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Fußball: Geplante Auszeit für erhitzte Gemüter

Fußball : Geplante Auszeit für erhitzte Gemüter

Herbert Fandel, Vorsitzender der DFB-Schiedsrichterkommission, hat die von UEFA-Präsident Michel Platini vorgeschlagene Zeitstrafe auf die Tagesordnung gebracht. Die Meinungen im Fußballkreis Moers dazu sind eindeutig.

Im Eishockey ist sie gang und gäbe, im Jugendfußball gibt es sie immer noch, auch im Seniorenfußball der ehemaligen Oberliga Nordrhein gehörte sie dazu: die Zeitstrafe (Weiße Karte). Im Herbst 2013 hatte sie UEFA-Präsident Michel Platini wieder zum Gegenstand einer Regel-Reform gemacht. Anfang des Jahres wiederum kramte Herbert Fandel, Vorsitzender der DFB-Schiedsrichterkommission, die Idee wieder hervor. Er halte eine zehnminütige Zeitstrafe im Profifußball für denkbar und möglich, "um den Druck von den Gelben und Roten Karten zu nehmen". Fandel fühlt sich durch die Erfahrungen in der damaligen Oberliga Nordrhein bestätigt. Dort wurde die Zeitstrafe mit der Saison 1979/80 eingeführt. "Und sie hat dort erstklassig funktioniert", meint Fandel, der sich dazu gegenüber der Fachzeitschrift "Sport Bild" äußerte. Mit der Einführung der Gelb-Roten Karte im Jahr 1992 war allerdings auch die Zeitstrafe in der damals höchsten Amateurklasse Vergangenheit.

Auch wenn Fandel zunächst nur von einer möglichen Wiedereinführung im Profifußball spricht, ist das Thema für die Amateure in den untersten Spielklassen nicht uninteressant. Die erst vor kurzem eingeführte Sperre nach fünf Gelben Karten hat schließlich auch mit der Zeit ihren Weg aus dem Profi- ins Amateurlager gefunden. Im Fußballkreis Moers sieht man die geplante Einführung der Zeitstrafe mit gemischten Gefühlen.

Georg Thüs hält schon die Einführung der Sperre nach der fünften Gelben Karte für überzogen. Der Trainer des SV Sonsbeck II, ohnehin ein Fußball-Nostalgiker, begegnet daher auch der Zeitstrafe mit Skepsis. "Alles, was den Fußball komplizierter macht, davon halte ich nicht viel. Man sollte dann eher zu den Wurzeln zurückkehren." Er äußert die Befürchtung, dass womöglich "härter gespielt" werden würde, weil so mancher Balltreter gerade in der unteren Klassen die Zeitstrafe als eine weitere Verwarnung falsch verstehen könnte. Für Jörg Schütz, Coach von Viktoria Alpen, gibt's dann doch dringendere Themen im Amateurfußball, mit denen sich die Verantwortlichen eher beschäftigen sollten. "Ich weiß nicht, ob die Zeitstrafe etwas bringen würde. Vielmehr sollte man sich doch um die ganz akuten Probleme an der Basis kümmern - beispielsweise fehlt es an Schiedsrichtern. Und die, die pfeifen, werden immer älter."

Michael von Zabiensky ist der Meinung, dass die Unparteiischen im Amateurbereich schon ohne Zeitstrafen-Regel genügend um die Ohren haben. "Ich bin daher sehr skeptisch. In der Bundesliga wird der Schiedsrichter von seinen Assistenten unterstützt. Ich habe die Befürchtung, dass es in der Kreisliga hektische Spiele geben könnte, wo der Schiri dann nicht rechtzeitig auf die Uhr schaut", meint der Trainer des SV Budberg II. "Kalli" Beeck vom TuS Xanten hält rein gar nichts von der Weißen Karte. "Schon jetzt sind einige Unparteiische damit überfordert, kritische Situationen richtig einzuschätzen. Ohnehin ist der Verband doch froh, wenn er junge Leute findet, die Schiri werden wollen. Die Zeitstrafe heißt Mehrbelastung und hält vielleicht den ein oder anderen ab."

(RP)