Serie Wir Sind Feuer Und Flamme (4): Proben für den Ernstfall

Serie Wir Sind Feuer Und Flamme (4): Proben für den Ernstfall

Regelmäßig üben die Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Xanten ihr Vorgehen im Einsatzfall. Wir waren bei einer Brandübung hautnah dabei.

XANTEN Der junge Mann greift aufgeregt zum Handy, tippt hektisch auf dem Display herum und wartet schließlich ungeduldig darauf, dass am anderen Ende der Leitung jemand abhebt. Bange Sekunden vergehen, dann endlich: "Kommen Sie bitte schnell, hier brennt es. Da steht... ja, hier brennt es. Johannes-Janssen-Straße. Da steht noch eine Person am Fenster. Bitte beeilen Sie sich", ruft er ins Telefon.

Foto: Plüm Markus

Am Fenster der ehemaligen Förderschule ist derweil niemand zu sehen, nur dichter Nebel wabert hinter den Scheiben im ersten Stock und bahnt sich seinen Weg durch kleinste Ritzen nach draußen. Doch Brandrauch ist hier weit und breit nicht zu sehen.

Foto: Ostermann Olaf

Denn es brennt überhaupt nicht. Beim Anrufer Jan Schneider handelt es sich nicht um einen panischen Nachbarn, sondern um ein Mitglied des Löschzugs Mitte der Freiwilligen Feuerwehr Xanten, die an der alten Förderschule einen Brandeinsatz simuliert hat und für den Ernstfall übt.

Kurz und prägnant: Die Anweisungen müssen unmissverständlich sein. Foto: Ostermann Olaf

Wenige Minuten nach Eingang des "Notrufs" treffen die Einsatzkräfte schließlich auf der Johannes-Janssen-Straße ein. Vor dem Stiftsgymnasium gehen sie in Bereitschaft, Einsatzleiter Jörg Heindorf steigt als erster aus und erkundet die Lage. Jetzt ist Jan Schneider wieder voll in seinem Element, mimt einen Betroffenen und stürmt auf Heindorf zu. "Da oben, vorhin stand da noch jemand. Seit ein paar Minuten habe ich die Person aber nicht mehr gesehen." Heindorf bleibt ruhig und abgeklärt, versucht, die Lage in den Griff zu bekommen. Er verschafft sich einen schnellen Überblick.

Derweil haben die übrigen Einsatzkräfte schon damit begonnen, alles für den simulierten Löschangriff vorzubereiten. Einige haben sich mit Atemluftflaschen ausgerüstet, andere kümmern sich um die Wasserversorgung, weitere stecken die Leiter zusammen, um von außen in den ersten Stock zu gelangen. Dann ruft Heindorf seine Mannschaft zusammen, gibt kurze, aber prägnante Anweisungen. Jeder weiß sofort, was er zu tun hat. Konzentriert und strukturiert, aber dennoch zügig gehen die Einsatzkräfte zu Werke. Zwei sogenannte Angriffswege werden erschlossen: Ein Trupp erklimmt die inzwischen aufgestellte Leiter, ein weiterer verschafft sich Zugang über eine seitlich gelegene Tür.

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Für Menschen, die mit diesen Vorgängen nicht vertraut sind, sieht das Vorgehen der Einsatzkräfte wuselig und unkoordiniert aus. Doch es greifen viele kleine Rädchen ineinander, die Xantener Feuerwehrleute, alle ehrenamtlich im Dienst, leisten gute Arbeit. "Deshalb trainieren wir so etwas regelmäßig, damit wir mögliche Fehler im Ernstfall ausschließen können", sagt Christian Schäfer, der die Anstrengungen seiner Kameraden von außen beobachtet. Derweil sind auch die ersten Anwohner auf das Treiben an der ehemaligen Förderschule aufmerksam geworden, werfen sorgenvolle Blicke in Richtung der Einsatzstelle. Doch schnell erkennen auch sie, dass es sich um eine Übung handelt.

Rund 20 Minuten nach dem Eintreffen am "Einsatzort" ist die Übung beendet. Die Wehrleute haben sich durch das Treppenhaus und durch ein Fenster den Weg zum vermeintlichen Feuer gebahnt, dabei einen "Menschen" gefunden und ins Freie gerettet. Die Anspannung fällt von allen ab, verschwitzte Gesichter kommen zum Vorschein, als sie ihre Atemschutzmasken abnehmen. Die ersten Zigaretten werden herumgereicht.

Direkt im Anschluss steht die Manöverkritik an. Die sichtlich geschafften Einsatzkräfte schildern ihre Eindrücke und Erfahrungen der vergangenen 20 Minuten, erläutern ihr Vorgehen und sprechen auch Fehler an. "Das ist wichtig, schließlich lernt man nur so dazu. Niemand nimmt die Kritik übel. Im Gegenteil: Man weiß, dass man sich aufeinander verlassen kann. Das stärkt die Kameradschaft", sagt Schäfer. Letztlich sind alle zufrieden mit der Übung. Von der Alarmierung bis zur Rettung der vermeintlich vermissten Person hat es 17 Minuten gedauert - eine sehr gute Zeit, die im Ernstfall womöglich ein Leben hätte retten können.

Lob gibt es schließlich auch für die Kameraden, die die Übung vorbereitet hatten. "Ihr habt einige Stolpersteine eingebaut. Das war echt knifflig, im Treppenhaus durchzukommen", sagt Sarah Wollweber. "Wir denken, ihr seid alle auf das Stresslevel eines richtigen Einsatzes gekommen. Das wollten wir auch erreichen", heißt es von der Übungsleitung. "Aber alles ist sehr rund gelaufen, das war gute Arbeit."

Danach wird schnell wieder aufgeräumt. Schließlich kann es jederzeit zu einem Ernstfall kommen. Auf den sind die Xantener Wehrleute bestens vorbereitet.

(p-m)