1. Politik

Bund und Länder verschärfen Corona-Maßnahmen

Kommentar zum Corona-Gipfel : Die Welle brechen

Die vierte Welle trifft das Land mit voller Wucht. Bund und Länder müssen nun alles tun, dass sich so viele Menschen wie möglich impfen lassen. Ungeimpfte müssen ernsthaft mit Einschränkungen rechnen.

Deutschland erlebt die bislang härtesten Corona-Wochen dieser Pandemie. Und der richtige Winter kommt erst noch. Die Infiziertenzahlen sind so hoch wie nie. Die Ämter haben bei der Nachverfolgung der Infektionsketten längst jede Spur verloren. Krankenhäuser arbeiten am Limit. Intensivstationen können keine weiteren Corona-Patienten mehr aufnehmen, teilweise müssen sie schon mit viel Aufwand von der Bundeswehr mit ihrem fliegenden Kreiskrankenhaus in andere Teile der Republik gebracht werden. Die Triage, bei der Ärzte entscheiden müssen, welche Patienten noch an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden und welche nicht, ist kein Tabu mehr, sondern traurige Wirklichkeit. Kurz: Es herrscht Corona-Notstand.

Es gibt nichts zu beschönigen. Diese vierte Corona-Welle, die jetzt mit voller Wucht über uns hinwegschwappt, war vorhersehbar. Schon im Sommer gab es Mahner aus dem Lager der Virologen, die darauf hinwiesen, was auf uns alle zukommen würde, wenn das Impftempo nicht beschleunigt und die Impfquote nicht deutlich ansteigen würde. Doch der Sommer verhieß Freiheit vom Virus. Es herrschte scheinbare Normalität. Und die Politik -- in diesem Fall vor allem die jetzt noch für wenige Tage amtierende Bundesregierung -- wollte gerade in den Wochen vor der Bundestagswahl nicht in Schwarzmalerei verfallen, weil sich dies negativ auf Wahlentscheidung und Wahlbeteiligung hätten auswirken können. Dann lieber das Thema aussparen, auch bei der Beschaffung von Impfstoff für die jetzt notwendigen Auffrischungsimpfungen.

Zur Wahrheit gehört aber: Normalität gibt es nur durch Immunität. Das ist eine Erkenntnis, an der kommt niemand vorbei, selbst wenn ihn oder sie allergrößte Impfskepsis plagt. Bund und Länder müssen mit den jetzt beschlossenen Maßnahmen darauf setzen, dass sich nun so viele Menschen wie möglich, die bisher noch ohne Impfschutz sind, endlich impfen lassen. Denn Pandemie ist keine Privatsache. Es geht alle an und ist eine Frage der Solidarität, wenn Operationen verschoben werden müssen oder Notfälle etwa nach Schlaganfall und Unfall nur mit Verzögerung behandelt werden können, weil Ärzte und Pfleger mit Corona-Patienten überlastet sind. Eine Impfung bietet Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf.

Das Land in dieser Lage wird an einem Lockdown für bestimmte Lebensbereiche – für Klubs und Bars etwa – nicht vorbeikommen. Es ist nicht Zeit für Party. Es ist ernst und deswegen richtig, dass das Infektionsschutzgesetz jetzt nachgeschärft wird. Wer sich die Freiheit nimmt, sich weiter nicht impfen zu lassen, der muss damit leben, dass der Staat sich die Freiheit nimmt, darauf zu reagieren. Das ist nicht nur legitim, sondern geboten. Ungeimpfte sind die Haupttreiber dieser vierten Welle. Sie müssen dann die Einschränkungen in Kauf nehmen, die fehlender Impfschutz eben mit sich bringt. Wenn diese Welle womöglich nicht mehr gebrochen werden kann, so müssen wir zumindest alles tun, dass uns nicht auch noch eine fünfte oder sechste Welle überrollt.