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China kauft sich größeren Einfluss in Südosteuropa

Belgrad : China kauft sich größeren Einfluss in Südosteuropa

Gestern hat in Belgrad der zweitägige Gipfel des chinesischen Regierungschefs Li Keqiang mit Amtskollegen aus 16 ost- und südosteuropäischen Ländern begonnen. China stelle zehn Milliarden Dollar (rund acht Milliarden Euro) für Infrastrukturprojekte in der Region zur Verfügung, um den Transportweg nach Europa auszubauen, kündigte Li Keqiang an.

Es ist der Versuch Chinas, sich größeren Einfluss in der Region zu kaufen. Als Ziel nannte Li in einem Interview den Aufbau von Express-Linien zwischen China und Europa zu Wasser und zu Land, die auf dem griechischen Hafen Piräus und der Eisenbahnstrecke Belgrad-Budapest basieren.

Neben den bereitgestellten zehn Milliarden Dollar können die in Belgrad vertretenen Staaten auch auf Finanzmittel aus dem sogenannten Seidenstraßen-Fonds hoffen. Zwar sollen damit vornehmlich Projekte in Asien unterstützt werden. Doch könnte zum kleinen Teil auch Osteuropa profitieren. Das große Fernziel lautet für die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, eine Verbindung nach Europa herzustellen, die unter das Motto "Neue Seidenstraße" gestellt wurde. Daher stehen im Mittelpunkt des Interesses Häfen, Straßen, Eisenbahnen, die Telekommunikation und Kraftwerke.

Ein Schwerpunkt für China ist dabei Serbien, wo bisher bereits mehr als zwei Milliarden Euro investiert wurden. Beim Gipfel soll jetzt als weiteres Großprojekt die Modernisierung der veralteten Eisenbahnverbindung zwischen Belgrad und der ungarischen Hauptstadt Budapest festgezurrt werden. Gesamtkosten: 1,5 Milliarden Euro. Im kleinen Mazedonien bauen chinesische Firmen seit dem Frühjahr die Autobahn zwischen den Städten Kicevo und Ohrid mit einer Bausumme von 375 Millionen Euro. Bei all diesen Projekten stellen chinesische Banken Kredite zur Verfügung, die ebenso von chinesischen Baufirmen abgerufen werden. Heimische Unternehmen dürfen nur in bescheidenem Maße als Subunternehmer vom Kuchen naschen.

Allerdings sind die Gelder aus Peking hochwillkommen, weil sich die meisten Länder in diesem Teil Europas Rieseninvestitionen in die über Jahrzehnte vernachlässigte Infrastruktur nicht leisten können.

Europäische Diplomaten in Peking sehen die Gipfeldiplomatie Chinas kritisch. "Teile und herrsche", beschrieb ein hoher Diplomat das Vorgehen Chinas, finanzschwache EU-Länder mit Krediten zu umwerben und damit eine gemeinsame europäische Politik gegenüber Peking zu untergraben. Li Keqiang halte auch in Belgrad wieder Hof wie der "Kaiser von China".

(dpa)