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TV-Nachlese zu Maybrit Illner - Mehr einheitliche Corona-Regelungen

Corona-Talk bei Maybrit Illner : „Weiterer Lockdown würde Wirtschaft um Jahrzehnte zurückwerfen“

Überwiegend erleichtert reagieren Maybrit Illners Gäste auf die neuen, bundesweit weitgehend einheitlichen Corona-Regelungen. Auch über Karneval und die umstrittene Demonstration in Berlin wurde diskutiert.

Die Gäste

  • Melanie Brinkmann, Virologin, Universität Braunschweig
  • Helge Braun, Kanzleramtsminister, CDU
  • Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, SPD
  • Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrates
  • Michael Müller, Verband der Akkreditierten Labore

  • Nicole Grünewald, Präsidentin der IHK Köln

Darum ging es

“Masken, Tests und neue Strafen - was nützen die Corona-Regeln?” fragte Maybrit Illner am Abend im ZDF Politiker, eine Ethikerin, eine Virologin, eine IHK-Präsidentin und einen Laborexperten. Außerdem wurde über einen zweiten Lockdown, den Karneval und Maskengegner gesprochen.

Der Talkverlauf

Auf einheitlichere Corona-Regelungen haben Bund und Länder sich geeinigt. Maybrit Illner kritisierte am Abend dennoch, dass in vielen Punkten offenbar immer noch gelte „Strategie im Fluss, statt aus einem Guss.“ Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) verteidigte die Absprachen: Die Bürger sollen die Maßnahmen nachvollziehen können, das könne durch mehr Einheitlichkeit erreicht werden. Die Regierung hoffe dieses Ziel auch durch die Regelungen zu Pflichttests und Quarantänezeit nach der Rückkehr von Reisenden aus Risikogebieten zu erreichen. „Wir wollen das jetzt noch klüger machen“, verspricht Braun und lobt einen Test fünf Tage nach der Rückkehr aus dem Urlaub.

Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) findet die Strategie gut: „Reisen sollten eigentlich gar nicht stattfinden, wer dennoch bewusst ins Risikogebiet reist, muss stärkere Konsequenzen tragen“. Und zwar: nach der Ankunft in Quarantäne gehen und sich frühestens nach dem fünften Tag „freitesten“. Für diesen Test solle dann der Reisende auch selbst aufkommen. Mit einer kürzeren Quarantänezeit kann auch Virologin Melanie Brinkmann leben: Es sei wissenschaftlich höchst schwierig, zu entscheiden, wie lange lange genug sei. „Das Problem ist, dass ich nicht genau weiß: Wieviel Virus brauche ich, um ansteckend zu sein?“ Für den Großteil der Menschen seien sieben Tage Quarantäne ausreichend. „Aber man kann nicht das komplette Risiko auf Null fahren.“

Laborexperte Michael Müller erklärt die Situation in den Testlaboren. Schon Ende Juli habe sein Verband darauf aufmerksam gemacht, dass die Tests sich nicht endlos ausweiten ließen. Jetzt seien es durch die Reiserückkehrer noch deutlich mehr Tests zu bearbeiten gewesen: „Die Testzahl stieg auf 1,2 Millionen Corona-Abstriche pro Woche“. 8.500 Befunde seien dabei im Schnitt positiv ausgefallen. Vor vier Monaten seien es 8.000 bis 10.000 positive Befunde bei der Hälfte der Tests gewesen. Dass nur noch Rückkehrer aus Risikogebieten getestet werden, hält er für gut, nicht zuletzt, weil sich die notwendigen Fachkräfte nicht beliebig multiplizieren ließen.

Helge Braun bestreitet, dass aus Mangel an Kapazitäten weniger getestet werde. Das habe nichts mit knappen Ressourcen zu tun, vielmehr habe man aus Erfahrungen gelernt, sagt er und ergänzt: „Es geht eher darum, dass wir – wenn die Situation im Winter wieder schwieriger wird – ein möglichst grundrechtsschonendes, effektives und präzises System entwickeln.“

Illner möchte von Braun wissen, wie er die Warnungen von Angela Merkel, Annegret Kramp-Karrenbauer und Markus Söder vor einer zweiten Welle einschätzt: „Machen sie Angst? Übertreiben sie?“ Der Kanzleramtsminister antwortet eher indirekt: „Man muss einfach sehen, dass nicht plötzlich eine zweite Welle mit Wucht kommt“, sagt er und nennt Spanien als Beispiel. „Wir sollten nicht darüber spekulieren, ob es einen zweiten Lockdown gibt, sondern alle gemeinsam daran arbeiten, ihn zu verhindern.“

