Persönlich: Alberto Fujimori reißt in Peru alte Wunden auf

Persönlich: Alberto Fujimori reißt in Peru alte Wunden auf

An Weihnachten haben Hafterlasse Tradition - in diesem Fall spaltet eine Freilassung jedoch ein ganzes Land: Perus Präsident Pedro Pablo Kuczynski hat Ex-Staatschef Alberto Fujimori begnadigt.

Kritiker vermuten einen Deal zwischen Kuczynski und Fujimoris Sohn, der kürzlich die nahezu sichere Amtsenthebung Kuczynskis durch Einflussnahme auf den Kongress verhindert haben soll. Massendemonstrationen sind die Folge.

Alberto Fujimori ist in Peru für die einen eine Hassfigur, für die anderen ein Held. Seine Anhänger feiern den wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen zu 25 Jahren Haft verurteilten 79-Jährigen für sein Vorgehen gegen die marxistische Guerilla-Organisation "Leuchtender Pfad". Die versuchte sich einst an die Macht zu bomben, wurde von Fujimori aber mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln bekämpft.

Direkt nach dem Hafterlass entschuldigte sich Fujimori öffentlich: "Ich bitte von ganzem Herzen um Vergebung", sagte der vierfache Vater von seinem Krankenbett aus. Ob das die erhitzten Gemüter beruhigen wird, ist zweifelhaft. Unter anderem in der Hauptstadt Lima gingen Tausende Menschen auf die Straße. Sie wollen keine Versöhnung oder Vergebung, sie wollen Fujimori im Gefängnis sterben sehen. Angeblich ist der seit 2006 in zweiter Ehe mit einer japanischen Hotelbesitzerin verheiratete Fujimori inzwischen schwer herzkrank.

Für viele steht er aber auch für einen wirtschaftlichen Aufschwung Perus. Das erklärt, warum er trotz der schweren Menschenrechtsvergehen während seiner Amtszeit noch heute eine treue Anhängerschaft hat.

Fujimori ist der Sohn nach Peru emigrierter japanischer Baumwollpflücker. Die Justiz legt ihm Korruption während seiner Amtszeit (1990-2000) und Mitverantwortung für 25 Morde zur Last. Die Narben, die sein autoritärer Regierungsstil hinterlassen hat, schmerzen das Land noch heute. Seine Begnadigung hat sie wieder aufgerissen.

(RP/dpa)