Kreis Wesel: Zahl der Verkehrstoten auf Rekordtief

Kreis Wesel : Zahl der Verkehrstoten auf Rekordtief

Landrat und Kreispolizei legen Verkehrsunfallbilanz 2013 vor. Positiv: deutlich weniger Unfälle mit Kindern, jungen Fahrern und Senioren. Allerdings sind im vergangenen Jahr mehr ältere Radler ums Leben gekommen.

Keine Frage: Elf Menschen, die im vergangenen Jahr ihr Leben bei Verkehrsunfällen im Kreis Wesel verloren haben, sind genau elf zu viel. Doch schaut man sich die Unfallstatistiken vergangener Jahrzehnte an, wird man verstehen, warum Landrat Dr. Ansgar Müller, Polizeioberrat Herbert Ickert und Abteilungsleiter Utz Schmidt, die Verkehrsunfallbilanz 2013, die sie gestern vorgestellt haben, sehr positiv bewerten.

Bei Unfällen im Kreis Wesel sind im vorigen Jahr 1746 Menschen verletzt worden – 199 weniger als 2012. Foto: Archiv

"1976 gab es genau 123 Verkehrstote im Kreis — also zehn im Monat", hat Schmidt herausgefunden. "Heute haben wir — wirklich unfassbar — elf im ganzen Jahr und damit im zweiten Jahr hintereinander einen historischen Tiefststand." Natürlich habe das damit zu tun, dass es Mitte der 70er Jahre noch keine Gurtpflicht gab, die Autos noch keine Airbags hatten und auch sonst längst nicht so sicher waren wie heute. Doch Schmidt ist überzeugt, dass nicht zuletzt durch verstärkte Aufklärungsarbeit und Tempokontrollen ein Umdenken stattgefunden hat.

Wenn Notärzte bei der Aktion "Crash Kurs" in Schulen von Unfällen berichten, bringt das Schüler zum Nachdenken. Foto: NN

Hier jetzt die wichtigsten, von Landrat Dr. Müller vorgestellten Punkte der Bilanz:

Die Zahl der Verkehrsunfälle, an denen Kinder beteiligt waren, sank 2013 im Vergleich zu 2012 um 16 auf 131. Verletzt wurden 156 Mädchen und Jungen (minus 37). Getötet wurde kein Kind. "Unsere Arbeit hat offensichtlich Früchte getragen", freute sich Dr. Müller. Bekanntlich hatte der Kreis Wesel in den vergangenen Jahren mit dem Makel zu kämpfen, bei den Unfällen mit Kindern landesweit mit an der Spitze zu liegen. Die Unfallhäufigkeitszahl bei Kindern (Verkehrsunfälle pro 100 000 Mädchen und Jungen) liegt im Kreis Wesel mittlerweile bei 265 (minus 17 Prozent) und im Landesdurchschnitt bei 262 (minus ein Prozent). Damit dieser Wert im laufenden Jahre weiter sinkt, wird die Polizei weiter Fahrräder auf ihre Verkehrstüchtigkeit hin kontrollieren und radelnde Schüler, die in der verkehrten Richtung unterwegs sind, auf ihr Fehlverhalten aufmerksam machen. Eltern erhalten entsprechende Mitteilungen. "Denn wir sind auf die Mithilfe der Erziehungsberechtigten angewiesen", erklärte der Landrat.

Fahrer Fahranfänger gehörten viele Jahre lang zu den Problemgruppen. Nicht selten verursachten sie durch viel zu schnelles Fahren und Alkohol am Steuer schwere Unfälle. 2012 wurden noch vier Menschen bei Unfällen, an denen junge Fahrer beteiligt waren, getötet. 2013 war kein Todesopfer zu beklagen. Und auch die Zahl der Unfälle (637; minus 126) und der Verletzten (282; minus 44) ist deutlich zurückgegangen. Herbert Ickert geht davon aus, dass die in den weiterführenden Schulen durchgeführte Vortragsreihe "Crash Kurs NRW — Realität erfahren. Echt hart" nachhaltig Wirkung zeigt. "5000 bis 7000 Zehntklässlern wird deutlich gemacht, wie grausam Unfälle sein können. Die Bilder, die da von Unfällen aus der Region gezeigt werden, sind hart." Und Kollege Schmidt fügt hinzu: "Und wenn dann noch der Notarzt Details erzählt und alles mit passender Musik untermalt wird, heulen selbst coole 17-Jährige wie Schlosshunde."

Fast die Hälfte aller Verkehrstoten des vergangenen Jahres sind Senioren. "Weil sie oft zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind und sich oft falsch verhalten", erklärt Ickert. Die Unfallkennziffer bei dieser Gruppe beträgt im Kreis Wesel 707 (minus 7,5 Prozent) und liegt damit deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 743 (minus 0,3 Prozent).

(RP)
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