Ukraine und pro-russische Rebellen tauschen Hunderte Gefangene aus

Ukraine-Konflikt: Kiewer Führung und pro-russische Rebellen tauschen Gefangene aus

Im Kriegsgebiet Ostukraine haben die Kiewer Führung und die pro-russischen Separatisten mehr als 300 Gefangene ausgetauscht. Es war einer der größten Austausche seit Beginn des Konflikts im April 2014.

Die Separatisten brachten am Mittwoch 74 ihrer Gefangenen an Übergabepunkte im Niemandsland, Vertreter der ukrainischen Regierung 233. Der Austausch war am Montag nach Gesprächen unter Vermittlung des russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. angekündigt worden.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko lobte das Durchhaltevermögen der freigelassenen Ukrainer. "Wir sind stärker, wir werden gewinnen", sagte er. Bei der Übergabe in Kramatorsk dankte Poroschenko Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron für ihre Hilfe beim Gefangenenaustausch.

Andere Gefangene kamen in Horliwka und Saizewe frei. Einige von ihnen waren mehr als ein Jahr festgehalten worden. "Ich bin aus der Hölle heraus. Ich habe überlebt", sagte Jewhen Tschudenzow, der in einem Freiwilligenverband gekämpft hatte und im Februar 2015 in Gefangenschaft geraten war. Ihm seien die Schneidezähne ausgeschlagen worden. Man habe ihn zum Tode und später zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Er werde sich erneut dem ukrainischen Militär anschließen.

Bei vielen der Freigelassenen handelt es sich nicht um Kämpfer, sondern beispielsweise um Aktivisten oder Blogger, die der Spionage und des Verrats beschuldigt wurden. Beide Seiten hatten Tage daran gearbeitet, die Listen mit den auszutauschenden Gefangenen auszuarbeiten.

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Der Kiewer Unterhändler Viktor Medwedtschuk sagte, die Ukraine sei bereit, 306 Gefangene freizulassen. Die Sprecherin der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft, Larissa Sargan, sagte, eine der von den Separatisten Freigelassenen wolle in Donezk bleiben. Auf der anderen Seite weigerten sich drei Gefangene der ukrainischen Regierung, zurück in von den Rebellen kontrollierte Gebiete zu gehen.

Gefangene der pro-russischen Rebellen steigen vor dem Austausch in einen Bus nahe der Stadt Bakhmut in der Region Donezk. Foto: Reuters/Valentyn Ogirenko

Überwacht wurde der Austausch von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Es sei zu begrüßen, dass kurz vor Neujahr und dem orthodoxen Weihnachtsfest, so viele Menschen nach Hause zurückkehren dürfen, sagte die OSZE-Vorsitzende, Österreichs Außenministerin Karin Kneissl.

Merkel und Macron riefen zum Austausch sämtlicher Gefangener auf und forderten, dem Internationalen Komitee von Roten Kreuz vollen Zugang zu gewähren und es bei der Suche nach Vermissen zu unterstützen. Der Gefangenenaustausch könne Vertrauen aufbauen - auch im Hinblick auf die Umsetzung der Waffenstillstandsvereinbarung von Minsk.

Seit 2014 sind im Konflikt in der Ostukraine mehr als 10.000 Menschen getötet worden. Der 2015 in Minsk vereinbarte Waffenstillstand sieht den Austausch aller Gefangenen vor. Ob die von Medwedtschuk genannten Zahlen alle Gefangenen umfassen, war nicht bekannt. Es wird vermutet, dass beide Seiten Dutzende, wenn nicht Hunderte als Verhandlungsmasse gefangen halten.

(ate)