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Weltraum: US-Astronaut soll mit russischem Raumschiff zur Erde zurückkommen - Routine trotz Ukraine-Krieg?

Routine trotz Ukraine-Krieg? : US-Astronaut soll mit russischem Raumschiff zur Erde zurückkommen

Viele US-Astronauten sind mit russischen Raumschiffen zur ISS und zurück geflogen. Vor Russlands Angriff auf die Ukraine war das Routine. Jetzt soll wieder ein US-Amerikaner mit zwei Kosmonauten zur Erde zurückkommen – normales Alltagsprozedere scheint das nicht mehr.

Eigentlich war es längst Routine. Insgesamt 93 nicht-russische Astronauten sind nach Angaben der Raumfahrtbehörde Roskosmos in den vergangenen Jahrzehnten mit einem Raumschiff vom Typ Sojus zur Raumstation ISS oder zurück zur Erde gebracht worden. Am Mittwoch (30. März) soll nun der US-amerikanische Astronaut Mark Vande Hei gemeinsam mit den Kosmonauten Anton Schkaplerow und Pjotr Dubrow in einer russischen Sojus-Raumkapsel gegen 9.21 Uhr MEZ von der ISS abdocken und gegen 13.28 MEZ in Zentralkasachstan landen.

In Zeiten schwerster Spannungen zwischen Moskau und dem Westen angesichts des Ukraine-Kriegs scheint ein gemeinsamer Flug eines US-Astronauten mit zwei Kosmonauten in einer russischen Raumkapsel nicht mehr wie Routine. Der Westen hat beispiellose Sanktionen gegen Moskau verhängt. Die Kooperation zwischen dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt mit Russland wurde von beiden Seiten aufgekündigt. Auch die europäische Raumfahrtagentur Esa prüft die weitere Zusammenarbeit mit Moskau, das europäisch-russische Weltraumprojekt „Exomars“ wurde ausgesetzt und Russland zog sein Personal vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana ab.

Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin rief den Westen erst vor wenigen Tagen noch einmal dazu auf, die Strafmaßnahmen zurückzunehmen. „Wir warten bis Ende März.“ Sollte eine Antwort ausbleiben, dann gebe es eine „negative Antwort“.

Gänzlich eskalieren lassen möchte Russlands Raumfahrtbehörde den Konflikt mit den USA aber nicht – und auch von amerikanischer Seite wurde in den vergangenen Wochen immer wieder der Wille zur weiteren Zusammenarbeit auf der ISS betont. „Die professionelle Zusammenarbeit zwischen den Astronauten und den Kosmonauten an Bord der ISS sowie zwischen den Kontrollzentren in Houston und in Moskau geht unverändert weiter“, stellte Bill Nelson, Chef der US-Raumfahrtbehörde Nasa, erst kürzlich klar.

Spekulationen, dass Vande Hei nicht mit dem russischen Sojus-Raumschiff zur Erde zurückfliegen könnte, wiesen beide Seiten zurück. „Roskosmos hat Partnern nie einen Grund gegeben, an unserer Zuverlässigkeit zu zweifeln“, hieß es in einer Mitteilung von Roskosmos. Der sichere Betrieb der ISS habe oberste Priorität. Das bestätigte auch der bei der Nasa für die ISS zuständige Manager Joel Montalbano bei einer Pressekonferenz. „Ich kann Ihnen sicher sagen, dass Mark mit der Sojus nach Hause kommt. Wir sind dazu in Kommunikation mit unseren russischen Kollegen, es gibt da kein Getue.“

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Vande Hei und Dubrow waren am 9. April 2021 zusammen auf der ISS angekommen. Der 55-jährige Vande Hei hat Scott Kelly überholt, der mit 341 aufeinanderfolgenden Tagen zuvor den Rekord für den längsten Aufenthalt eines US-Amerikaners im All hielt.

Die Sanktionen und Spannungen zwischen Russland und dem Westen machen die Flug-Aktion auch im Detail nicht einfacher. Wenn die Sojus-Kapsel nach ihren letzten Metern an einem Fallschirm in der Steppe von Kasachstan in Zentralasien den Boden erreicht, kreisen bereits Hubschrauber am Himmel – mit Medizinern, Technikern und Experten an Bord, um die Rückkehrer zu versorgen. Auch knapp 20 US-Experten seien darunter, die Vande Hei dann mit einem „Gulfstream V“-Flugzeug zurück in die USA bringen werden, heißt es von der Nasa. „So machen wir es immer“, sagte Manager Montalbano – in Zeiten, in denen die USA und Russland sich eigentlich gegenseitig ihre Lufträume gesperrt haben, ist das aber kein normales Alltagsprozedere.

Langfristig bleiben in Hinblick auf den gemeinsamen Betrieb der ISS viele Fragezeichen. Roskosmos erinnerte gerade noch einmal öffentlich an das Aus der Raumstation „Mir“ vor 21 Jahren. Am 23. März 2001 leitete Moskau den Sturz der „Mir“ zur Erde ein, nach zuvor mehr als 86.300 Erdumrundungen. Was nicht in der Atmosphäre verglühte, ging als Trümmerhagel im Südpazifik östlich von Neuseeland nieder. Dieses Schicksal könnte auch der ISS drohen. Wegen der Verwerfungen mit dem Westen hat Moskau zunächst offen gelassen, ob es seinen Teil der Station bis 2030 weiter betreiben will. Zudem ist keine Rede mehr davon, dass Kosmonauten auch mit US-Raumschiffen zur ISS geschickt werden könnten, wie vor dem Angriff auf die Ukraine verabredet worden war.

Auf der ISS selbst ist von den Spannungen – zumindest von außen – nichts zu bemerken. Neben Vande Hei, Schkaplerow und Dubrow sind dort derzeit auch noch die US-Amerikaner Raja Chari, Thomas Marshburn und Kayla Barron sowie der deutsche Astronaut Matthias Maurer. Am 18. März waren zudem die drei Russen Oleg Artemjew, Denis Matwejew und Sergej Korssakow dazugekommen und mit Jubel, Händeschütteln und Klatschen begrüßt worden.

„Im Weltall gibt es keine Grenzen, man sieht keine Linien zwischen Ländern“, sagte Nasa-Manager Montalbano. „Die Teams arbeiten weiter miteinander. Sie wissen natürlich, was auf der Erde los ist, aber sie sind Profis. Es gibt keine Spannungen im Team. Sie haben sich auf diesen Job vorbereitet und sie machen ihren Job.“

(mba/dpa)