Mit Verlaub!: Verbalmüll-Attacken aus dem stillen Tal

Mit Verlaub! : Verbalmüll-Attacken aus dem stillen Tal

Beim Elmauer G 7-Gipfel droht akustischer Umweltfrevel: laut, sündteuer und völlig überdimensioniert.

Im Künstlerbunker Leverkusen stellt Rolf Wetter derzeit seine staunenswerten Assemblagen aus: Alltagsgegenstände, ironisch verfremdet und so zu neuem Leben erweckt. Ein Werk nennt der ehemalige Meisterschüler der Düsseldorfer Kunstakademie "Maschine zur Beseitigung von Verbalmüll".

Ach, stünde doch solch ein Gerät in Schloss Elmau. Dort, in einer der schönsten Alpenlandschaften, treffen sich nächste Woche sieben Staats-und Regierungschefs der USA, Frankreichs, Großbritanniens, Japans, Deutschlands, Kanadas und Italiens. Auch dabei: die EU, der es nach einem Bonmot Henry Kissingers noch immer an einer Telefonnummer mangelt. Die Wichtigen und sich-für-wichtig-Haltenden haben in Elmau Kohorten von Sprechern, Interpreten, PR-Gurus, Helfer und Helfershelfer, im Gipfel-Jargon Sherpas genannt, dabei. Tausende von Medienleuten vervollständigen das Polit-Shooting. Es ist längst mehr Event als wirkliches Ereignis. Selbst die nach Elmau drängenden Protestler sind so etwas wie Gipfel-Groupies: laut, polizeilich beäugt, eingezäunt, wie ungeliebte und dreiste Besucher, die sich selbst eingeladen haben, im Vorgarten gestoppt, aber dennoch mit aufs Foto von "Elmau 2015" kommen werden - the same procedure as every year. Gipfelstürmer nebst Kohorten sind in den nicht einmal zwei vollen G 7-Tagen Hauptproduzenten des gewaltigen Verbalmülls. Vorgefertigtes, bereits gar Gekochtes: auf der weltpolitischen Menükarte sprachlich aufgehübschte Kost. Wenig auf dem Teller, überhöhte Preise, Nährwert gering. In diesem Jahr serviert wie 2008 wieder die deutsche Küchenchefin, die ja bekanntlich ihre Gerichte kaum pfeffert und salzt. Gäbe es in Elmau von der nahen Wettersteinwand auch noch ein Echo wie am Königssee, wäre die Verballmüll-Attacke aus dem stillen Hochtal eine Kandidatin für den Titel "Umweltfrevel des Jahres". In den letzten Jahren hat sich die Gipfelstürmerei zu einem irrwitzigen, sündteuren Global-Mix aus Vorbereitungstreffen, Außenminister-Sondierungen und schließlich dem Jahres-Höhepunkt politischen Marketings, dem G 7-Treffen, fort- und fehlentwickelt. Was 1975 unter anderem vom deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt (Spottname: der Weltökonom) zur besseren wirtschaftlichen Abstimmung wichtiger Industriestaaten ins Leben gerufen wurde, verhält sich zum Elmau-Großevent wie antikes Olympia zu den Fünf-Ringe-Monstrositäten der Neuzeit.

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(RP)