Berlinale 2018: Jury-Präsident Tom Tykwer will im Kino Ferien machen

Berlinale 2018: Jury-Präsident Tom Tykwer macht im Kino Ferien

Donnerstagabend werden die 68. Filmfestspiele in Berlin eröffnet. Der Präsident der Berlinale-Jury, Tom Tykwer, will sachlich über die Me-Too-Debatte reden und bei einem Filme-Marathon im Kino Ferien machen.

"Mein Plan ist, hier einen Urlaub zu verbringen: in neun Tagen 19 Filme zu schauen, das Fest ernst zu nehmen, das wir hier feiern, und am Ende aus einer Gruppe eine Stimme zu formen, die dem Festival gerecht wird." Mit diesem Bekenntnis hat Tom Tykwer bei seinem ersten öffentlichen Auftritt auf die 68. Filmfestspiele in Berlin eingestimmt.

Die beginnen mit der Premiere des Animationsfilms "Isle of Dogs" von Wes Anderson. Tykwer betonte den Spaßfaktor beim Filmschauen und wollte sich nicht auf ästhetische Kriterien festlegen lassen. "Wir alle haben bestimmte Erfahrungen im Film, aber in der Jury wollen wir uns als Zuschauer erwischen und begeistern lassen", sagte Tykwer. Auch die Frage, ob ein Animationsfilm eine gute Wahl zur Eröffnung sei, konterte er gelassen.

"Wir sehen einen Film über Hunde, die Stimmen der Hunde sind alle in Berlin - berühmte Schauspieler und dieses Rudel ist Donnerstagabend auf dem Roten Teppich, das will man doch für einen Eröffnungsfilm", so Tykwer. Tatsächlich sind für die Eröffnung heute Abend Hollywood-Stars wie Tilda Swinton, Greta Gerwig oder Bill Murray angesagt.

Berlinale-Chef Dieter Kosslick und Tom Tykwer. Foto: rtr, SZ

Nachfolger für Berlinale-Chef Dieter Kosslick gesucht

  • 68. Internationale Filmfestspiele : Berlinale in Zeiten von #MeToo

Die 68. Berlinale fällt in ein Jahr, in dem gleich zwei Themen schon vor der ersten Filmpremiere für Diskussionsstoff sorgen: die Frage, wie Berlin auf die Me-Too-Debatte reagieren wird und die Suche nach einem Nachfolger für Berlinale-Chef Dieter Kosslick. Der wird im nächsten Jahr seinen Abschied nehmen.

90 Filmschaffende hatten vor einigen Wochen einen offenen Brief unterzeichnet, in dem ein transparenter Prozess für die Nachfolgesuche und eine Entschlackung des in zahlreiche Nebenreihen diffundierenden Festivalprogramms gefordert wurde. Die Nachfolgesuche, die von Kulturstaatsministerin Monika Grütters verantwortet wird, geht derweil so hinterzimmerig weiter wie zuvor. Die Frage nach der künftigen Programmgestaltung hat sich jedoch schnell in eine Abrechnung mit dem amtierenden Berlinale-Chef verwandelt.

Auch Tom Tykwer wurde auf diesen Brief angesprochen. Er selbst hat ihn nicht unterzeichnet, wollte aber für seine Kollegen betonen, dass es in dem Brief nicht darum gegangen sei, Kosslick anzugreifen, sondern eine produktive Debatte über die Zukunft des Festivals zu führen. "Wir alle lieben die Berlinale", so Tykwer.

Die Me-Too-Debatte wird in einigen Podiumsdiskussionen am Rande der Berlinale eine Rolle spielen. Kosslick war darum bereits halbherziger Umgang mit dem Thema vorgeworfen worden. Tykwer sprach sich nun als Jury-Präsident dafür aus, die Debatte so sachlich und konkret wie möglich weiterzuführen. "Es ist gut, dass wir uns jetzt von den Einzelfällen entfernen und über Arbeitsethik und Machtmissbrauch sprechen", so Tykwer. "Wir sollten nicht über die Anderen reden, sondern über unsere eigenen, konkreten Arbeitsverhältnisse."

(dok)