1. Panorama
  2. Fernsehen

Wiener "Tatort" "Pumpen": Kommissare gegen Muskelpakete

Neuer „Tatort“ aus Wien : Kommissare gegen Muskelpakete

Der „Tatort“ kehrt mit einem Fall aus Wien aus der Sommerpause zurück: In der Folge „Pumpen“ gibt es einen soliden, aber vorhersehbaren Kriminalfall und eine Kommissarin oben ohne.

Der Lokführer kennt sich mit Suiziden auf den Gleisen aus. Das war schon sein zweiter, sagt er wurschtig – in diesem Jahr. Aber etwas war anders als sonst: Der Mann habe eindeutig noch versucht, sich vor dem nahenden Zug in Sicherheit zu bringen. Das gelang ihm jedoch nicht, weil er sich kaum bewegen konnte. Er habe wie betäubt gewirkt, sagt der Lokführer. Da verstehen die Wiener „Tatort“-Ermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) schließlich, warum sie zur Bahnstrecke gerufen worden sind.

Den Beweis, dass der Suizid eigentlich ein Mord war, liefert dann der Rechtsmediziner, der sowohl eine Einstichstelle am Hals findet als auch ein Beruhigungsmittel im Blut nachweist. Der Mann, der vom Zug in Einzelteile zerlegt – keine schöne Szene – auf dem Obduktionstisch liegt, war häufig in einem Fitnessstudio anzutreffen. Nach einigen Recherchen erfahren die beiden Kommissare auch den Namen des Toten: Er hieß Iovan Savic, ein Arbeitsloser, der sich einen Aston Martin leisten konnte. Die Ermittler vermuten, dass er im Fitnessstudio illegale Medikamente zum Muskelaufbau vertickt hat. Chefinspektor Manfred Schimpf schleust sich ohne Wissen seiner Vorgesetzten undercover ins Studio ein, verhält sich aber so trottelig, dass er krankenhausreif geschlagen wird. Es läuft nicht wirklich gut. Wie praktisch daher, dass Ex-Polizist Rainer Kovacs (Anton Noori), der nun als Kaufhaus-Detektiv arbeitet, dort trainiert und die Augen ebenfalls offen halten will.

„Pumpen“, der erste Fall nach der Sommerpause der Krimi-Reihe, wird dem sonstigen Niveau der Wiener Fälle nicht gerecht. Es gibt ein paar witzige Dialoge, die Bibi und der Moritz granteln sich wie immer liebevoll miteinander durch die 90 Minuten. Die Handlung indes ist arg vorhersehbar und am Ende auch etwas abstrus und zu schnell aufgelöst. Leicht klischeehaft ist auch der Dreh mit den Drogen im Fitnessstudio, alle Muskelpakete nehmen obskure Substanzen oder dealen damit. Außerdem ärgerlich: Einige Wiener, wie die Fitnessstudio-Mitarbeiterin und ein Taxifahrer, dürfen ausländerfeindliche Sprüche verbreiten. „Wo kommt der her?“ „Von da unten.“ „Wo ist da unten.“ „Da wo alle mit -ic herkommen.“

Die Dreharbeiten für Fellners und Eisners 23. Fall wurden Anfang März begonnen und schnell wegen Corona unterbrochen. Zwar hatten die österreichischen Behörden mit der Produktionsfirma zügig ein neues Konzept ausgearbeitet. „Als unser ,Tatort’ Mitte März unterbrochen wurde, war es noch recht kühl, und die Vegetation war auch noch nicht so weit fortgeschritten“, erzählt Krassnitzer. „Im Juni standen dann Blüten sowie Blätter in voller Pracht.“ Deshalb mussten einige Motive gewechselt werden, bei manchen Einstellungen wurde der Blick aus dem Fenster ausgespart. „Beim Neustart Anfang Juni hatte es an manchen Tagen dagegen schon 30 Grad, und wir standen in Mänteln sowie Pullovern vor der Kamera. Da war man am Abend komplett durchgeschwitzt.“

Weil in „Pumpen“ Bibi Fellners Privatleben und ihre auf den ersten Blick unglückliche Liebe zu einem gewissen Franz im Mittelpunkt stehen, kommt es für Adele Neuhauser zu einem Novum: Sie hat sich zum ersten Mal für den „Tatort“ ausgezogen. „Nacktheit impliziert stets zwei Aspekte: Verletzlichkeit und Freiheit. Beides mochte ich für Bibi“, sagt sie. Leichtgefallen sei es ihr nicht. „Aber ich hab dann versucht, Bibis fröhliche Stimmung zu nutzen und alle Scheu beiseite zu schieben.“

„Tatort: Pumpen“, Das Erste,
So., 20.15 Uhr.