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Corona-Impfstoff wird knapp: NRW rudert beim Boostern zurück

Neues Chaos bei der Impfkampagne : NRW rudert beim Boostern zurück - Impfstoff wird knapp

Laumann bessert nach: Auffrischungsimpfungen sind in den NRW-Impfstellen jetzt doch erst nach vier Monaten erlaubt, der Regelfall soll ein Abstand von fünf Monaten sein. Ärzte kritisieren die bundesweit drohende Impfstoff-Knappheit. Und Apotheken sagen Impfpass-Fälschern den Kampf an.

Nach massiver Kritik bessert das NRW-Gesundheitsministerium seinen umstrittenen Erlass zum Boostern nach. Nun soll es Auffrischungsimpfungen im großen Stil doch nicht mehr schon nach vier Wochen geben, sondern erst nach vier oder fünf Monaten. Das Ministerium präzisierte nun seine Vorgaben: „Der Mindestabstand zur Grundimmunisierung soll im Regelfall mindestens fünf Monate betragen, vier Wochen Mindestabstand ist nur in Einzelfällen möglich“, erklärte das Haus von Karl-Josef Laumann (CDU).

Chaos bei NRW-Impfkampagne: Booster-Impfung jetzt doch erst nach vier Monaten möglich

In den Impfstellen ist die Auffrischung auch nach vier Monaten erlaubt: „Im Rahmen der kommunalen Impfangebote können sich auch Personen boostern lassen, deren Grundimmunisierung mindestens vier Monate zurückliegt. Davon unberührt bleiben Einzelfallentscheidungen aufgrund einer medizinischen Indikation für eine frühere Auffrischungsimpfung, sofern hier ein Mindestabstand von vier Wochen erreicht ist.“ Weiter betont das Ministerium nun: „Der im Impferlass vom 13. Dezember 2021 thematisierte Mindestabstand von vier Wochen stellt demnach ausdrücklich keine Empfehlung, sondern eine absolute Untergrenze für Einzelfallentscheidungen dar.“

Das hatten Kommunen am Montag noch ganz anders verstanden. Ärzte und Immunologen hatten das Ministerium daraufhin scharf kritisiert. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hatte den umstrittenen Laumann-Erlass von Montag zunächst aber noch verteidigt.

Zugleich sorgen die Warnungen vor einem neuen Mangel für Ärger. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) fürchtet im kommenden Jahr einen Mangel an Corona-Impfstoffen. „Wir haben zu wenig Impfstoff. Das hat viele überrascht, mich auch", sagte er am Dienstag in den ARD-„Tagesthemen". Nach einer Inventur kamen die Experten seines Hauses zum Ergebnis, dass die Reserven für Januar bis März nicht ausreichen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) reagierte entsetzt: „Wir haben in Deutschland gerade ein Rekordtempo beim Impfen in den Praxen erreicht. Diese Nachricht, dass wir einen Impfstoffmangel haben, ist ein fatales Signal an alle, die gerade mit vollem Einsatz diese Pandemie bekämpfen“, sagte KBV-Chef Andreas Gassen. Man brauche Transparenz und vor allem ganz schnell genügend Impfstoffe. „Es kann nicht sein, dass die wöchentliche Impfstoffauslieferung ein Glücksspiel ist, bei dem die niedergelassenen Kollegen nie wissen, ob sie das erhalten, was sie auch bestellt haben. Es darf doch nicht wahr sein, dass im Land der Impfstoff-Entwicklung zu wenig Impfstoff gekauft wurde.“

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Laumann bleibt dagegen gelassen: „In Nordrhein-Westfalen haben wir auf jeden Fall in dem absehbaren Zeitraum Impfstoff da. Die Hausarztpraxen sind sehr gut beliefert worden“, sagte Laumann im WDR. Er sei auch überzeugt, dass der Bund schnell zusätzlichen Stoff beschaffen könne. „Ich bin ziemlich sicher, dass es dem Bund gelingt, ich sag mal in den nächsten 14 Tagen, auch zusätzlichen Impfstoff zu bekommen.“ Die Impfkampagne dürfe jetzt auf keinen Fall ins Stocken geraten. Lauterbach habe aber in einer Schalte mit den Landesgesundheitsministern gesagt, dass er in sehr guten Gesprächen mit Moderna und Biontech sei. „Am Ende des Tages ist der Bund für die Impfstoffbeschaffung zuständig“, stellte Laumann klar.

Umso wichtiger ist es, dass die Gesellschaft sich auf die Impfnachweise verlassen kann. Und hier wird nun die Sicherheit bei der alltäglichen Ausstellung der Zertifikate erhöht. „Um Impfpass-Fälschungen besser eindämmen zu können, werden Apotheken ab Donnerstag eine neue Funktion in ihrem Zertifizierungs-Portal nutzen können. Dann wird es eine neue Prüffunktion geben, mit der Apotheken die Chargennummern der verimpften Dosen digital prüfen können“, sagte Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein, unserer Redaktion. Man habe gemeinsam mit dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) eine Möglichkeit entwickelt, Fälschungen noch besser zu erkennen: Konkret werden Apotheken damit sofort prüfen können, ob die im Impfpass angegebene Chargennummer zum verimpften Impfstoffe passt. Zusätzlich wird geprüft, ob zum angegebenen Impfzeitpunkt diese Chargen überhaupt an Praxen oder Impfzentren verteilt worden waren. „Wir sind sehr froh die ehrlichen Bürger noch schneller und sicherer mit einem digitalen Impfpass versorgen können“, so Preis. Wer gefälschte Dokumente vorlege, werde es jetzt noch schwerer haben, sich digitale Impfzertifikate zu erschleichen.