Kommentar zur AfD: Die Zukunft einer Irgendwie-Partei

Kommentar zur AfD : Die Zukunft einer Irgendwie-Partei

Eine Partei zerlegt sich in mehreren Landesverbänden bis zur Handlungsunfähigkeit, wirft sogar eine Landeschefin raus und schafft es über Jahre nicht, sich auf ein Rentenkonzept zu verständigen. Jede andere Partei hätte damit ihren Stimmenanteil halbiert. Die AfD kann damit rechnen, ihn zu verdoppeln.

Offensichtlich entscheiden immer mehr Wähler nicht mehr nach den üblichen Kriterien: Wer vertritt am ehesten meine Vorstellungen? Wem vertraue ich am meisten? Wer wird wohl am besten regieren? Sie bekunden mit ihrer Wahl vor allem ein Gefühl: Dass irgendwas falsch läuft. Dass ich irgendwann irgendwie darunter leiden könnte. Und dass irgendwo schon bessere Lösungen herkommen.

Deshalb hat die AfD als Irgendwie-Partei Erfolg. Der Sozialparteitag im September ist erneut vertagt. Nun werden Anfang Dezember erst die Personalfragen geklärt. Der „Flügel“ will an der Parteispitze sichtbarer werden. Das ist jener Teil der AfD, in dem sich besonders nationalistische und völkische Vorstellungen sammeln. Das Abschneiden in den drei Ost-Landtagswahlen wird ihn bremsen oder pushen.

Nach der Abwahl von Parteigründer Bernd Lucke und dem Austritt seiner Nachfolgerin Frauke Petry steht die AfD dann vor ihrem dritten großen Schritt nach rechts. Die jüngsten Enthüllungen über die Kontakte des „Flügel“-Frontmannes Andreas Kalbitz in Brandenburg vermitteln eine Vorstellung davon, welche Netzwerke damit gestärkt werden. Gesellschaft und Politik haben darauf noch keine überzeugende Antwort gefunden. Eines zeichnet sich jedenfalls ab: Wer jetzt die AfD pauschal als „Nazis“ verteufelt, verharmlost nicht nur die Verbrechen des NS-Regimes. Er hat dann auch keine Worte mehr für die Warnungen, die in Zukunft für den Rand der AfD fällig werden könnten.