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Tempolimit bei „Lanz“​: Das entgegnet ein Klimaforscher einem FDP-Politiker​

Tempolimit bei „Lanz“ : Das entgegnet ein Klimaforscher einem FDP-Politiker

Im Talk bei „Markus Lanz“ soll Klimaforscher Mojib Latif eigentlich nur sein Buch vorstellen. Doch er schaltet sich schon vorher mit Fakten in eine Diskussion über das Tempolimit ein.

Am Donnerstagabend sollte es bei „Markus Lanz“ um mehrere Themen nacheinander gehen. Doch an einer Stelle mischen alle vier Gäste in der Diskussion mit.

Die Gäste:

  • Mojib Latif, Meteorologe und Klimaforscher
  • Bijan Djir-Sarai, FDP-Generalsekretär
  • Ulrike Herrmann, Journalistin
  • Sascha Lobo, Autor

Das Talk-Highlight:

Der Meteorologe und Klimaforscher Mojib Latif soll eigentlich erst im letzten Teil der Talkshow an die Reihe kommen und sein Buch vorstellen. Jedoch diskutiert Moderator Markus Lanz mit den drei anderen Gästen – FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai, die Journalistin Ulrike Herrmann und der Autor Sascha Lobo – ausführlich die Politik der FDP – und damit über das Tempolimit. Doch als Djir-Sarai bei seiner Kritik am Tempolimit irgendwie beim Stau in NRW anlangt und Lanz ihn daran erinnert, dass die FDP dort bis vor Kurzem mitregierte und eben auch die Verkehrspolitik bestimmte, da schaltet sich Mojib Latif ein.

„Die Zahlen liegen doch auf dem Tisch“, sagt er. Das Bundesumweltamt habe ausgerechnet, was ein Tempolimit bei verschiedenen Geschwindigkeiten bringe. Er kenne den FDP-Verkehrsminister Volker Wissing nicht, räumt Latif ein. „Aber es fehlt meiner Meinung nach an der Ernsthaftigkeit der Debatte.“ Dann listet der Präsident der Deutschen Gesellschaft Club of Rome die Vorteile einer Geschwindigkeitsbegrenzung für den Autoverkehr auf: Durch die Kohlendioxid-Einsparung verbessere sich der Umweltschutz, zudem würde ein Tempolimit sowohl Staus als auch Unfälle verhindern oder deren Anzahl reduzieren. „Und der vierte Punkt, und der ärgert mich eigentlich am allermeisten“, sagt Latif: „Wir machen Entlastungspakete, aber wir diskutieren nie darüber, was es finanziell bringt, wenn man nur einen Liter auf 100 Kilometer weniger verbraucht.“

Daraufhin rechnet der Klimaforscher ein Beispiel für Berufspendler vor. Doch individuelle Möglichkeiten, sowohl Geld zu sparen als auch etwas gegen die Klimakrise zu unternehmen, sind nicht das Hauptaugenmerk von Latif. Seine Forderungen gelten stattdessen der Politik. „Wir reden immer über die Energiewende, wir brauchen auch eine Verkehrswende“, sagt Latif.

Dabei will der Klimaforscher auch mit dem Irrglauben aufräumen, ein Tempolimit und Elektroautos hätten nichts miteinander zu tun. „Wenn Sie auf der Autobahn nur 100 fahren, haben Sie einen Riesengewinn an Reichweite“, sagt er mit Blick auf die Ladefähigkeit der Batterien in E-Autos und fügt hinzu: Der Strom dafür müsse schließlich auch irgendwo erzeugt werden.

Daraufhin schlägt Sascha Lobo eine populistische Maßnahme vor: Ein Tempolimit solle nur für Autos mit Verbrennungsmotor eingeführt werden. „Die FDP-Mitglieder haben eh genug Geld, um sich morgen einen Elektro-Porsche zu kaufen, die sind also überhaupt nicht betroffen“, sagt der Autor. Die restliche Bevölkerung könne dann das Tempolimit „ausleben“. Zuvor hatte bereits die Journalistin Herrmann darauf hingewiesen, dass die Mehrheit der Deutschen sich für eine Geschwindigkeitsbegrenzung ausspricht.

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Daraufhin schieben sich In der Diskussion andere Themen in den Vordergrund, von der Spritsteuer bis zum russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Irgendwann fällt dabei das Wort „beharrlich“. Das nimmt Lanz zum Anlass, um Latif zu seiner Arbeit als Klimaforscher zu befragen. Es schienen doch immer andere Themen Vorrang zu bekommen, suggeriert Lanz. „Absolut frustrierend“ sagt Latif, „aber natürlich auch kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen.“

(peng)