden auf uns treffen – womöglich gewaltig.

Werden wir Deutsche dann, ähnlich wie die Westdeutschen beim ersten Kalten Krieg zwischen West und Ost, auch sagen: „Wir wählen die Freiheit“ und „Wir stehen zur Pax Americana“? Oder schlagen wir uns in die Büsche, weil wir Amerika nicht mehr verstehen (wollen) und es uns mit China nicht verderben möchten?

Verkörpern der Westen und dessen führende Macht für uns noch die überlegene zivilisatorische Idee? Oder fasziniert uns die neuartige Neue Welt mit Peking, Shanghai und Seidenstraße-Perspektive zwischen Chinesischem Meer und Duisburger Hafen?

Wer derzeit in den sozialen Netzwerken die aufgewärmte Brühe von Antiamerikanismen entdeckt, in der mal bildungsbürgerlich-dünkelhaft, mal zornbebend gerührt wird, erkennt eine törichte Tendenz: Amerika, nein danke. Es scheint, als seien nicht Pekings Xi  und seine Führungskader bedrohlich, sondern der vielfach merkwürdige Präsident Trump. Den werden Amerika und die freie Welt, von der US-Verfassung garantiert, spätestens im Januar 2025 los sein. Xi und Genossen werden dann immer noch rufen: Zum Diktat, bitte!

Die strategische Rivalität zwischen der herkömmlichen und der heraufziehenden Weltmacht hat das Zeug zu einen heißen Konflikt. Wenn der große Blonde längst nicht mehr im Weißen Haus sein wird, wird ein mit Sicherheit revitalisiertes Amerika die Bündnis- und Freundschaftsfrage an uns neu stellen.  Hoffentlich wählen wird auch dann wieder die Freiheit.

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