Polizeiruf 110 aus Frankfurt enttäuscht - Wühlen in altem Schlamm

„Polizeiruf 110“ aus Frankfurt/Oder : Wühlen in altem Schlamm

Das deutsch-polnische „Polizeiruf“-Team ermittelt wieder – leider öde in Frankfurt/Oder.

Nun hat die #metoo-Debatte auch den „Polizeiruf“ erreicht: Gerd Heise (Götz Schubert) arbeitet als Arzt und hat ziemlich oft seinen Arbeitsplatz gewechselt. An seinen alten Wirkungsstätten gab es immer Vorwürfe von Frauen, die behaupten, er habe sich ihnen gegenüber unpassend verhalten oder sogar versucht, sie zu vergewaltigen. Aber Gerd Heise kann froh sein: Nie hat eine Frau den Mut gefunden oder den Sinn darin gesehen, ihn anzuzeigen und ihn so zu stoppen. Zum Glück steht auch seine Frau Katarzyna (Lina Wendel) zu ihm. Er sei schuldlos, bekräftigt sie, die Frauen wollten ihm nur etwas anhängen. Aus Eifersucht, weil sie ihn nicht bekommen könnten.

Dieses ganze Konstrukt fängt an zu wanken, als das Au-pair-Mädchen Paula, das Heises Enkelkinder betreut, tot in der Oder gefunden wird. Sie ist nicht ertrunken, sondern wurde erwürgt. Heise hat kein Alibi, und schon wühlen die „Polizeiruf“-Kommissare Olga Lenski (Maria Simon) und Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) den ganzen Schmutz der Vergangenheit auf. Der Doktor gibt sich als Opfer von Verleumdung und Verschwörung. Doch warum verschwand seine Stieftochter Julia vor 15 Jahren? Ihr Vater Pawel Sikorski verdächtigt seitdem den neuen Mann an der Seite seiner Ex-Frau. Er soll Julia damals schon bedrängt und bedroht haben, obwohl er heute beteuert, er habe sie wie sein eigenes Kind geliebt.

Der Krimi „Der Fall Sikorska“ ist arg betulich, richtig Fahrt nimmt der Fall nie auf. Das einzige Mitreißende ist die Strömung der Oder. Es gibt zu viele Zeit- und Ortssprünge. Wann hatte der Arzt in Potsdam eine Stelle, wann in Eberswalde eine Praxis? Welcher Frau soll er sich wann unpassend genähert haben? Es geht munter hin und her, der Zuschauer wünscht sich fast eine Karte, eine Namensliste und einen Zeitstrahl. Dabei fahren die Ermittler Adam und Olga unmotiviert von Ort zu Ort, die beiden haben sich im Gegensatz zu früheren Fällen rein gar nichts zu sagen. Sie ermitteln den Fall so weg, tiefgründige oder spritzige Dialoge gibt es zwischen den beiden nicht. Viele Zuschauer werden sich gewiss auch daran stören, dass über weite Strecken des Films Polnisch gesprochen wird und sie die Untertitel lesen müssen.

Zu konstruiert wirkt auch das Drehbuch: Leo, der Halbbruder der Verschwundenen, zum Beispiel ist erst 25, hat aber schon eine Ex-Frau, die in einem Berliner Ministerium arbeitet, eine Stelle als Lehrer und schon eine fünfjährige Tochter. Geht alles, wirkt aber seltsam. Das Schönste an diesem öden „Polizeiruf“ sind die Aufnahmen der Oder.

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