Hamminkeln: Holtkamps mögen "Essen auf Rädern"

Hamminkeln : Holtkamps mögen "Essen auf Rädern"

Die Eheleute Antonius (76) und Ursula (71) Holtkamp in der Isselsiedlung in Ringenberg haben die Caritas-Aktion "Essen auf Räder" zur Millionärin gemacht. Morgen sind alle freiwilligen Helfer in den Saal Hoffmann in Dingden eingeladen.

Mittagszeit. Ursula (71) und Antonius Holtkamp (76) sitzen in ihrer gemütlichen Stube am Esstisch. Sie wissen: Gleich kommt der Fahrer, der die blauen Warmhaltebehälter auf der Treppe des Häuschens in der Isselsiedlung in Ringenberg tauscht und die warme Mahlzeit bringt. So, wie's bei den Holtkamps seit zwei Jahren an vier Tagen der Woche geschieht. 11.47 Uhr, pünktlich wie immer, fährt die Aktion Essen auf Rädern vor.

Heute ist Theo Niemann mit seinem Privatwagen im Revier auf Tour. Der Hausmeister im Vereinsheim von Blau-Weiß Dingden hat das Ehrenamt von seinem inzwischen verstorbenen Vater Bernhard übernommen. Er macht den Job seit fast zehn Jahren. Einmal im Monat liefert er an ein gutes Dutzend Adressen. Eigentlich tauscht er die Behälter aus, klingelt und fährt weiter. Auch die Nächsten auf der Liste warten aufs Essen. Heute kommt er kurz rein — auf ein Foto.

Denn die Eheleute Holtkamp waren es, die die Aktion der Caritas in Dingden, die vor 34 Jahren an den Start gegangen ist, zur Millionärin gemacht haben. Und das ausgerechnet am Neujahrstag. Da gab's ein richtiges Festmenü: Rindfleischsuppe, Rindfleisch mit Remoulade, Petersilienkartoffeln, Kaisergemüse und zum Nachtisch eine Rotweincreme.

Heute, als die RP zu Gast ist, stehen eine Bouillon, Zigeunerschnitzel, Kartoffeln, Salat und Mandarinenquark auf dem Speiseplan. "Keine Sterne-Essen", sagt Antonius Holtkamp, "aber warm. Es schmeckt alles, vor allem die Suppe und der Nachtisch sind immer klasse." Und auch die Portionen seien ausreichend, findet der schlanke Rentner, über den seine Frau sagt, er habe immer Appetit für zwei.

Ursula Holtkamp leidet an Parkinson, sitzt im Rollstuhl und ist auf Pflege angewiesen. In der Woche fährt ihr Mann sie an zwei Tagen zu Therapien ins Augusta-Hospital nach Anholt. Weil Kochen einfach zu viel Zeit fressen würde, haben sich die Holtkamps vor fast zwei Jahren an die Caritas-Aktion gewandt, und es nie bereut. "Die Qualität und die Zuverlässigkeit stimmen, der Preis von 4,60 pro Mahlzeit ist angemessen", sagt der gelernte Textilmeister. Bis zur Pensionierung war er 30 Jahre lang beschäftigt beim "Arbeitsamt", wie er seinen alten Arbeitgeber weiter beharrlich nennt.

Der ehrenamtlich organisierte Mahlzeitendienst ermögliche es ihnen, trotz aller Beschwernisse weiter ein fast unabhängiges Leben zu führen. "Im Notfall springen die Kinder ein", so der 76-Jährige. Fürs Essen ist jedenfalls gesorgt, auch an Sonn- und Feiertagen. Weihnachten gab's eine Tüte Spekulatius extra. Nur samstags, da stellt sich der Hausherr an den Herd. "Aber nur unter Anleitung der Küchenchefin, eine Spitzenköchin", sagt er bescheiden. Ursula Holtkamp lächelt, freut sich über das ehrliche Lob.

Lob gibt es auch für die Caritas-Aktion. In der ganzen Zeit, in der Essen auf Rädern zu ihnen kommt, sei nie was schiefgelaufen. Die Suppe sei nicht einmal versalzen gewesen. "Das passt alles", so Antonius Holtkamp. Selbst Sonderwünsche würden zuverlässig erfüllt. "Meine Frau mag nicht so gern Joghurt", erzählt er, "sie bekommt dafür was anderes, Obst oder Pudding."

Seine Frau ergänzt, dass auch Diätpläne individuell ausgetüftelt werden. Eine Nachbarin leide an Laktoseunverträglichkeit. Als das Essen umgestellt worden sei, sei's ihr bessergegangen. Und man könne sein Essen jederzeit telefonisch abbestellen, wenn's mal aus irgendeinem Grund nicht passt. Die Telefonnummer zur Küche im Dingdener Josefhaus liegt stets griffbereit.

Jetzt aber ist genug erzählt. Das Essen steht warm. Die RP dankt für das nette Gespräch, wünscht guten Appetit und sagt tschüss.

(RP)