1. Panorama

Uedem: Uedem, wir haben ein Problem

Uedem : Uedem, wir haben ein Problem

Das Weltraum-Lagezentrum der Bundeswehr in Uedem am Niederrhein erhält jetzt für 25 Millionen Euro ein eigenes Überwachungsradar. Sein Hauptauftrag ist der Schutz der Bürger und Satelliten vor der Schrottwolke, die die Erde umkreist.

"Der Weltraum. Unendliche Weiten - und alles voller Müll." Das ist, frei nach der Standard-Einleitung der legendären "Raumschiff Enterprise"-Folgen, die Herausforderung, vor der die wohl ungewöhnlichste Einrichtung der Bundeswehr steht: das Weltraum-Lagezentrum in Uedem am Niederrhein. Die Luftwaffen-Dienststelle, die 2009 probeweise aufgestellt wurde, hat gerade die Testphase erfolgreich abgeschlossen und nimmt nun dauerhaft ihren Betrieb auf.

150 Millionen teils kleinster Einzelteile umfasst die Müllwolke, die inzwischen den Globus umkreist. Und je näher der Weltraumschrott der Erde kommt, desto mehr beschleunigt er: Selbst eine kleine Schraube kann einen Satelliten komplett zerstören, wenn sie ihn mit 16 Kilometer pro Sekunde durchschlägt. Noch gefährlicher sind größere Teile wie Raketenstufen und Bruchstücke aus Explosionen und Kollisionen.

So stieß am 10. Februar 2009 über Sibirien ein US-Telefon-Satellit mit einem russischen Militär-Satelliten zusammen - der bislang spektakulärste "Verkehrsunfall" im All. Die Trümmer sind noch immer in der Umlaufbahn und breiten sich weiter aus, ebenso die Splitterwolke eines chinesischen Satelliten-Abfangtests von 2007. Vor einigen Wochen hatte sich der Crew-Wechsel der Internationalen Raumstation ISS verzögert, weil die anfliegende Rakete Weltraumschrott ausweichen musste.

Die USA könnten von der Erde aus bereits Teile im All ab zehn Zentimeter Durchmesser beobachten, von denen es rund 30.000 Objekte gibt. Deshalb arbeite man eng mit den Amerikanern zusammen, sagte der militärische Leiter des Weltraum-Lagezentrums, Oberstleutnant Thomas Spangenberg.

Nicht nur der Zeittakt der internationalen Finanzmärkte wird aus dem All gesteuert, auch für Normalbürger ist das tägliche Leben ohne weltraumbasierte Dienste inzwischen nicht mehr vorstellbar, ob bei der Navigation, Kommunikation, TV-Unterhaltung oder den Wetterberichten. Auch deutsche Einrichtungen betreiben mehr als 150 Satelliten als eigene oder Gemeinschaftsprojekte. Die Bundeswehr weitet ebenfalls ihre Tätigkeit auf den erdnahen Weltraum aus: 2008 nahm ihr Aufklärungssystem "Lupe" mit fünf Satelliten den Betrieb auf, 2009 folgten zwei Kommunikationssatelliten für den abhörsicheren Kontakt mit deutschen Soldaten im Ausland. "Lupe" sendet und empfängt innerhalb von Sekunden Tausende Radiowellen und erstellt so eine Art dreidimensionales Schwarz-Weiß-Foto. Wolken, Baumkronen und Tarnnetze sind kein Hindernis. "Lupe" soll durch das System "Sarah" abgelöst werden, das noch höhrere Auflösungen ermöglicht. Zudem beteiligt sich Deutschland an französischen Foto-Aufklärungssatelliten.

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Gefahr lauert im Orbit nicht nur durch die unheimliche Müllwolke, sondern auch durch Sonnenstürme und Meteoritenschauer, die ebenfalls rechtzeitig erkannt werden müssen. Die Weltraum-Dienststelle, die dem Zentrum Luftoperationen am Doppelstandort Kalkar/Uedem untersteht, hat deshalb zukünftig den Auftrag, Raumstationen und Satellitenbetreiber rechtzeitig vor allen Bedrohungen zu warnen. Außerdem sollen Bürger, die durch spektakulär in der Atmosphäre verglühenden Schrott verunsichert werden könnten, durch qualifizierte Vorab-Informationen beruhigt werden.

Jetzt arbeite das Zentrum daran, bis 2020 seine volle Einsatzbereitschaft herzustellen, berichtete Generalstabsoffizier Spangenberg: "Nächstes Jahr können wir bereits erste Dienste anbieten." Bislang überwachen nur die USA und Russland das All. Aber auch Indien und China nutzten den erdnahen Weltraum besonders intensiv - zivil wie militärisch. "Die Nutzlasten dieser Satelliten sind aber nicht unser Thema", betonte Spangenberg. "Wir wollen Kollisionen im Weltraum vermeiden helfen."

Zurzeit arbeiten 32 Luftwaffen-Soldaten und fünf Mitarbeiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Lagezentrum auf dem Uedemer Paulsberg. Es soll auf 47 Soldaten und zehn zivile Mitarbeiter aufgestockt werden und für 25 Millionen Euro ein eigenes, sehr präzises Überwachungs- und Bahnverfolgungsradar erhalten. Dieses wird vermutlich ab Mitte 2017 im Westerwald stationiert. Das Uedemer Lagezentrum verarbeitet bislang bereits zahlreiche Daten unter anderem von Großradaren wie dem der Fraunhofer-Gesellschaft auf dem Bonner Wachtberg, dem Radioteleskop Effelsberg in der Eifel und von Alliierten.

Die neue Anlage wird Bahndaten von Satelliten und Trümmern im niedrigen Erdorbit in einer Höhe zwischen 500 und 1200 Kilometern erfassen können. Die Anlage werde auch der deutschen Wissenschaft zur Verfügung gestellt und ermögliche dann den Datenaustausch mit den Verbündeten, erläuterte Gerald Braun, der vom DLR gestellte Vizechef des Weltraum-Lagezentrums. "Wir werden dann international vom Empfänger zum Mitspieler."

(mic)