Das hat Spahn vor Drei Wege zu mehr Impfungen

Düsseldorf · Deutschland kommt mit dem Impfen weiter nur schleppend voran: Nach Angaben des RKI sind bislang erst 5,3 Prozent der Bevölkerung geimpft. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will nun das Impftempo erhöhen - mit drei Maßnahmen.

 Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Foto: dpa/Michael Kappeler

Deutschland kommt mit dem Impfen weiter nur schleppend voran: Nach Angaben des Robert-Koch-Institutes (RKI) sind bislang erst 5,3 Prozent der Bevölkerung geimpft. Zum Vergleich: In Israel sind es 88,5 Prozent, in Großbritannien 31,3 Prozent. „Es braucht mehr Tempo“, räumte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Mittwoch in der ARD ein. Das will er mit drei Maßnahmen erreichen: Astrazeneca für Ältere zulassen, längere Intervalle zwischen erster und zweiter Dosis, mehr Pragmatismus.

Astrazeneca für Ältere „Wenn wir die über 65-Jährigen mit Astrazeneca impfen könnten, würde das richtig Geschwindigkeit bringen“, sagte Spahn. Er hoffe auf eine Entscheidung der Ständigen Impfkommission (Stiko) binnen Tagen. Am Donnerstag kam dann das Go. Spahn teilte mit, dass die Stiko nun auch Astrazenca-Impfstoff für Ältere empfiehlt. Neue Studiendaten belegten zudem, dass das Vakzin bei einem Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung von zwölf Wochen noch wirksamer sei. Auch das empfehle die Stiko. „Beide Empfehlungen werden wir sehr zeitnah in der Verordnung umsetzen“, erklärte Spahn.

Das Problem, das vor dem Startschuss bestand: Deutschland sitzt auf Tausenden Dosen von Astrazeneca. Und die europäische Arzneibehörde Ema hat diesen Impfstoff auch für alle Erwachsenen zugelassen. Doch die Stiko hatte die Vergabe zunächst auf die unter 65-Jährigen beschränkt, weil Astrazeneca nicht ausreichend Studiendaten für Ältere vorgelegt hat. Dabei sind nicht die Nebenwirkungen das Problem: Die fallen bei Jüngeren sogar tendenziell stärker aus als bei Älteren, weil ihr Immunsystem viel besser arbeitet. Umstritten war bislang aber die Wirksamkeit, hier liefert der britische Hersteller nun Daten nach. Nach schottischen Studien zeigt Astrazeneca auch bei Älteren Wirkung: Das Risiko eines schweren Verkaufs mit Klinikeinweisung sank nach einer Impfung bei Älteren um 94 Prozent.

Impf-Intervall erhöhen Die Briten sind auch deshalb so weit mit den Impfungen, weil sie in der Regel alles verimpfen, was sie haben. In Deutschland wird dagegen die zweite Dosis konsequent zurückgelegt, damit jeder Impfling garantiert zwei Dosen erhält. Das ist grundsätzlich vernünftig, weil der Verzicht auf die zweite Dosis die Entstehung von gefährlichen Mutationen begünstigen kann. Allerdings soll diese Spanne nun möglichst ausgereizt werden. Für Astrazeneca etwa wird die Gabe der zweiten Dosis vom Hersteller vier bis zwölf Wochen nach der ersten Impfung empfohlen. Wenn man nun konsequent auf zwölf Wochen geht, können damit während der aktuellen Durststrecke mehr Menschen erstgeimpft werden. Ab April/Mai werden ohnehin viele Lieferungen erwartet. Mit dem Impfstoff von Biontech solle möglichst erst nach sechs Wochen eine Zweitimpfung erfolgen, mit dem von Astrazeneca nach zwölf Wochen, sagte Spahn nun. Dann könne Deutschland nicht nur zu mehr Erstimpfungen kommen. Bei Astrazeneca steige dann sogar die Wirksamkeit.

In der Tat: Erfolgt die zweite Astrazeneca-Impfung nach weniger als sechs Wochen, liegt die Wirksamkeit, eine Covid-Erkrankung zu verhindern, nur bei 53,4 Prozent, wie aus Angaben des RKI hervorgeht. Erfolgt die zweite Impfung dagegen erst nach acht bis elf Wochen, steigt die Wirksamkeit auf 72,9 Prozent. Das Fazit der RKI-Experten: „Ein verlängertes Dosisintervall hat einen positiven Effekt auf die Höhe des Impfschutzes.“ Und es schmälert nicht den Schutz: „Bereits nach Verabreichung der ersten Dosis besteht ein relevanter Schutz, der ohne einen Wirkverlust über mehrere Wochen anhält und somit die Gabe der zweiten Dosis zu einem möglichst späten, noch von der Zulassung gedeckten Zeitpunkt ermöglicht“, erläutert das RKI.

Mehr Flexibilität Als drittes mahnte Spahn mehr Flexibilität in den Impfzentren an. Dort solle mit einem „prinzipiengeleiteten Pragmatismus“ flexibler entschieden werden, ohne die Priorisierung aufzugeben. Das muss der Minister den Impfzentren nicht sagen. Schon jetzt lädt etwa das Impfzentrum Köln Tausende Praxisteams und Polizeikräfte ein, um seinen auf Halde liegenden Astrazeneca-Impfstoff in die Arme der Menschen zu bringen. Ab Montag werden in NRW nun Grund- und Förderschullehrer, Erzieher sowie Polizeikräfte, die einem hohen Infektionsrisiko durch regelmäßigen Bürgerkontakt ausgesetzt sind, ein Impfangebot erhalten. „Die Hundertschaften der Polizei haben dabei Priorität“, erklärte das NRW-Gesundheitsministerium. Das Ministerium geht davon aus, dass damit nun 750.000 Impfberechtigte hinzukommen. Zur Flexibilität gehört es auch, in Einzelfällen schon jetzt Astrazeneca an über 65-Jährige zu verimpfen: Dies sei erlaubt, etwa wenn Allergien gegen den Biontech-Impfstoff bestehen, erklärte das Paul-Ehrlich-Institut.

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