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Frank Elstner bei Markus Lanz über Parkinson: "Will mir nicht gefallen lassen, dass ich unheilbar krank bin"

Frank Elstner über Parkinson : „Ich will mir das nicht gefallen lassen, dass ich unheilbar krank bin“

Frank Elstner soll im ZDF über seine Parkinson-Erkrankung sprechen. Der TV-Moderator findet allerdings andere Themen wichtiger als sich selbst: seine „Betteltouren“ für Wissenschaft und Forschung, sein neues Buch und die Berggorillas in Uganda.

Einen Moment lang nimmt Frank Elstner am Abend bei Markus Lanz auch zu den lautstarken Kritikern der Corona-Politik Stellung: „Was ich da sehe an Bildern und Argumenten, das trifft mich so in mein Innerstes, weil ich nicht verstehen kann, wie Menschen so uneinsichtig sind“, sagt der Moderator und Journalist. Bilder von Menschen, die Gesundheitsminister Jens Spahn niederschreien, kommentiert er mit den Worten: „Sie etablieren sich nur als Krawallpartei. Da wird ja auch nicht mehr argumentiert.“ Eigentlich will Lanz mit Elstner aber über ihn selbst und seine Parkinson-Erkrankung sprechen – dabei gelingt dem Entertainer eine Meisterleistung im „sich selbst nicht allzu wichtig nehmen“.

Im April ist er 78 Jahre alt geworden, ansehen tut man Elstner sein Alter im Hamburger ZDF-Studio kaum. Vor gut einem Jahr führte Lanz zuletzt in seiner Sendung ein bewegendes Gespräch mit ihm über seine Erkrankung. Damals sagte Elstner, er habe jetzt den Höhepunkt seines Lebens erreicht. Bergab ist es aber seither offenbar nicht gegangen: „Mir geht’s eigentlich gut“, sagt Elstner. „Es gibt so viele schwere Dinge in der Welt, die nicht funktionieren, da sieht man die eigenen Dinge in einem etwas kleineren Maße.“ Parkinson nennt er eine „interessante Krankheit, die leider immer noch nicht heilbar ist.“ Als Journalist, der viele Fragen stelle und neugierig sei, reize ihn das. Er habe sich „bei allen möglichen Professoren umgehört, um einen Wissensstand zu bekommen, wo ich nicht nur darüber nachdenke ‚wie geht’s mir’, sondern darüber: Wie geht’s überhaupt den Parkinson-Kranken?“ In Deutschland haben über 300.000 diese Diagnose bekommen.

Für ihn sei das allerdings kein Stoppschild: „Ich will mir das von meinem Charakter her nicht gefallen lassen, dass ich unheilbar krank bin.“ Anstatt zu kapitulieren, setzt Elstner seine Energie in die Unterstützung von Wissenschaft und Forschung. „Es gibt in der Zwischenzeit Wissenschaftler und Forscher, die der Meinung sind, man kann Parkinson erwischen“, sagt er. „Man kann es schon einigermaßen gut behandeln, man kann mit der Krankheit einige Jahre leben.“ Doch vieles sei noch unerforscht, und Forschung koste Geld. Er ist Mitglied der Parkinson-Stiftung und hat einen „Nebenjob“, der ihn auf Trab hält: „Ich gehe als Bettler durch die Lande und sage: Leute unterstützt die Grundlagenforschung, da kommen wir weiter.“

Lanz will wissen, ob Elstner wirklich nie einen Tiefpunkt habe. „Ich weiß nicht, ob ich das so wegstecken könnte, ich hätte daran zu knabbern“, sagt der Moderator, und Elstner versichert ihm: „Ich kann dich beruhigen: Ich knabbere auch daran, aber ich deswegen muss nicht in der Öffentlichkeit knabbern.“

Da setze er seine Kraft lieber dafür ein, Wissenschaftler zu unterstützen, „die von morgens bis abends nichts anderes tun als daran zu denken wie sie weiterkommen“. „Und ich bin ein unverbesserlicher Optimist“, verrät der gebürtige Österreicher. „Wenn ich morgens aufstehe sage ich nicht ‚hoppla, gleich zitterst du wieder’, sondern ich stehe auf und sage: Hoffentlich kriegen wir heute wieder ein bisschen Kohle zusammen für die Forschung.“

Auch sonst nimmt sich Elstner wenig Zeit für Selbstmitleid oder negative Gedanken: Gemeinsam mit dem Neurowissenschaftler Professor Thorsten Kienast hat er ein Buch geschrieben: „Mehr Power für den Kopf – Wie man innere Ruhe findet, Probleme löst und sich weniger Sorgen macht“. Kienast verrät zwei Zauberworte aus dem Inhalt, die auch in Corona-Zeiten hilfreich seien: „Neugierde und Flexibilität ist, was wir alle brauchen.“ Ein größeres Anpassungspotential und niedrigeres Leidenspotential könne man durchaus lernen. Neugierde helfe, neue Wege zu finden in Situationen, die scheinbar unlösbar seien. Elstner und Kienast hatten so viel Spaß bei der Arbeit an dem Buch, dass sie jetzt überlegen, es zum Gesellschaftsspiel zu machen.

Kienast lobt seinen Co-Autoren, der sich selbst als „unruhigen Typen“ beschreibt: Entscheidend für Elstners Unruhe sei, dass er sich immer aus vielen Feldern Informationen hole: „Du hörst zu, Du wertschätzt die Menschen, Du bist relativ schnell und bist aufmerksam“, beschreibt er ihn. „Du urteilst nicht gleich, sondern erst spät – denn der andere könnte ja auch Recht haben.“ Diese Wesenszüge seien für seine Karriere entscheidend gewesen.

Nach wie vor ist Elstner auch in Sachen Artenschutz unterwegs. Sein jüngstes Filmprojekt in Uganda nennt er „eine der interessantesten Reisen meines Lebens“. Das Ergebnis der Filmarbeiten mit den Berggorillas und Primatenforscherin Martha Robbins wird am 1. November im SWR-Fernsehen (16.30 „Elstners Reisen: Die Retter der Gorillas“) gezeigt. „Da kann man dann auch mal sehen, wie Elstner aussieht, wenn er nicht mehr kann“, verspricht der Journalist bei der Erinnerung an die extremen Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit im Dschungel.