Berlin: Freizeittrend: Computer schlägt Gartenarbeit

Berlin : Freizeittrend: Computer schlägt Gartenarbeit

Die Bundesbürger lassen es in ihrer Freizeit zunehmend ruhig angehen. Traditionelle Freizeitaktivitäten wie Gartenarbeit oder Radfahren werden immer unbeliebter. Dafür gewinnen das Internet, Faulenzen und Ausschlafen an Bedeutung. "Die meisten Freizeitaktivitäten sind Passivitäten", sagte der Wissenschaftliche Leiter des Instituts für Zukunftsfragen, Ulrich Reinhardt, gestern bei der Präsentation des "Freizeit Monitors 2011" in Berlin.

So sind Internet und Computer auf dem Vormarsch. Mehr als die Hälfte der Befragten setzt sich einmal pro Woche vor den Rechner (plus 13 Prozent) oder schreibt E-Mails (plus 16 Prozent). Fast jeder Zweite surft in der Freizeit regelmäßig im Netz. Mit dem Berufseinstieg gehe der Internetkonsum allerdings deutlich zurück, sagte Studienleiter Reinhardt. Außerdem beliebt: Telefonieren, Radio hören, Zeitung lesen und Familienausflüge. Angeführt wird die Liste der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen übrigens vom Fernsehen – das allerdings schon seit 25 Jahren.

Echte Aktivitäten dagegen verlieren der Erhebung zufolge an Bedeutung. Demnach arbeitet nur noch jeder Vierte mindestens einmal pro Woche im Garten – zwölf Prozent weniger als vor drei Jahren. Ebenfalls rückläufig: Radfahren, Briefe schreiben und Spazierengehen.

Immer häufiger wollen die Deutschen in ihrer Freizeit abschalten und am liebsten nichts tun, hieß es bei der Vorstellung der repräsentativen Studie, für die 6000 Menschen in ganz Deutschland befragt wurden. Durch die zunehmende Hektik und den Stress im Alltagsleben werde die "regelmäßige Muße" zum Muss. Unterschiede zeigten sich allerdings mit Blick auf das Einkommen. Besserverdienende seien aktiver in der Freizeit als Schlechterverdienende, sagte Reinhardt.

Auch Geschlechterklischees werden mit der Erhebung bedient: Frauen gehen demnach fast doppelt so häufig in den Gottesdienst, lesen Bücher oder schreiben Briefe wie Männer. Sie zieht es dagegen häufiger in die Kneipe, zum Stammtisch oder an die heimische Werkbank.

Weiteres Ergebnis der Befragung: Obwohl den Deutschen derzeit im Schnitt vier Stunden pro Tag für ihre Freizeitgestaltung zur Verfügung stehen – so viel wie selten – empfindet das jeder Dritte als zu wenig.

(RP)
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