Zum 80. "Tatort" mit Batic und Leitmayr aus München geht es um Mörder-Puppen

80. „Tatort“ mit Batic und Leitmayr : Mörder-Puppen in München

Im neuen Münchner „Tatort“ geht es um Missbrauch und wie lange dieser nachwirkt – und um Puppen, die dank moderner Technik gruselig werden. Beklemmend und sehr gut gespielt.

Vielleicht wird das doch noch eine große TV-Liebe – pünktlich zum 80. Fall der Münchner „Tatort“-Kommissare Batic und Leitmayr aus München. Was für diese neue Liebe spräche: Ihre Fälle sind in der Regel nicht total abgedreht, die Kommissare schleppen nicht zehn Kilo persönliche Probleme mit sich herum, die sie anstrengend nach außen tragen, Batic und Leitmayr sind keine sozialgestörten Freaks, bei ihnen muss nicht immer alles noch verrückter, noch schriller, noch lauter sein. Gute Ausgangsbedingungen für einen unterhaltsamen Fernsehsonntagabend. „Wir kriegen euch alle“ heißt ihr neuer Fall und es geht um Missbrauch und seine Spätfolgen, um Rache und Technik, die eher Fluch als Segen ist.

Was Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) sehen, als sie in die Münchner Villa gerufen werden, ist ein regelrechtes Blutbad. Oder genauer: eine Hinrichtung. Ein Ehepaar wurde ermordet, dem Mann wurden die Genitalien abgeschnitten, mit Blut hat der Täter „Wir kriegen euch alle“ und den Hinweis auf den Paragraphen zur Mittäterschaft über das Bett gekritzelt, in dem die Ermordeten liegen. Auf Bildern der Überwachungskamera sehen die Kommissare einen Menschen im Weihnachtsmannkostüm, der in der Mordnacht durch den Garten schleicht und offenbar einfach so ins durch eine Alarmanlage gesicherte Haus kommt. Tochter Lena spricht schon seit Tagen davon, dass der Weihnachtsmann bald kommt und scheint ihm die Tür geöffnet zu haben. Auf die richtige Spur kommen Batic und Leitmayr aber erst durch Lenas sprechende (und gruselige) Smart-Puppe Senta, dem das Mädchen alles ihr Wichtige anvertraut. Über diese Puppe finden die Kommissare eine Rächer-Gruppe, die internetfähige Puppen an Kinder verteilt – immer an Kinder, deren Väter unter Verdacht stehen, Täter zu sein, und deren Mütter die mutmaßliche Tat nicht verhindert haben.

„Wir kriegen euch alle“ ist kein Larifari-Sonntagskrimi, sondern einer, der ein echtes Engegefühl in der Brust macht: weil er zeigt, wie nachhaltig kaputt Missbrauch Menschen macht.

„Tatort: Wir kriegen euch alle“, Das Erste, So., 20.15 Uhr

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