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">.<a href="https://twitter.com/alm_mueller?ref_src=twsrc%5Etfw">@alm_mueller</a> <a href="https://twitter.com/ALMevTeam?ref_src=twsrc%5Etfw">@ALMevTeam</a> bei <a href="https://twitter.com/hashtag/illner?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#illner</a>:<br>„Wir rechnen damit, dass es mit den Antigen-Schnell-Tests Ende des Jahres los gehen kann.“ <br>Link zur ganzen Sendung <a href="https://t.co/vsIic4Suzw">https://t.co/vsIic4Suzw</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/b2908?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#b2908</a><a href="https://twitter.com/hashtag/Coronatest?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Coronatest</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/Teststrategie?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Teststrategie</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/Schnelltest?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Schnelltest</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/Antigen?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Antigen</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/Covid_19?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Covid_19</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/Testlabor?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Testlabor</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/Testpflicht?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Testpflicht</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/Massentest?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Massentest</a> <a href="https://t.co/jIds7Y8dnx">pic.twitter.com/jIds7Y8dnx</a></p>&mdash; maybrit illner (@maybritillner) <a href="https://twitter.com/maybritillner/status/1299124925698113536?ref_src=twsrc%5Etfw">August 27, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Nicole Grünewald, Präsidentin der IHK Köln, erinnert: „Wir sollten nicht vergessen, dass wir uns in der größten Wirtschaftskrise der Bundesrepublik befinden.“ Viele Branchen lägen total am Boden und hätten keine Perspektive. „Ein weiterer flächendeckender Lockdown würde die Wirtschaft um Jahrzehnte zurückwerfen“, warnt sie und macht sich Sorgen um den Wirtschaftsfaktor Karneval: Am „Runden Tisch Karneval“ sei die Stimmung in Köln „sehr sehr schlecht“. Sie ist froh, dass es jetzt bundesweit einheitliche Regelungen gibt, das helfe in der Planung. Zugleich hofft sie auf die Vernunft der Bürger, die mit eher kleineren Feiern und Veranstaltungen eine zweite Welle vermeiden helfen könnten.

Ein einheitliches Bußgeld für den fehlenden Atemschutz begrüßt Ethikratsvorsitzende Alena Buyx: „Bei Maskenverweigerern geht es ja mehr um einen symbolischen Akt“, sagt sie. Da die Maske ein wirksames Mittel sei, halte sie für sinnvoll, in dem Bereich Bußgelder durchzusetzen. Schwieriger sei die Entscheidung im Fall der geplanten – und derzeit abgesagten – Demonstration in Berlin, die nun noch vor Gericht verhandelt wird. „Die Demonstrations- und Meinungsfreiheit einzuschränken ist keine Kleinigkeit“, sagt Buyx. „Es geht nicht darum wer demonstriert, es geht auch nicht darum wofür oder wogegen demonstriert wird.“ Es gehe aber durchaus darum, wie demonstriert werde: „20.000 Leute sind ja nicht irgendwo auf der platten Wiese, sondern in einer dicht bevölkerten Großstadt und steigen danach in die Tram und treffen Leute“, malt sie das Szenario aus. Wenn man sich an die Regeln – Abstand und Maske – halte, sei das okay; schwieriger sei es, da die Veranstalter der Demo die Regelbeachtung in der Vergangenheit „nicht garantieren konnten oder wollten“.

„Dann geht von der Gruppe eine Gefahr für die Menschen in Berlin aus.“ 
Die Berliner Polizei hatte die Demonstration untersagt, da bei dem zu erwartenden Teilnehmerkreis mit Verstößen gegen die geltende Infektionsschutzverordnung zu rechnen sei. Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte aber auch, dass er „Corona-Leugnern, Reichsbürgern und Rechtsextremisten“ keine Bühne bieten zu wollen. Die Veranstalter gehen rechtlich gegen das Verbot vor. Für seine Begründung hatte sich Geisel scharfe Kritik eingehandelt.

Auch Braun nennt das Verbot eine „ganz schwierige Abwägungsfrage“. Zugleich kritisiert er die Begründung für die Entscheidung der Berliner Polizei: „Was ich sehr schwierig fand und was hier, glaube ich, das große Problem war, ist, dass bei der Begründung der Ablehnung der Demonstration die Absicht der Demonstranten mit in die Argumentation einbezogen worden ist. Und das geht natürlich nicht“, sagt der CDU-Politiker. Auf Illners Frage, ob er wie Carsten Lindemann, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Union, den Entscheid „dämlich und gefährlich“ findet, antwortet er nicht. Manuela Schwesig sagt, Geisel habe sich die Entscheidung sicher nicht einfach gemacht, die Wortwahl von Lindemann finde sie „unverschämt“.