UN-Klimakonferenz: Madrid will COP25 ausrichten und für Chile einspringen

Austragung in Bonn nicht möglich : Madrid will für Chile bei UN-Klimakonferenz einspringen

Wer kann in vier Wochen eine riesige Klimakonferenz auf die Beine stellen? Madrid bietet sich als Ersatz-Gastgeber für Chile an. Die Bundesregierung ist erfreut und stellt klar: In Bonn hätte es nicht geklappt.

Nach der Absage der UN-Klimakonferenz in Chile ist Spanien als neuer Gastgeber in die Bresche gesprungen. Die spanische Regierung bot nach eigenen Angaben am Donnerstag an, das Treffen in Madrid zu organisieren. Kurz zuvor hatte der chilenische Staatschef Sebastián Piñera gesagt, die spanische Regierung habe angeboten, die Konferenz zum ursprünglich geplanten Termin im Dezember ausrichten zu können. Zwischenzeitlich war auch Bonn als alternativer Austragungsort im Gespräch.

Angesichts der politischen Unruhen in Chile hatte Piñera am Mittwoch die für den 2. bis 13. Dezember in der Hauptstadt Santiago geplante Klimakonferenz sowie den Apec-Gipfel abgesagt und damit monatelange Vorbereitungen über den Haufen geworfen. Nach Angaben aus Madrid bot daraufhin Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez angesichts der "kurzen verfügbaren Zeitspanne" und der Bedeutung eines "normalen" Ablaufs der Klimakonferenz an, diese in Madrid auszurichten.

Das Bundesumweltministerium begrüßte das Angebot Spaniens. "In Bonn wäre das so kurzfristig logistisch nicht möglich gewesen", erklärte das Ministerium. "Jetzt ist es wichtig, die formal notwendigen Entscheidungen in den zuständigen Gremien der Klimakonvention zu treffen."

Als anderer möglicher Kandidat für die Ausrichtung der sogenannten COP25 war zwischenzeitlich die ehemalige Bundeshauptstadt Bonn als Sitz des Klimasekretariats der Vereinten Nationen (UNFCCC) im Gespräch. In Bonn fanden bereits 1999, 2001 und 2017 UN-Klimakonferenzen statt.

Zur 25. UN-Klimakonferenz Anfang Dezember wurden 25.000 Delegierte in Santiago de Chile erwartet, unter ihnen auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. Chile erlebt seit dem 18. Oktober seine schwerste soziale Krise seit Jahrzehnten. Die Proteste wurden durch eine Erhöhung der U-Bahn-Preise in der Hauptstadt ausgelöst.

Inzwischen fordern die Demonstranten den Rücktritt des 69-jährigen Präsidenten Piñera und eine grundlegende Änderung seiner Wirtschaftspolitik, die sie für die sozialen Probleme in dem südamerikanischen Land verantwortlich machen. Mindestens 20 Menschen starben bei den Protesten.

Ursprünglich hatte Brasilien die 25. UN-Klimakonferenz ausrichten sollen. Ende November 2018 gab die Regierung in Brasília unter Verweis auf die angespannte Haushaltslage jedoch den Verzicht auf die Gastgeberrolle bekannt. Hintergrund war Kritikern zufolge aber vor allem der Amtsantritt des ultrarechten Präsidenten Jair Bolsonaro im Januar diesen Jahres, der keinen Wert auf Klimaschutz legt.

(atrie/AFP)