Nachlese zum "Tatort: Falscher Hase": Kriminelle Schnapsideen

Nachlese zum „Tatort“ aus Frankfurt : Kriminelle Schnapsideen

Schräger, schwarzer Humor war Trumpf im Frankfurt-Krimi „Falscher Hase“. Der „Tatort“ vom Sonntagabend im Schnell-Check.

Worum ging es nicht? An der Identität des Mörders bestand im Fall „Falscher Hase“ für niemanden außer Janneke und Brix ein Zweifel. Biggi war’s, die pleite gegangene Solar-Unternehmerin. Nachname Lohmann, wie Willy Lowman im Tragödien-Klassiker „Tod eines Handlungsreisenden“. Dessen Schöpfer Arthur Miller wollte einen vom „Schrecken überwältigten Menschen schaffen, der in die Leere hinein um Hilfe ruft, die nie kommen wird“. Als eine solche Figur überzeugte auch Biggi (Katharina Marie Schubert).

Worum ging es stattdessen? Darum, dass gute Menschen verzweifeln, während mancher Bösewicht kaum weiß wohin mit seinem Geld: Der fiese Feinkosthändler Guy (Werner Daehn) lässt seinen eigenen Leuten die Finger abhacken, die brave Biggi will ihre Angestellten partout nicht vor die Tür setzen müssen. Das scheitert nicht zuletzt an einem bauernschlau-bösen Versicherungsmakler, der sich unter Bezug auf einen albernen Kabeltrommel-Klau vor Urzeiten dreist seiner Zahlungspflicht entzieht. Überdeutlich wird aber auch: Der Versuch, der Ungerechtigkeit der Welt mit kriminellen Schnapsideen (Versicherungsbetrug, Vortäuschen einer Straftat, Mord und Totschlag) beizukommen, geht selten auf.

Woher hatte die Macherin die Idee? Nicht nur vom Genre-Klassiker „Fargo“ ließ sich Emily Atef inspirieren. Nachbarn von ihr hatten einst einen Versicherungsbetrug begehen wollen und dabei ihre Garage in Brand gesetzt. „Dabei haben sie versehentlich das ganze Haus abgefackelt. Und die Versicherung, die natürlich viel schlauer ist, hat es herausbekommen. Sie haben alles verloren.“

Wie wichtig war in diesem Film die Liebe? Nicht weniger wichtig als im echten Leben. Rührend Biggis Entschlossenheit, das stetig wachsende Ausmaß des Desasters vor ihrem Hajo geheimzuhalten. Fantastisch, wie Wachmann Jürgen (Thorsten Merten) allen Mut zusammennimmt und seinen Job schmeißt, um seiner entfremdeten Frau wieder näher kommen zu können. Die hatte praktisch zeitgleich tonlos erklärt: „Ich hätte vielleicht gar nicht gemerkt, dass der Jürgen fehlt. Vielleicht erst in ein paar Tagen. Oder in einer Woche.“ Umso effektvoller hob sich dagegen das Intrigenspiel der Femme fatale ab: Der gelangweilten Anouk (Johanna Wokalek) – mehr als ein Hauch von Nikki Swango aus der dritten „Fargo“-Staffel – reicht es nicht, ihren Guy mit dessen kleinem Bruder Rick zu betrügen. Beim Beischlaf setzt sie ihm auch beiläufig den Floh ins Ohr, dass er ein großer Gangster werden müsse. Folge: die absolute, herrlich anzusehende Eskalation. Tobias Jochheim

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