Polizeiruf 110 aus Frankfurt/Oder: Nur die Strömung war mitreißend

Nachlese zum „Polizeiruf 110“ aus Frankfurt/Oder : Nur die Strömung war mitreißend

„Der Fall Sikorska“ aus der „Polizeiruf 110“-Reihe nahm nie wirklich an Fahrt auf. Die Ermittler aus Frankfurt/Oder wirkten seltsam lustlos.

Worum ging’s? 15 Jahre nachdem ein Mädchen verschwunden ist, wird ein Au-Pair-Mädchen ermordet. Die Polizei findet eine Verbindung: Der Stiefvater der Vermissten lebte im selben Haushalt wie die nun Ermordete

Wie war's? Ziemlich öde an der Oder. Nur die Strömung des Flusses war mitreißend. Es gab eine lahme Geschichte und zwei Kommissare Olga Lenski (Maria Simon) und Adam Raczek (Lucas Gregorowicz), die auch nicht besonders motiviert wirken.

Wer war's? Die Kommissare haben jeweils einen Verdächtigen, und zum Glück bekommt am Ende auch jeder Recht. Ihr Verdächtiger, Doktor Gerd Heise (Götz Schubert), hat vor 15 Jahren seine Stieftochter Julia getötet und verschwinden lassen. Sein Verdächtiger, der Student Marcin, hat Au-Pair-Mädchen Paula auf dem Gewissen.

Was störte? „Der Fall Sikorska" hatte keine großen Überraschungen parat. Viele Zuschauer werden sich außerdem daran gestört haben, dass in vielen Szenen Polnisch gesprochen wurde. Natürlich gab es Untertitel, aber schon regionale Dialekte sind manchem Krimi-Fan zu viel. Der „Polizeiruf" hat es allein mit seinen nur vier Teams schwer, gegen die „Tatort"-Dominanz zu bestehen. Der Münchner Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) hat im Dezember seinen letzten Fall, den Rostockern gelingen immer provokante und spannende Fälle. Die Krimis aus Magdeburg und Frankfurt/Oder dümpeln immer so dahin. Schade.

Bester Dialog, bester Spruch? Irgendwie nicht mitbekommen – gab wohl keinen.

Was sollte das? Die Polizei und Ermittler in Frankfurt/Oder haben anscheinend große Freude daran, einen Tatort abzusperren. Immer flatterte irgendwo ein rot-weißes Band, selbst in menschenleerer Ödnis oder im Privatgarten der Heises. Damit auch der verschnarchteste Zuschauer mitbekommen muss: Dort ist ein Tatort.

War da mal was? Die Drehbuchautoren Bernd Lange und Hans-Christian Schmid sagen, sie haben sich durch einen realen Fall inspirieren lassen. Sie hätten von einem jahrzehntelangem Streit zweier älterer Männer erfahren, von denen der eine dem anderen vorwarf, er habe seine Tochter getötet. Konkret benannt wird das nicht. Der Krimi erinnert aber an den Kriminalfall Kalinka Bamberski. Das Mädchen mit französischer Staatsbürgerschaft kam im Alter von 14 Jahren im Haus seines Stiefvaters in Deutschland ums Leben. In Frankreich wurde der Mann, ein Mediziner, in Abwesenheit zwar verurteilt. lebte aber unbehelligt in seiner Heimat am Bodensee. Kalinkas Vater gab keine Ruhe und entführte ihn nach Frankreich, wo er in einem zweiten Prozess zu 15 Jahren Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt wurde. Laut Staatsanwaltschaft hatte der Stiefvater das Mädchen betäubt, um es zu vergewaltigen. Der leibliche Vater wurde wegen Entführung ebenfalls verurteilt.

(mso)
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