Wesel: Bislichs Paradies soll zurück zur Natur

Wesel : Bislichs Paradies soll zurück zur Natur

Bio-Station legt Plan zur"Wiederherstellung einer permanent durchströmten Nebenrinne am Rhein" vor. Starten könnte des Drei-Millionen-Euro-Projekt im nächsten Jahr. Fische und Vögel profitieren. Und auch der Naturtourismus.

Das Panorama, das sich vor den Augen von Tausenden Radlern und Fußgängern auf dem Deich in Bislich ausbreitet gehört zu den höchsten Genüssen, die der Niederrhein zu bieten hat. Die natürliche Kulisse: der mächtige Strom, auf dem große Schiffe tuckern, von kleinen Seen und Tümpeln durchzogene Wiesen, in denen seltene Vögel staksen, gesäumt von Kopfweiden, auf dem anderen Ufer der stolze St.-Viktor-Dom in Xanten — wie gemalt. Der Bereich zwischen Deich und Rhein soll nun ökologisch aufgewertet und zur permanent durchströmten Nebenrinne entwickelt werden. Das EU-Projekt Life o8 "Nebenrinne Bislich-Vahnum" hat Klaus Kretschmer von der Biostation jetzt im Landschaftsbeirat erläutert.

Es geht darum, den feuchten Streifen im Vorbett des Rheins so zu entwickeln, dass in ihm permanent Wasser fließt, so dass er als Lebensraum für Fische sowie Wasser- und Wiesenvögel noch attraktiver wird. Die Kosten werden auf 3,2 Millionen Euro beziffert, die Hälfte davon kommt aus Brüssel, Landesumweltminister Remmel steuert 1,2 Millionen Euro bei, der Rest stammt von Naturschutz-Stiftungen, der Uni Köln und Projektpartnern. Träger des Projektes ist die Nabu-Naturstation im linksrheinischen Kranenburg, die sich einst auf die Suche nach entwicklungstauglichen Flussrefugien gemacht hat, die Schule machen können, und sie ist in Bislich fündig geworden.

Für die Entwicklung der Nebenrinne läuft das formelle Genehmigungsverfahren. Erörterungstermin für die Eingaben soll im März sein, im Sommer soll die Planfeststellung stehen, so dass es im nächsten Jahr losgehen kann mit der konkreten Umsetzung. Parallel laufen Planfeststellungen zur Entwicklung des Bislicher Fährkopfs (siehe Info-Box) und für die Erweiterung des Kieshafens der Firma Suhrborg an den jeweiligen Enden des Naturreservats Nebenrinne. Drei Jahre sind für die Operation angesetzt.

Ziel der permanent durchströmten Nebenrinne ist die Entwicklung von Öko-Lebensräumen beispielsweise durch "schlammige Flussufer" und "Fließgewässer mit Unterwasservegetation". Profitieren sollen Fischarten, die zwar durchströmte Laichgründe benötigen, die aber vor Wellenschlag, wie es auf der Verkehrsader Rhein Dauerzustand ist, geschützt sein müssen. Klaus Kretschmer nannte als Profiteure Steinbeißer, Maifisch und Nordseeschnäpel. Außerdem würde das Gebiet für geschützte Wasser- und Wiesenvögel "optimiert". Rotschenkel, Uferschnepfe, Löffelente, Zwergtaucher und eben arktische Gänse, die den Niederrhein als Winterquartier in Heerscharen aufsuchen, sollen sich wieder zu Kiebitz, Flussregenpfeifer, Wiesenpieper und zur Kreuzkröte gesellen.

Es ist ausdrückliches Ziel des Konzeptes, dass weder die landwirtschaftliche Nutzung noch der Hafenbetrieb eingeschränkt werden sollen. Die Nato-Straße im nördlichen Abschnitt des Projektgebietes soll zurückgebaut, der Bislicher Melkstalldamm als Zuwegung zu den Rheinweiden ausgebaut werden. Er soll einen Durchlass bekommen und an die südlichen Weiden angebunden werden. Weiterer Effekt der Renaturierung: Der Eingriff in die Landschaft werde, so die Projektbetreiber, auch den Hochwasserschutz verbessern, weil in der neuen Nebenrinne den Abfluss störende "Querriegel im Rheinvorland" verschwinden. Es kommt Bewegung in die malerische Kulisse.

(RP)
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